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Firmengeschichte wird weiter gewoben

Weber & Ott feiert 175. Geburtstag - Viele Exponate dokumentieren die Zeit - Tag der offenenTür - 12.09.2009

Die Firma Weber & Ott einst und heute. Mit derzeit 29 Auszubildenden geht Weber & Ott in die Zukunft. Archivfotos: privat/Malter


Die Firmengeschichte lebt. Im ersten Stock des altehrwürdigen Verwaltungsgebäudes in der Konrad-Ott-Straße befindet sich eine Tür; wer sie öffnet startet die Zeitreise. Peter Kupfer weiß dies und drückt die Klinke daher mit dem angemessenen Respekt. Kupfer sieht sich um, wie ein Kind an Weihnachten. Als sähe er alles zum ersten mal - und doch kennt er die Zeitdokumente wie kaum ein anderer.

Kupfer hat selbst ein halbes Leben lang bei Weber & Ott gearbeitet. Nun hütet und verwaltet er die Firmengeschichte, die zum Teil auch seine Geschichte ist. Im 19. Jahrhundert natürlich noch nicht. Aus dieser Zeit stammt die älteste Fotografie eines Mitgliedes aus der Gründungsfamilie.

Es zeigt Elisabeth Magdalena Ott, Tochter des Firmengründers Konrad Ott. 1835 ist sie geboren - und damit nur ein Jahr älter als die Muttergesellschaft Weber & Ott, die ihr Vater Konrad Ott in Fürth gegründet hat.

Vier Jungs gesucht

Und hier: Ein Stellenangebot von 1874. Vier Jungs werden gesucht. Ausschließlich Jungs, «die die Weberei erlernen wollen.» Gleichstellungsbeauftragte gab es nicht. Dafür aber seit einem Jahr den ersten Websaal in Forchheim, der durch ein Wasserrad mechanisch angetrieben wird. Es wird aber noch 61 Jahre dauern (1934), bis der Stammsitz endgültig nach Forchheim gelegt wird.

Zunächst aber wird 1883 wieder Geschichte geschrieben. Christian Heinrich Hornschuch, der nach dem Ausscheiden von Konrad Ott die Leitung der Firma inne hat, setzt auf eine noch junge Erfindung: das Telefon. Mit einer gesonderten Genehmigung spannt er 34 Kilometer singenden Draht zwischen Forchheim und dem Firmensitz in Fürth - die erste deutsche Überlandleitung.

Die Verbindung sei «ausgezeichnet gewesen» und man habe regen Gebrauch davon gemacht, heißt es in den Dokumenten.

Der «Toni» im Namen taucht 1960 auf. Toni Stretch heißt die elastische Hose, für die eine Zeitungsanzeige in der «Film und Frau» 1963 mit einer brav beblußten Dame in Stiefeletten wirbt. Nicht ganz zufällig zu einer Zeit, als Deutschland für Ski-Ass Toni Sailer schwärmt.

Models sehen jetzt anders aus

Mittlerweile sind die Models nicht mehr brav, zeigen Dekolleté, haben die Haare wild verstruppelt. Der «Toni» ist geblieben: Nun steht Toni Dress auf der Hose - atmungsaktiv, schmutz- und wasserabweisend. Toni Dress ist ein Weber-&-Ott-Kind, ebenso wie «Wappen Men’s Fashion».

Das ist Weber-&-Ott heute. Im Vergleich zur Blütezeit ist das Areal stark geschrumpft. Aus den einstigen Maschinenhallen sind hochmoderne Lofts geworden. doch trotz wirtschaftlicher Schwankungen sei man zuversichtlich, so Erich Pöhlmann, der neben Klaus Bradl Vorstand ist.

2008 etwa machten rückläufige Auftragszahlen Sorge. Die Krise treffe auch die Bekleidungs-Industrie. Pöhlmann hofft, dass man am Ende der allgemeinen Flaute «den Kopf aus dem Wasser» halte. Mit derzeit 29 Auszubildenden stehen die Weichen jedenfalls in Richtung Zukunft.

Weber & Ott feiert am heutigen Samstag von 10 bis 16 Uhr mit einem «Tag der offenen Tür» 175. Geburtstag. Jeweils um 11 und um 14 Uhr wird es eine Führung geben. 

Rurik Schnackig

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