Drehort Fränkische Schweiz: ARD-Märchenfilm Weihnachten im TV

Auch üble Räuber brauchen mal ne Kaffeepause: Stephan Tölle (re.) und Jonas Minthe (li.) mit Kostüm am Foodtruck.

Auch üble Räuber brauchen mal ne Kaffeepause: Stephan Tölle (re.) und Jonas Minthe (li.) mit Kostüm am Foodtruck. © Hubert Bösl

Der Märchenfilm „Der starke Hans“ wurde neben dem Druidenhain noch auf Schloss Greifenstein (Heiligenstadt) und im Freilandmuseum Bad Windsheim verfilmt. Hauptdrehort ist aber der Hain mit seinen erstaunlichen Felsformationen gewesen. 

Die Geschichte richtet sich „frei nach Motiven“ an der Urfassung der Gebrüder Grimm aus und wurde von Su Turhan in ein Drehbuch abgefasst. Es geht um „den starken Hans“, der durch seinen Wanderstock besondere Kräfte besitzt. Diese nutzt er für gute Taten im Dorf. Dann begibt sich Prinzessin Sarah in den verbotenen Zauberwald – in dem die Hüterin der Luftgeister herrscht –, um herauszufinden, weshalb eine für das Dorf lebenswichtige Quelle versiegt ist, nachdem Hans auf Wanderschaft gegangen ist. Herzog Egbert wittert unterdessen die Möglichkeit, Prinzessin Sarah zu heiraten, weshalb er mit der Hüterin der Luftgeister einen finsteren Pakt schließt...

 

Herz und Hirn gegeben

Da das Märchen in der Grimmschen Fassung nicht zeitgemäß erschien, wurde es für die Verfilmung angepasst. „Wir haben Hans Herz und Hirn gegeben“, berichtet Birgitta Kaßeckert, Redakteurin vom BR. „Wir brechen Klischees auf, bleiben aber in einer märchenhaften Welt“, so die Redakteurin weiter. Produzent Marcus Roth von TV60Film beschreibt „das sehr komplexe Märchen“ als „ernst in den Themen, aber nicht in der Darstellung“.

Doch wie ist das Filmteam überhaupt auf den Druidenhain gestoßen? Roth erklärt, dass die Gegend von vornherein ins Auge gefasst wurde - mit seinen „tollen Felsenstrukturen“. Jeanette Hain meint: „Es könnte gar keinen besseren Platz geben. Der Ort hier hat eine ganz große Magie.“ Im Film verkörpert sie „die Hüterin der Luftgeister“. Hain ist dem Fernseh- und Kinopublikum unter anderem aus dem Til-Schweiger-Film „Honig im Kopf“ oder verschiedenen Tatort-Folgen bekannt. „Ich habe wirklich das Gefühl, als ob alle, die wir hier so sind, da auch wirklich zu Hause sein könnten.“

Welche logistischen und organisatorischen Leistungen hinter einem solchen Projekt stehen, lässt sich nur erahnen: Etwa 20 Schauspieler, auch Kinderdarsteller, und ein Team von 50 Leuten, die sich um Regie, Organisation, Maske, Garderobe und Verpflegung kümmern, waren in der Fränkischen am Werk.

In Wohlmannsgeseees bekam das Team um Roth und Regisseur Matthias Steurer Unterstützung von den Anwohnern. Auf einem Privatgelände durften die Filmemacher ihr Tagesquartier aufgeschlagen. Auf einem kleinen Schotterplatz standen Containerwagen: Einer für die Maske, in der die Schauspieler für die Szenen geschminkt werden; einer für die Kostüme; mehrere, die Rückzugsmöglichkeiten für die Schauspieler bieten; ein fahrbarer Catering-Foodtruck, der das Team mit Getränken und Essen versorgte – hier konnte man die kuriosesten Gestalten an der Kaffeemaschine antreffen, wenn sich die kostümierten Schauspieler eine Pause gönnen; und zwei mobile Toilettenkabinen. Zudem standen den Akteuren Sitzgelegenheiten für die Drehpausen zur Verfügung.

Ihr Nachtlager hatte das Ensemble und das Team im 13 Kilometer entfernten Waischenfeld bezogen. Dort verbrachte der Cast die Abende gemeinsam. Es gebe dort „sehr gutes Bier“, wie am Set zu hören war.

Für die Schauspieler began der Tag oft früh: „Manchmal geht es schon um sechs Uhr los und dann drehen wir, bis es wieder dunkel ist“, berichtete Bianca Nawrath beim Dreh damals. Sie verkörpert Prinzessin Sarah und ist froh, dass sie die Rolle bekommen hat: „Ich bin selber ein riesiger Märchenfan. Mein fünfjähriges Ich hätte mein erwachsenes Ich gefeiert, wenn es gewusst hätte, dass ich einmal in einem Märchen eine Prinzessin sein kann.“

Auch "Ploppi" ist am Start

Lucas Reiber, bekannt als „Ploppi“ aus der Fack Ju Göthe-Filmreihe und dem Fernsehzweiteiler „Ken Folletts Eisfieber“, spielt im Märchen die Hauptrolle des starken Hans. Er ist vom Märchen an sich begeistert: „Einmal die Zeit – 1830, 1840 – die alten Kostüme, die Sprache ist anders und die verwunschen Wesen reizen total.“

Die Drehzeit im Wald begeisterten Reiber, der sich selbst als Naturjunkie bezeichnet. „Ich genieße das total. Das ist ein Traum“, sagte er. Schon in der Vorbereitung hatte der Schauspieler das Gefühl, dass der Cast gut zusammenpasst. Anhand des Drehbuchs hat er sich auf seine Rolle vorbereitet und sich hinein versetzt: „Was ist das für eine Welt, in der die da leben? Wie sieht Hans die Welt?“ Zudem hatten die Schauspieler Fechttraining für die Kampfszenen.

Dass beim Drehen alles straff durchgetaktet ist, merkte man beim Set-Besuch. Wo zu Beginn noch „viel Zeit“ war, kann es im Handumdrehen schon wieder anders aussehen. Doch die Schauspieler ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und sitzten in geselliger Runde beim Mittagessen am Waldrand auf den Bierbänken – neben dem Foodtruck.

Das „fränkische Märchen“ ist im Weihnachtsprogramm 2020 der ARD-Märchenreihne „Sechs auf einen Streich“ zu sehen. Ausstrahlungstermin ist der 2. Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, 13.50 Uhr. 

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