Eine Straße durch das Herz der Stadt

Ebermannstadt fühlt sich vom Verkehr überrollt: Die wechselvolle Geschichte der B470 bis heute

Patrick Schroll
Patrick Schroll

stv. Redaktionsleiter Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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30.12.2021, 10:54 Uhr

© Repro: Peter Roggenthin/Archiv: Christian Rösch

Die B 470 und Ebermannstadt: Sie mussten sich erst finden und sind sich heute teils wieder fremd. Denn mittlerweile fühlt sich die Kleinstadt in der Fränkischen Schweiz vom Verkehr, der mitten durch ihr Herz rollt, überrollt. Pläne für eine Entlastung der Bürger scheiterten zuletzt – entweder an den immensen Kosten und Eingriffen in die Natur oder an den Sorgen der Anwohner vor noch mehr Verkehr.

Die B 470 soll besser integriert werden. So wünschen sich das die Bürgerinnern und Bürger. Festgehalten ist das im Integrierten Städtebaulichen Konzept (Isek). Ein Überblick über den Stand der Dinge.

© Repro: Peter Roggenthin/Archiv: Christian Rösch

Ein besserer Verkehrsfluss und damit weniger Stau und Lärm entlang der B 470 im Stadtgebiet: Das Bauamt weise Ebermannstadt immer wieder darauf hin, dass es notwendig sei, den Verkehrsfluss zu verbessern, sagt die Stadt und teilt mit: "Im Zuge einer gedeihlichen städtebaulichen Entwicklung muss sich der Stadtrat dieser Herausforderung stellen." In einer Stadtratssitzung im Sommer 2019 hat ein Patt bei einer Abstimmung dazu geführt, dass die Planungen auf Eis liegen.

19 Videokameras im Einsatz: Optimierte Ampelschaltung im Bereich "Zum Breitenbach"

Ein Kreisverkehr an der Abzweigung zur Ramstertalstraße: Das Bauamt schreitet erst dann zum Bau, wenn eine wesentliche Verbesserung des Verkehrsabflusses zu erwarten ist. Beides treffe aktuell und auch in den Prognosen (noch) nicht zu. Fazit: Die Stadt müsste, obwohl nicht zuständig, sämtliche Kosten für die Errichtung eines Kreisverkehres tragen.

Eine optimierte Ampelschaltung im Bereich "Zum Breitenbach": Mit 19 Videokameras ist der Verkehr über einen aussagekräftigen Zeitraum dokumentiert worden, so die Stadt. So konnten Informationen über Staulängen sowie den Abbau der Staus erhoben werden. Die Signalanlagen wurden optimiert. Der Verkehrsablauf wurde nachweislich besser. Fazit: erledigt.

Änderung der Verkehrsführung im Bereich der Schulstraße: Das Straßenbauamt schlug 2017 vor, aus der Schulstraße eine Einbahnstraße zu machen. Der Stadtrat hat 2019 abgelehnt, eine veränderte Straßenführung in diesem Bereich zu überprüfen. Im Zuge der Neugestaltung der Schulstraße sollen 2023 Planungen durchgeführt, unter anderem die Einbahnstraßenregelung untersucht werden.

Geschwindigkeitsreduzierung in der Nacht? Ist abgelehnt

Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer auf der B 470 in den Nachtstunden: Sowohl vom Bauamt als auch der Verkehrsbehörde beim Landratsamt Forchheim wurde eine Geschwindigkeitsreduzierung abgelehnt. Die rechtlichen Voraussetzungen liegen nicht vor, sagt die Stadt.

Geschwindigkeitsüberwachung auf der B 470: Der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern führt seit Mai 2018 im Auftrag der Stadt Ebermannstadt im Stadtgebiet Überwachungen des ruhenden und fließenden Verkehrs durch. Einnahmen werden der Sonderrücklage "Verkehrsüberwachung" zugeführt und für Verkehrssicherungsmaßnahmen verwendet.

Die B 470 in die Stadt baulich integrieren: Sowohl das Bauamt als auch die Verkehrsbehörde beim Landratsamt hat eine Geschwindigkeitsreduzierung von 70 auf 50 Stundenkilometer abgelehnt, teilt die Stadt mit. Die rechtlichen Voraussetzungen lägen nicht vor.

Einen schöneren Ortseingang schaffen: Der Vorschlag sei noch nicht behandelt worden, weil es zu wenig Platz für eine Neugestaltung an dieser Stelle gebe. Zudem müsste die Stadt hierfür die Kosten übernehmen.

Welche Ideen Ebermannstadts Bürgermeisterin hat

Schallschutzmaßnahmen auf Höhe von Gasseldorf: Die Geschwindigkeit ist bereits auf 70 Stundenkilometer reduziert. Damit vermindere sich der Verkehrslärm.

Welche Ideen Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) hat, um die Stadt vom Verkehr zu entlasten und bis wann diese umgesetzt werden sollen: "Es braucht viele Bausteine, um eine Entlastung der B 470 voranzutreiben", teilt Meyer auf unsere Nachfrage hin mit. Die Stadt müsse mit dem Baulastträger der B 470, also mit dem Staatlichen Bauamt Bamberg, im Gespräch bleiben und auch weiterhin bauliche Lösungen suchen. "Es braucht Änderungen der Verkehrsführungen der Nebenstraßen. Und wir schaffen eine Verkehrswende nur mit nachhaltigen Verkehrslösungen", sagt sie.

"Gemeinsam mit den Gemeinden der Ile (Integrierte Ländliche Entwicklung) Fränkische Schweiz Aktiv kämpfen wir für einen Halbstundentakt der Bahnstrecke Forchheim-Ebermannstadt, für eine Verlängerung des regulären Schienenpersonennahverkehrs bis Behringersmühle mit Pendlerparkplätzen im Wiesenttal, attraktiven Haltestellen und optimierter Verknüpfung mit dem Busverkehr als Zubringer", so Meyer. "Wir fördern die E-Mobilität mit dem Bau von E-Tankstellen und unseren Dienstautos. Wir wollen gemeinsam das Radwegenetz optimieren und hoffen auf baldige Ergebnisse des Mobilitätskonzeptes, das der Landkreis erarbeitet und uns als Grundlage dient", so die Bürgermeisterin abschließend.

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