Donnerstag, 29.10.2020

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Elisabeth Simmerlein ist mit der Box am Ohr der Bürger

"Damit steht oder fällt alles": Bürgermeisterin über ein Kür-Programm für Pinzberg - 28.08.2020 12:44 Uhr

Einen Ort für alle Generationen schaffen: Das ist Elisabeth Simmerleins (im Bild vor der Schule) großes Ziel als Bürgermeisterin in Pinzberg. Doch zu kämpfen hatte sie jüngst nicht nur mit einem Corona-Fall, auch die Bürokratie verschlingt viel Zeit.

© Foto: Simmerlein


Es war ein überraschend deutliches Ergebnis, mit dem die jüngste Bürgermeisterin im Landkreis im März den Wahlsieg davontrug. Fast zwei Drittel aller Wähler, die in Pinzberg und den Ortsteilen Dobenreuth, Gosberg und Elsenberg zur Wahlurne gingen, sprachen der damals 29-jährigen Kandidatin der Freien Wähler ihr Vertrauen aus. Dass das nach wie vor ehrenamtliche Amt eine enorme Herausforderung darstellt, das weiß Elisabeth Simmerlein nicht erst, seit ein Corona-Fall im Kindergarten vor wenigen Wochen für Aufsehen sorgte.

"Ich habe mich zuvor informiert, was das Amt der Bürgermeisterin, zumal wenn man noch einen Hauptberuf daneben hat, so alles mit sich bringt. Doch was im Detail dahintersteckt und in welchem Ausmaß, das sieht man erst, wenn man in der Verantwortung steht. Wenn man die Arbeit aber macht, dann ist es der schönste Job, denn man sich vorstellen kann", fasst Simmerlein ihre Erfahrungen aus den ersten Wochen zusammen. 20 Stunden arbeitet sie noch als Betriebswirtin in einem mittelständischen Unternehmen, den verbleibenden Rest an Zeit füllt das Bürgermeisteramt aus. Zurückstehen müssen da Partner und Familie, "die aber alle hinter meiner politischen Arbeit stehen".

Bevor sie in das Amt gewählt wurde, sammelte sie als Kreis- und Gemeinderätin lokalpolitische Erfahrung und baute sich ein umfangreiches Netzwerk auf. Zu diesem gehören auch erfahrene Bürgermeister und Bürgermeisterinnen in der Region wie beispielsweise Anja Gebhardt aus Kirchehrenbach.

Der Vorgänger "war auf der anderen Seite"

Im Wahlkampf versprach Simmerlein einen ständigen Austausch mit den Bürgern. Dafür hat sie eine Box im Rathaus aufgestellt. Besucher einer Gemeinderatssitzung können auf einem Zettel notieren, "was die Bürgermeisterin anders machen soll". Und den (Wunsch)Zettel in die Box einwerfen. Freilich auch anonym. "Diese Anregungen sind für mich sehr wichtig, denn ich merke dann, was kommt gut an und was weniger."

Zur Einarbeitung blieb ihr nur wenig Zeit. Ihr Vorgänger Reinhard Seeber "war auf der anderen Seite", sagt sie. "Es gab eine kurze Übergabe, wir haben aber wenig Kontakt." Zu ihrer Arbeitsweise sagt Simmerlein: "Ich schaue erst einmal, wie es bisher gelaufen ist bevor ich entscheide, was besser gemacht werden kann." Besser laufen, darauf hat Elisabeth Simmerlein aber keinen Einfluss, könnte es in Sachen Bürokratie in der Hierarchie. "Darüber habe ich auch mit meinem Weilersbacher Kollegen Marco Friepes gesprochen. Speziell das Procedere bei der Beantragung von Fördergeldern erfordert einen enormen zeitlichen Aufwand, das ist das Pflichtprogramm. Für die Kür bleibt dann kaum mehr Zeit."

Unterstützung erhält sie nicht nur von der Verwaltung ("Das ist ein junges Team, wir waren am Anfang neugierig aufeinander, die freuen sich jetzt über weibliche Mitarbeit"), sondern auch von den beiden Stellvertretern Markus Galster und Michael Schmitt, "die immer bereit stehen und sich gut einbringen. Schmitt beispielsweise bereitet die Präsentationen für die Sitzungen des Gemeinderates vor". Im Gremium selbst ist es für Simmerlein "noch ungewohnt, da vorne zu sitzen. Wichtig ist es für mich, dass ein Konzept schlüssig ist und die Informationen bekannt sind, dann kann der Gemeinderat gut arbeiten".

Prominenter Gemeinderat ist hilfreich

Dass im Gemeinderat mit Thorsten Glauber auch ein amtierender bayerischer Minister sitzt, "bringt nicht nur der Fraktion der Freien Wähler etwas, sondern dem gesamten Gemeinderat. Thorsten, und in Pinzberg ist Glauber noch immer der Thorsten, beteiligt sich lebhaft an Diskussionen und in München ist Pinzberg durch ihn bekannt", sagt Simmerlein zum prominenten Gemeinderatsmitglied. 

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Als politischen Ziehvater sieht sie Glauber aber nicht. "Das ist mein Großvater Otto, der weckte meine Leidenschaft zu diesem Beruf. Thorsten hat mir aber vieles ermöglicht, er ist mein Mentor und Wegbegleiter, wir tauschen uns oft aus." Dass nach dem überraschenden Wahlergebnis "noch hier und da Spannungen bestehen, das merken die Leute auch. Die Gräben sind aber nicht mehr allzu tief", sagt die Bürgermeisterin zum politischen Klima in ihrer Gemeinde.

Simmerlein weiß, dass unabhängig vom Corona-Fall im Kindergarten mit all den Begleitumständen, "die aber in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und der Verwaltung ganz gut gemeistert wurden", noch viele Projekte anstehen.

Es ist das dringlichste Projekt

Auf das dringlichste weist sie mit Blick auf das Fenster, das zur Bahnhofstraße in Gosberg geht, hin. "Die weitere Sanierung ist das dringlichste Projekt, wir hoffen auf baldige Förderzusage, damit steht oder fällt alles." Weitere anstehende Projekte seien das alte Schulhaus in Pinzberg und das Feuerwehrhaus in Dobenreuth. Gefragt nach einem visionären Projekt, das die Bürger später einmal mit ihrer Amtszeit in Verbindung bringen sollen, antwortet sie nach längerem Nachdenken: "Ein generationenübergreifendes Zentrum oder einen Ort zu schaffen, der Generationen miteinander verbindet."

Ziel müsse es sein, dass die Bürger so lange wie möglich im Ort wohnen bleiben können. Langfristig geplante Mehrgenerationskonzepte müssten unter anderem Senioren-WGs, altersgerechtes Wohnen und Sozialdienstleistungen ermöglichen.

STEFAN BRAUN

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