Samstag, 17.04.2021

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Forchheim: Die Jahn-Halle ist "angeknabbert" worden

Laut Vertrag musste Investor noch im Februar mit den Abrissarbeiten beginnen - 01.03.2021 18:00 Uhr

Nur ein vergleichsweise kleines Eck wurde von den Baggerzähnen am Samstag abgenagt, demnächst gehen die Arbeiten im Inneren der Jahn-Halle weiter. 

01.03.2021 © Holger Peter


Auch 48 Stunden später am Montag sind keine Fahrzeuge zu sehen, das Gelände ist verriegelt. 

Des Rätsels Lösung präsentiert Tilman Rütters, der Geschäftsführer des Investors Dignus Immobilien aus Hamburg, der bekanntlich auf dem bisherigen Sportareal von Jahn und ATSV das Wohnbaugebiet mit dem wohlklingenden Namen „Philosophenviertel“ errichten möchte: „Laut Städtebaulichem Vertrag waren wir verpflichtet, mit den Abrissarbeiten noch im Februar 2021 zu beginnen. Darum haben wir da jetzt den ersten Schritt gemacht.“

Dass es dabei um den Schutz von Fledermäusen gehe, die dort eventuell ihr Sommerquartier beziehen könnten, wie es unserer Zeitung gerüchteweise zu Ohren gekommen war, weist Rütters von sich: „Es ist durchaus möglich, dass das ursprünglich mal ein Grund für diesen Termin war, aber man hat in der Jahn-Halle noch nie Fledermäuse beobachtet. Dieser Gebäudetrakt konnte jetzt nach der Schadstoffklassifizierung problemlos entfernt werden, deshalb haben wir damit angefangen.“

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Die Forchheimer Jahn-Halle - ein Juwel wartet auf den Abrissbagger

Große Pläne hatte der 1904 gegründete TV Jahn Forchheim in den 20er Jahren: Eine eigene Halle sollte her. Die Jahn-Halle war - auch nach der Fusion mit der Sportvereinigung Forchheim im Jahr 1947 - viele Jahrzehnte lang ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Forchheim. Im Spätsommer sollen die Bagger anrollen. Auch die Jahn-Halle muss dem Wohngebiet "Philosophenviertel" weichen, der gesamte Verein zieht in den Stadtnorden um. Wir blicken nostalgisch zurück und haben mit zwei Jahn-Urgesteinen noch einmal einen Rundgang durch "ihre" Halle unternommen.


Eine längere Pause werde es jetzt nicht geben, auch wenn die Abrissbagger nicht gleich wieder erscheinen würden. „Es geht alles den ordnungsgemäßen Gang“, so der Dignus-Geschäftsführer. Zunächst werde das geschichtsträchtige Gebäude (erst Turnhalle, zuletzt Kulturhalle) nach und nach innen entkernt, erst dann können auch die Außenmauern niedergerissen werden.

Parallel sind die Mitglieder der SpVgg Jahn noch damit beschäftigt, ihre Habseligkeiten aus den Vereinsräumen zu holen. „Weil wir ja noch kein neues Klubheim haben, müssen wir die Sachen zwischenlagern“, berichtet Vorsitzender Hans Schneider. Wann es auf dem neuen Areal im Stadtnorden losgehe, könne er aktuell noch nicht sagen, „vielleicht in vier Wochen“.

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Von der Turnhalle zum Kulturtempel: Die Jahn-Halle Forchheim

Mit dem geplanten Umzug und dem Geländeverkauf der SpVgg Jahn ist ihr Schicksal besiegelt. Die Forchheimer Jahn-Kulturhalle wurde zwischen 1924 und 1926 gebaut. Tag für Tag arbeiteten an die 100 Mitglieder ehrenamtlich auf der Baustelle mit. Bereits in den ersten Jahren wurde sie nicht nur als reine Turnhalle genutzt, sondern auch als Veranstaltungsort. Wir blicken in Bildern zurück.


Beruhigt kann der Jahn sein, dass der Spielbetrieb im Fußball höchstens durch den Corona-Lockdown beeinträchtigt wird, nicht aber durch die Bauarbeiten, wie Rütters versichert: „Der Verein kann weiter Fußball spielen, und wenn wir beim Abriss so weit sind, dass auch die Umkleiden und Sanitäranlagen dem Bagger zum Opfer fallen, sorgen wir mit Containerlösungen dafür, dass es weitergehen kann. Wir können dazu ja auch das ATSV-Gelände nutzen.“

Das präsentiert sich schon „abrissbereit“, wie es Vorsitzender Johannes Grün formuliert. Die Tore sind abmontiert und auf dem neuen Sportplatz im Stadtosten aufgebaut worden, das Sportheim ist leergeräumt – und man kann es zumindest von vorne nicht einmal mehr ohne Kletterseil betreten: Die Außentreppe hat auch einen Liebhaber gefunden. Zumindest der neue B-Platz sei schon bespielbar, der A-Platz wäre sicherlich so weit, falls wie vom Fußballverband erhofft, zumindest der Trainingsbetrieb noch im März zugelassen werden sollte.

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Fachwerk aus dem Mittelalter: Die ältesten Häuser Forchheims

Brände und Kriege haben sie überlebt: In den ältesten Häusern Forchheims steckt jahrhundertelange Geschichte. Sieben Gebäude stammen aus dem Zeitraum zwischen 1341 und 1400. Wir haben ihre Geschichte herausgesucht.


Einziger Wermutstropfen: Der als Pächter des Klublokals vorgesehene Andreas Dießner ist abgesprungen (sein Innenstadt-Bistro „GuDiess“ musste er in der Corona-Krise schließen). Doch man habe „einen Plan B, der aber noch nicht veröffentlichungsreif“ sei, versichert Grün. Das gastronomische Konzept sei nahezu identisch.

HOLGER PETER

 

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