Immer neue Negativ-Rekorde

Die vierte Corona-Welle trifft auch den Landkreis Forchheim mit voller Wucht

Datum: 20.12.2019, Abrechnung: Pauschale Motiv: Philipp Rothenbacher, Portrait, Porträt, Mitarbeiterportrait, NN-Redakteur, Verlag Nürnberger Presse, VNP
Philipp Peter Rothenbacher

Nordbayerische Nachrichten Forchheim-Ebermannstadt

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18.11.2021, 15:00 Uhr
In vielen Kliniken kommen die Intensivstationen bereits an ihre Belastungsgrenzen. Das Bild zeigt eine Corona-Intensivstation in Schleswig-Holstein.

In vielen Kliniken kommen die Intensivstationen bereits an ihre Belastungsgrenzen. Das Bild zeigt eine Corona-Intensivstation in Schleswig-Holstein. © Frank Molter/dpa

Wenn im vergangenen Jahr die Infektionszahlen im Landkreis rasch nach oben gingen, konnte sich das oft auf lokal begrenzte Corona-Ausbrüche in (Pflege-)Einrichtungen oder größere (private) Zusammenkünfte zurückführen lassen. Der Begriff des "Hotspots" bürgerte sich ein.

Mitte November 2021 (und mitten in der vierten Pandemie-Welle) kommt es landkreis-, länder-, bundesweit zu einem nie dagewesenen Anstieg der Infektionen und Inzidenzen, ein Negativ-Rekord jagt den nächsten, die "Hotspots" sind flächendeckend geworden. Infektionsketten nachverfolgen? Bei aktuell 999 bestätigten Fällen im Landkreis Forchheim ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Zur Einordnung dieser Zahl: Seit Pandemiebeginn Anfang 2020 wurden im Landkreis insgesamt 6861 Infektionen gemeldet - und davon fast 1000 erst im Laufe der letzten paar Wochen (Stand: 18.11.21, 15 Uhr).

Die Gesundheitsämter sind heillos überlastet, auch in Forchheim: Eine annähernd vollständige Nachverfolgung (beziehungsweise Kontaktierung der Betroffenen) funktioniert bei so hohen Fallzahlen längst nicht mehr. "Viel mehr, als zu versuchen, möglichst zeitnah die infizierten Personen anzurufen und aufzuklären, welche Kontaktpersonen sie zu verständigen haben, können wir derzeit kaum machen", sagt Landratsamtssprecherin Kathrin Schürr.

Inzwischen ist ein hohes Maß an Eigenverantwortung im Infektions- oder Verdachtsfall vonnöten. Das Landratsamt hat dafür auf seiner Internetseite einen "Was muss ich tun?"-Kasten mit Verhaltensregeln und Flussdiagrammen für positiv Getestete, Kontaktpersonen sowie für betroffene Kitas/Schulen eingerichtet. Vollständig geimpfte Kontaktpersonen werden entsprechend den derzeit geltenden Vorgaben gar nicht mehr verständigt, weil für sie keine Quarantäne mehr vorgesehen ist, wenn sie keine Symptome haben (Hier lautet die Regel: "Bitte beobachten Sie sich 14 Tage ab dem letzten Kontakt selbst").

Völlig diffuse Lage

Ausnahmslos jede der 29 Kreisgemeinden ist von Infektionsfällen betroffen, Forchheim als die mit Abstand größte freilich am meisten. "Man kann nicht mehr sagen, dass sich Infektionen auf einzelne Orte beschränken", so Schürr. Größere Menschenansammlungen, Geburtstagsfeiern und Co. könnten zu Infektionsherden werden. "Es gibt aber auch Fälle in Kitas, die dann zu Ansteckungen im privaten Umfeld führen. Das gleiche gilt für Schulen - wobei es hier vor allem Einzelfälle sind. Ganze Klassen werden bisher nicht lahmgelegt, die Infektionen erfolgen eher im privaten Bereich." Hinzu kommen Infektionen am Arbeitsplatz - "und viele wissen einfach gar nicht, wie und wo sie sich angesteckt haben könnten". Die Lage sei schlichtweg "diffus".

Dass die Infektionskurven in nächster Zeit abflachen, damit rechnet niemand, auch nicht am Landratsamt. "Es ist eher davon auszugehen, dass die Zahlen in den nächsten Wochen weiter steigen", so Schürr. Oberstes Ziel sei deshalb momentan auch, eine vollständige Überlastung der Intensivstationen zu verhindern. Planbare Operationen werden am Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz bereits verschoben, die im Zuge des erneut ausgerufenen Katastrophenfalls reaktivierten Krisenstäbe konzentrieren sich ebenfalls vor allem auf die Krankenhaus-Situation. Gleichzeitig fährt das Impfzentrum Forchheim seine Kapazitäten weiter hoch, ob vor Ort oder beim mobilen Impfbus.

Doch all das dauert - Zeit muss zwangsweise vergehen, bis eine konkrete Maßnahme Auswirkungen auf eine allgemeine Entwicklung hat, gerade bei Virus-Pandemien. Schürr betont: "Das Beste, was jeder tun kann, ist, darauf zu achten, die gefährdeten Personengruppen, vor allem die Älteren, zu schützen - damit sie nicht im Krankenhaus landen. Egal, ob man geimpft oder ungeimpft ist: ein zusätzlicher Schnelltest bringt zusätzliche Sicherheit."

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