Ferienwohnungen: "Uns bleiben die Gäste weg"

16.2.2021, 14:00 Uhr
Wann dürfen endlich wieder Urlauber kommen? Viele Ferienwohnungen, vor allem in den Gebieten in der hinteren Fränkischen Schweiz, stehen zurzeit wegen der Pandemie leer. Die monatlichen Fixkosten und auch Kredite müssen dennoch bezahlt werden. Da kommt so mancher Vermieter jetzt an seine finanziellen Grenzen.

Wann dürfen endlich wieder Urlauber kommen? Viele Ferienwohnungen, vor allem in den Gebieten in der hinteren Fränkischen Schweiz, stehen zurzeit wegen der Pandemie leer. Die monatlichen Fixkosten und auch Kredite müssen dennoch bezahlt werden. Da kommt so mancher Vermieter jetzt an seine finanziellen Grenzen. © Foto: imago images / Design Pics

Der Lockdown im letzten Jahr von März bis Ende Mai sei noch ganz gut verkraftbar gewesen, erzählt sie. Eine Ferienwohnung sei fest vermietet. Von Juni bis Mitte Oktober 2020 seien die anderen zwei Wohnungen dann ausgebucht gewesen. Doch seit Mitte Oktober 2020 stehen sie leer.

"Wir haben seither keine Einnahmen mehr, aber die monatlichen Fixkosten müssen wir trotzdem zahlen", erzählt sie. Auch wenn die Wohnungen nicht vermietet sind, müsste ein bisschen geheizt werden, die Grundgebühren für Strom, die Rundfunkgebühren, Grundsteuer und alles, was sonst so anfällt, werden weiterhin abgebucht.

Dazu kämmen Kreditrückzahlungen, wenn man wie in ihrem Fall – vor Corona – in die Wohnungen investiert habe, zum Beispiel ein neues Bad eingebaut habe, führt die Frau weiter aus. Wer neben den Mieteinnahmen ein weiteres Einkommen hat, wie zum Beispiel eine Rente, der bekomme trotz des coronabedingten Totalausfalls keinerlei staatliche Unterstützung, sagt sie. "Unsere Rücklagen sind jetzt weg. Wir haben doch nicht gedacht, dass das mit Corona so lange dauert", schildert sie die schwierige Situation.

Rund 230 Einheiten

So ähnlich wie ihr dürfte es vielen Vermietern von Ferienwohnungen in der Fränkischen Schweiz gehen, schätzt Matthias Helldörfer, seit Mitte September neuer Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz. Insgesamt sind in den offiziellen Katalogen der Ferienregion rund 370 Übernachtungsbetriebe aufgeführt. Das sind Hotels, Pensionen, Gasthäuser. Etwa zwei Drittel davon, also etwa 230, seien Ferienwohnungseinheiten, sagt Helldörfer.

Weil viele Vermieter ihre Ferienwohnungen nur nebenher anbieten, sind viele gar nicht im Katalog aufgeführt, so der Tourismusexperte. Das Problem sei, dass es keine zentrale Stelle gebe, die alle Ferienwohnungen erfasst. "Wir kennen daher nur die Vermieter, die aktiv mit uns zusammen arbeiten", erläutert Helldörfer. Insgesamt, so schätzt er, würden wohl rund 800 Vermieter in der ganzen Fränkischen Schweiz, die ja auch weit in den Landkreis Bayreuth hinein reicht, Wohnungen anbieten.

Dass jetzt im Corona-Lockdown und der kompletten Schließung aller Übernachtungsbetriebe auch Besitzer von Ferienwohnungen an ihre Grenzen kommen, kann Helldörfer gut nachvollziehen. Und wer bekommt deswegen staatliche Unterstützung? Da musste sich der Tourismusexperte selbst erst einmal schlau machen: "Antragsberechtigt sind Vermieter und Betriebe, die Umsatzeinbußen von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 erlitten haben", hat er herausgefunden. All jene könnten Überbrückungshilfe beantragen.

Viele offene Fragen

Doch in der Realität werden wohl nur wenige Betriebe darauf zurückgreifen können, glaubt Helldörfer. Da gebe es viele offene Fragen. Wer zählt als Unternehmen? Gehören dazu auch Klein- und Nebengewerbe? Gerade in letzterem Bereich würden wohl laut seiner Recherchen auch andere Einkünfte, also zum Beispiel Rentenzahlung oder der Lohn des Ehemannes, mit einberechnet.

Hinzu kommt, dass in den Monaten November bis März die Auslastung der meisten Ferienwohnungen in der Region grundsätzlich nicht so hoch ist. Wenn dann bei Corona-Überbrückungshilfen der letztjährige Referenzmonat herangezogen würde, sei das natürlich für viele Betriebe eher schwierig. Außerdem, so Helldörfer, sei die Beantragung dieser staatlichen Hilfen so kompliziert, "dass man dazu eigentlich einen Steuerberater und/oder ein spezielles Computerprogramm braucht". Auch der Fachmann kostet wieder Geld. Ist der Einnahmeausfall nicht so wahnsinnig hoch, rentiere sich der ganze Aufwand dann gar nicht.

"Ich verstehe den Unmut darüber, dass hier die Hilfen, die Politiker ankündigen, bei unseren kleinen Strukturen gar nicht ankommen", zeigt sich Helldörfer verständnisvoll. Daher habe man versucht, die Hilferufe aus der Fränkischen Schweiz an den Tourismusverband Franken weiterzuleiten, in der Hoffnung, dass diese größere Organisation, die ganz Franken im Hintergrund hat, mehr Gehör in München oder Berlin findet. "Aber da hat sich bisher nichts gerührt", muss der Tourismusfachmann eingestehen.

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