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Forchheim: Die fidelsten Aufsteiger aller Zeiten

Die Jahn-Tischtennisherren steigen als BOL-Siebter auf, um in der Oberpfalz "schön einzukehren" - 12.07.2020 11:43 Uhr

Je oller, desto doller: Die Tischtennis-Routiniers des Jahn wagen einen Aufstieg, „um die Oberpfalz kennenzulernen“. Von links: Kapitän Oliver Krause, Bierexperte und Neuzugang aus dem Vorjahr, Harald Flutschka, die Nummer 1, Helmut Barth, Nesthäkchen und Schafkopfgott Christian Schwarz, Ersatzmann Richard Bittan, Teamsenior Walter Weiss und Abteilungsleiter Michael Schürr.


Auf einen Altersdurchschnitt von etwa 55 Jahren kommt Michael Schürr, wenn er seine Mannschaft durchgeht. Schon beachtlich, dass man mit diesen "Jungsenioren" überhaupt noch in der Bezirksoberliga mithalten kann. Doch nun steigen die Tischtennisherren der Sportvereinigung Jahn Forchheim sogar in die Landesliga auf.

Dabei hatte man eine keineswegs berauschende Corona-Saison in der BOL Mittelfranken Nord hingezaubert. beim Abbruch nach 15 von 18 Spieltag lag das Jahn-Sextett mit einer leicht negativen Bilanz von 14:16 Punkten auf Platz sieben – immerhin uneinholbare acht Punkte vor dem Vorletzten der Zehnerliga.

Nach Rundenschluss wollte jedoch nur der Meister TV 48 Erlangen II in die Landesliga Ostnordost aufsteigen, die dahinter folgenden Teams passten allesamt aus unterschiedlichen Gründen, darunter auch Vize SpVgg Heroldsbach, die DJK SpVgg Effeltrich III als Fünfter und der TTC Neunkirchen am Brand als Sechster.

Nun dürften sich die Lokalrivalen verwundert die Augen gerieben haben, dass an ihrer Stelle die Jahn-Oldies im Landesliga-Tableau für die neue Saison aufgeführt werden. Hatten diese plötzliche hochkarätige Neuzugänge verpflichtet? Waren chinesische Zelluloid-Künstler, die in einem der großen Forchheimer Konzerne arbeiten, zufällig zu dem Traditionsverein gestoßen? Die Gerüchteküche brodelte – und die Jahnler selbst können das Rätsel jetzt schmunzelnd auflösen.

Die Landesligamannschaft 1999/2000: Michael Schürr (ganz links) und Helmut Barth (3. von links) waren damals wie heute Bestandteil des Jahn-Sextetts.

© Foto: Jahn-Archiv


Von wegen Verstärkung. Die Forchheimer werden eine Klasse höher in unveränderter Aufstellung antreten. Also mit dem bald 48-jährigen "Mannschaftsküken" Christian Schwarz, mit Helmut Barth und Michael Schürr im Spitzenpaarkreuz, die schon 1999/2000 beim letzten (kurzen) Landesliga-Gastspiel des Jahn dabei waren, und auch Walter Weiss. Obwohl der 71-Jährige schon ein wenig Bedenken hatte, als seine Teamkameraden drei Tage vor Ablauf der Meldefrist Ernst mit dem Aufstieg machen wollten. Würde er die höhere Belastung aushalten?

Schürr und Co. konnten ihm diese Bedenken schnell ausreden. Weil eigentlich alle gegnerischen Spieler von ihrem Leistungsvermögen weit über den sechs Forchheimer stehen, könne man davon ausgehen, dass der Teamsenior im mittleren Paarkreuz in aller Regel nur ein Einzel absolvieren muss.

Der war also beruhigt, und der Matchplan für 2020/21 stand: "Kurze Spiele, damit wir mehr Zeit für eine schöne Einkehr haben", fasst Abteilungsleiter und Spieler Michael Schürr zusammen. Man mache sich nichts vor: Zu gewinnen gebe es im kommenden Spieljahr wohl herzlich wenig.

Aber nachdem der Jahn nach langer Zeit im Bezirk Oberfranken unterwegs war und da die Ecke Kulmbach-Bayreuth ausgiebig bereist habe, wurde man vor einigen Jahren nach Mittelfranken umgruppiert. "Nun wollen wir eben auch noch die Oberpfalz kennenlernen", sagt Schürr. Waldershof, Eschenbach, Dachelhofen oder Hahnbach lauten einige der Ausflugsziele.

Während möglicherweise einige der BOL-Rivalen auf den Aufstieg wegen der weiten Fahrten verzichtet haben, waren diese für die reiselustigen Forchheimer eher ein Anreiz. Schon immer habe man eine Saisonabschlussfahrt mit Kind und Kegel unternommen, heuer sollen es mehrere solcher geselligen Touren werden – verbunden jeweils mit einem Tischtennisspiel.

Man verbinde so die einmalige Chance, noch einmal Landesliga zu spielen, mit der eigentlichen Stärke der Mannschaft: der Geselligkeit. So sei auch der letzte Neuzugang, Harald Flutschka vom TTC Höchstadt, vor allem zum Jahn gewechselt, weil man da auch gut und gerne Schafkopf spiele.

Herschenken wollen die Tischtennis-Touristen die Punkte jedoch nicht – und würden gerne ab und zu zum Albtraum der Favoriten werden. Denn im Tischtennis gibt es angelehnt an Schach eine Rangliste. Verliert da ein höher eingestufter Akteur gegen einen Außenseiter, stürzt er tief ab; gewinnt Letzterer hingegen gegen einen Spitzenmann, klettert er deutlich nach oben und kann damit trotz einer ansonsten wohl eher kargen Ausbeute seinen Ranglistenplatz halten. Bei all ihrer Erfahrung dürfte die zu erwartende Niederlagenserie die Psyche der Jahn-Herren kaum schädigen. "Wir gehen da mit einem positiven Gefühl rein und nehmen uns vor, ein schönes Jahr zu genießen", versichert Schürr. Der Abstieg ist quasi fest eingeplant: "Aber dann spielen wir 2021/22 ja immer noch in der Bezirksoberliga, was vielleicht schwierig geworden wäre, wenn wir nicht aufgestiegen wären."

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