Forchheim: Die Tage der Piastenbrücke sind gezählt

24.3.2021, 05:53 Uhr
Noch tut sich wenig, doch in den nächsten Tagen sollen laut Deutscher Bahn die Arbeiten zum Aufbau einer provisorischen Fußgängerbrücke neben der Piastenbrücke beginnen. Erste Bäume an der künftigen Großbaustelle sind bereits gefällt worden.

Noch tut sich wenig, doch in den nächsten Tagen sollen laut Deutscher Bahn die Arbeiten zum Aufbau einer provisorischen Fußgängerbrücke neben der Piastenbrücke beginnen. Erste Bäume an der künftigen Großbaustelle sind bereits gefällt worden. © Foto: Eduard Weigert

Vermutlich würden viele Forchheimer folgende Meldung nur beiläufig zur Kenntnis nehmen: "Die Straßenüberführung der Kreisstraße FO 17 wird neu gebaut." Doch mit einer anderen Bezeichnung wird aus Kenntnis- schnell Anteilnahme: ist die erwähnte "Straßenüberführung" doch keine geringere als die Piastenbrücke.

Über 40 Jahre (erbaut 1979/80) hat sie auf ihrem Buckel, seither ist die Brücke über den Bahngleisen eine der zentralen (und meistgenutzten) Ost-West-Verbindungen durch die Stadt – nicht nur, klar, während des Annafestes.

Piastenbrücke ist Teil der Stadtgeschichte

Das Bauwerk, das wird schon am Kosenamen "Piastenbrücke" deutlich, ist eben mehr als nur eine schnöde Straßenüberführung – sondern auch Symbol der jüngeren Stadtgeschichte und wirtschaftlichen Entwicklung Forchheims nach dem Krieg: 1949 siedelt die Süßwaren-fabrik Piasten aus dem schlesischen Breslau nach Forchheim um. Am gleichen Tag, dem 15. Dezember 1949, an dem die Bundesrepublik ihren ersten völkerrechtlichen Vertrag über wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA abschließt, also dem "Marshallplan" beitritt, wird das Piasten-Werk im Stadtnorden eingeweiht.

Bald ist die Fabrik einer der größten Arbeitgeber in Forchheim, das ohnehin wächst und sich in den 1960ern zur Industriestadt mausert: Laut dem von Hermann Ammon herausgegebenen Standardwerk "Forchheim in Geschichte und Gegenwart" waren 1961 über die Hälfte aller Beschäftigten in hiesigen Industriebetrieben tätig.

Dem musste man in Sachen Infrastruktur nachkommen – eben auch mit dem Abbruch des alten beschrankten Bahnübergangs neben dem Werk – und dem Bau der Piastenbrücke.

Letzte Sanierung war 2004

Ihre letzte tiefgreifendere Sanierung erfuhr sie 2004, seit 2012 war klar, dass sie im Zuge des Mammutprojekts ICE-Trassen-Ausbau abgerissen und in breiterer Form neu errichtet werden muss.

Der weitere Ausbau der Bahntrasse, auch im Forchheimer Norden (und damit das Ende der "alten" Piastenbrücke), nimmt nun wieder Fahrt auf. Den Beginn macht eine Vollsperrung der Bahnstrecke Fürth – Bamberg vom 26. März, 4 Uhr, bis 29. März, 4 Uhr (wir berichteten).

Während der Sperrung finden an der Piastenbrücke unter anderem die ersten vorbereitenden Maßnahmen zum Aufbau der behelfsmäßigen Fußgängerbrücke über die Gleise statt. Die Piastenbrücke selbst soll noch im laufenden Jahr abgerissen werden, bis dahin muss das Provisorium stehen und freigegeben sein – spätestens ab 20. Juli, so der bisherige Zeitplan der Bahn.

Der Neubau der Piastenbrücke selbst ist wiederum mit rund einem Jahr Bauzeit veranschlagt – eine enorme Umstellung für den motorisierten Verkehr in Forchheim.

Startschuss für S-Bahn-Halt

Auch der Startschuss für den Bau des künftigen S-Bahn-Halts Forchheim-Nord unweit der Dietrich-Bonhoeffer-Unterführung rückt in greifbare Nähe: Wie die Stadt aktuell mitteilt, heißt es in einem Schreiben der DB, dass "in den nächsten Wochen mit der Umsetzung des Bauvorhabens" begonnen werden soll.

"Diese Baubeginnsanzeige ist ein Grund, die Korken knallen zu lassen", freut sich Oberbürgermeister Uwe Kirschstein, "darauf haben wir sehr lange gewartet."

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