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Fischsterben: Sorge um Wiesent-Pegel in Fränkischer Schweiz

Überleben ist wichtiger als Kilowattstunden - 18.07.2019 09:56 Uhr

Am Oberen Tor in Ebermannstadt ist die Wiesent unter die Marke von 50 Zentimetern gefallen (siehe Pegellatte rechts). Stadträte sorgen sich um das Überleben der Fische. Das Wasserwirtschaftsamt hat auf die angespannte Situation reagiert und somit wohl ein Fischsterben verhindert – zunächst. Eine einvernehmliche Lösung mit allen Beteiligten ist noch nicht in Sicht. © Foto: Marquard Och


Der Pegel der Wiesent ist am Oberen Tor unter die 50 Zentimeter-Marke gefallen. Die lange Trockenheit ist eine Ursache, aber hier komme ein "hausgemachtes Problem" hinzu, sagt NLE-Stadtrat Bernhard Hübschmann mit Verweis auf zwei Kraftwerksbetreiber die den Wasserstand "beeinflussten".

"Tierschutz muss der Stromerzeugung vorgehen", fordert Hübschmann. Inzwischen hat sich die NLE-Fraktion auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) bestätigte, sie habe bereits zu einem "Runden Tisch" mit allen Beteiligten eingeladen. Vom Wasserwirtschaftsamt Kronach ist Annegret Bieler – zuständig für Wasserbau/Gewässerentwicklung im Kreis Forchheim – involviert, der Fischereiverband, der Eigentümer des Fischwassers, die Kraftwerksbetreiber und Anlieger sind zur Teilnahme aufgerufen. Thema: Das Überleben der Fische muss Vorrang haben, gegenüber den Interessen der Kraftwerksbetreiber an möglichst viel erzeugten Kilowattstunden.

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War es unlängst der zugunsten des Turbinenaustausches in der Herbstmühle trockengelegte rechte Wiesentarm, der die Gemüter erhitzte (wir berichteten), so ist jetzt eher der linke Wiesentarm vom Niedrigwasser betroffen. Dazu die Bürgermeisterin: "Die Anwohner stehen bei mir mit Beschwerden Schlange, es stinke", zu viel Wasser werde nach der Sägmühle durch das Streichwehr abgezweigt beziehungsweise durch das elektrisch gesteuerte Stauwehr abgehalten. "Das ist Tierquälerei – hier geht Gewinnmaximierung vor Naturschutz", so ist das aus der Sicht von Bernhard Hübschmann, wenn die Forellen ihre Schwanzflossen gen Himmel stellen.

Touristen, die gerne die "Chantonnay-Promenade" entlanggehen, erlebten schon mehrfach, dass sich das Wasserrad nicht drehte. Die verschiedenen Interessen "unter den Hut bringen" soll Annegret Bieler vom Wasserwirtschaftsamt: "In den heißen Sommermonaten werden wir immer mehr mit Niedrigwasser in Fließgewässern oder sogar mit ausgetrockneten Bächen konfrontiert. Gerade bei Niedrigwasser hat die Einhaltung einer Mindestwassermenge in den Ausleitungsstrecken oder Hauptgewässern von Wasserkraftanlagen Priorität, um die im Wasser lebenden Fische und Kleinlebewesen zu schützen."

Pass gegen Fischsterben

Auf die angespannte Situation am Streichwehr in Ebermannstadt habe das Amt schnell reagiert, indem die Flussmeisterstelle Bamberg den Einlaufbereich des naheliegenden Biotoppasses verbreitert hat, so Bieler. Dadurch fließe jetzt mehr Wasser in den linken Wiesentarm. Zwischen den beiden Steinschwellen unterhalb des Streichwehres verläuft ein Niedrigwassergerinne, das momentan nur eingeschränkt durchwanderbar ist, erklärt Bieler weiter. Wichtiger sei, dass Frischwasser in alle Bereiche bis an den Wehrkörper gelangt. Ein Fischsterben sei daher derzeit nicht zu befürchten.

Durch das Niedrigwasser kommen auch die beiden Steinschwellen zum Vorschein. Die Steine sind mit Algen bewachsen, die bei Luftkontakt vorübergehend ihren typischen Geruch verströmen, bis sie schließlich austrocknen, erklärt Bieler. Aktuell sei aber kein Geruch mehr wahrnehmbar. Dieser natürliche Vorgang werde sich auch in Zukunft nicht ausschließen lassen und gehöre wie die Wasserspiegelschwankungen zu normalen Gegebenheiten eines Gewässers.

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Das Wasserwirtschaftsamt werde mit der Stadt Ebermannstadt, den Triebwerksbetreibern und mit Unterstützung des Landratsamtes eine langfristige Regelung erarbeiten, um ein nachhaltiges Niedrigwassermanagement für Ebermannstadt zu erreichen. Den natürlich schwankenden Zufluss der Wiesent auf vier Fließwege (zwei Triebwerkszuflüsse, Biotoppass und Streichwehrüberfall) mit jeweils rechtlich festgelegten Abflüssen aufzuteilen ist allerdings keine leichte Aufgabe, meint Annegret Bieler.

Der Besitzer der Herbstmühle steht mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Stadt in Kontakt. Bei einem "Runden Tisch" sollen die Beteiligten eine Lösung finden. Bisher konnte sich die Stadt nach eigener Auskunft mit dem Mühlenbesitzer auf noch keinen gemeinsamen Termin einigen. Eine Nachfrage der Nordbayerischen Nachrichten beim Eigentümer der Herbstmühle, wie ein Fischsterben vermieden werden könnte, blieb unbeantwortet. 

MARQUARD OCH

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