3G-Regel wurde penibel eingehalten

Feier der Kirwaboum treibt Inzidenz in fränkischer Gemeinde nach oben

Maria Däumletr
Maria Däumler

Redaktion Forchheim

E-Mail zur Autorenseite

6.10.2021, 14:00 Uhr
Ende September war  Kirchweih in Hiltpoltstein. Das wurde mit dem Baumaufstellen gefeiert.

Ende September war Kirchweih in Hiltpoltstein. Das wurde mit dem Baumaufstellen gefeiert. © privat

Ende September wird in Hiltpoltstein traditionell die Kirchweih, die dort Kirwa heißt, gefeiert. Wegen Corona wurde nicht groß gefeiert, nur der Kirwa-Baum wurde am Platz vor dem Mehrzweckhaus aufgestellt mit Festwagen und Blasmusik. Und am Abend hat der Verein Kirwa-Boum dann ins Schützenheim geladen. Und da passierte es: Obwohl die geltende 3-G-Regelung penibel eingehalten wurde, wie das Landratsamt Forchheim bestätigt, haben sich von den rund 100 Leuten, die im Laufe des Abends dort waren, inzwischen 30 Menschen mit dem Corona-Virus angesteckt. Darunter sind viele Geimpfte.

"Alles war mit dem Landratsamt abgesprochen"

"Wir haben vorab mit dem Landratsamt abgesprochen, was geht. Alles war von der Behörde abgesegnet", erzählt ein Verantwortlicher des Vereins. Man habe die 3-G-Regel sorgfältig eingehalten, von jedem Besucher die Kontaktdaten notiert, von jedem, auch von Freunden und Bekannten, die Impf- oder Testnachweise zeigen lassen. "Wer nichts vorweisen konnte, musste sich vor Ort unter dem Vier-Augen-Prinzip testen", erzählt der Vereinsvertreter, der sich selbst um die Kontrollen gekümmert hat.

"Wenn alles okay war, haben die Leute ein rotes Bändchen erhalten und nur die durften dann in den Raum." Der Verein habe extra im geräumigen Schießraum des Schützenheimes acht, neun Biertischgarnituren aufgestellt, um genügend Abstand wahren zu können. Außerdem sei ständig gelüftet worden. Nur am Tisch durfte die Maske abgenommen werden. "Wir haben auch kontrolliert, dass die Regeln eingehalten werden", sagt der Vereinsvertreter, der selbst positiv auf Corona getestet wurde, auch leichte Symptome hat und derzeit in Quarantäne ist.

Schnell reagiert

Doch der Super-Gau tritt ein: Offenkundig war ein Besucher oder eine Besucherin der Vereinsveranstaltung mit dem Corona-Virus infiziert - und gab dies weiter. "Wer das war, das kann man nicht mehr nachvollziehen", sagt der Mann aus Hiltpoltstein und die Sprecherin des Landratsamtes bestätigt das. "Am Dienstag nach der Feier haben wir von dem Corona-Fall erfahren", erzählt er. "Ich bin sofort in Quarantäne, habe das Gesundheitsamt kontaktiert und die gesammelten Daten weitergegeben."

Rund 100 Leute waren im Laufe des Abends bei der Feier. "Ich hab sofort alle angeschrieben, die Impfnachweise angefordert und ans Gesundheitsamt weitergeschickt", berichtet der Vereinsvertreter. "Letztlich waren ganz viele geimpft", weiß er heute, dennoch hat das Virus zugeschlagen. "Ich hätte nie gedacht, dass das solche Ausmaße annehmen kann."

Viele waren geimpft

Die Sprecherin des Landratsamtes bescheinigt: "Der Verein hat wirklich alles vorbildlich gemacht." Alle Gäste waren geimpft, getestet oder genesen, das Gesundheitsamt habe die Daten und Nachweise geprüft. "Die Mehrzahl der positiv Getesteten waren geimpft. Das hatten wir bisher noch nie", sagt die Behördensprecherin. Unter den ersten 20 in Hiltpoltstein festgestellten Fällen sein zwölf zweimal geimpft, zwei einmal geimpft gewesen und nur sechs waren gar nicht geimpft, aber eben getestet, zählt sie auf. Aber alle mit Symptomen hätten nur milde Verläufe, niemand musste bisher ins Krankenhaus, so die Sprecherin. Das bestätigt auch der Vereinsvertreter. "Uns geht's allen vergleichsweise gut." Er selbst habe Schnupfen und Husten, wie bei einer leichten Erkältung.

Hätte der Verein etwas anderes machen können? "Nein", sagt der Vereinsverantwortliche. "Das einzige, was geholfen hätte, wäre gar nicht zu feiern, die Veranstaltung abzusagen", meint er. Aber nachdem schon 2020 gar nichts möglich war, wollte man wenigstens heuer "ein bisschen feiern und das Dorfleben aufrecht erhalten". Und alle hätten sich so gefreut, dass man mal wieder etwas feiern kann.

"Keiner konnte damit rechnen"

Auch die Hiltpoltsteiner Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer, die am Nachmittag beim Kirwa-Baum aufstellen war, zeigt sich betroffen: "Mir tut das unendlich leid. Die Leute haben sich solche Mühe gegeben, alle Regeln einzuhalten, dass alles passt." Die Gemeinde habe das Baumaufstellen genehmigt. Und weil in den letzten Wochen die Corona-Inzidenz im Ort so niedrig war, "habe ich mir da keine Gedanken gemacht", gesteht sie. "Da konnte keiner mit rechnen."

Alle drei, der Vereinsvertreter, die Landratsamtssprecherin und die Bürgermeisterin, zeigen sich aufgrund der aktuellen Corona-Lockerungen (Diskotheken und Clubs sind geöffnet, Weihnachtsmärkte und Volksfeste wieder erlaubt) und der gerade gemachten praktischen Erfahrung leicht verunsichert: "Wenn ich die Fotos aus Diskotheken sehe, wo alles ganz eng zugeht, dann passt da doch etwas nicht zusammen", findet der Kirwa-Boum-Vertreter.

"Das kann überall passieren"

"Die Kirwaboum haben alles vorbildlich eingehalten", betont die Behördensprecherin. Man könne niemand einen Vorwurf machen. "Letztlich müssen wir leben, mit dem Virus zu leben. Es ist ja nicht weg", glaubt sie. Und klar sei: "Das kann natürlich überall und jederzeit passieren." Das Risiko gebe es auch im Kindergarten, in der Schule, am Arbeitsplatz.