Dienstag, 12.11.2019

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Forchheim: Neues Wohnen am Fluss

Erst Schreinerei, dann Friseursalon, bald Brautmoden-Geschäft und Wohnungen: Im Haus auf der Hundsbrücke tut sich was. - 19.10.2019 08:00 Uhr

Insgesamt fünf Wohnungen sind in dem Haus in der Wiesentstraße 16 untergebracht. Der Blick auf die Dächer der Altstadt ist postkartenreif. © Foto: Hubert Bösl


"Ja, ich will!" Drei Worte sind es, die Britta Pauli schon längere Zeit umtreiben. Wobei es die 39-Jährige im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten anders formuliert: "Wann, wenn nicht jetzt?", habe sie sich gefragt, erzählt Pauli rückblickend und dann Nägel mit Köpfen gemacht.

"Mein & Fein", wird der Laden heißen, in dem Pauli dort, wo Friseur Schlenkrich einst frisierte, "Braut Momente" schaffen und Teil des "schönsten Tags im Leben" werden will. Pauli, die aus Gutenstetten bei Neustadt an der Aisch kommt, ist dabei eine echte Quereinsteigerin, hat lange Zeit im Coachingbereich gearbeitet bis sie sich entschloss, mit einem eigenen Brautmoden-Laden neu durchzustarten. "Ich hab echt Respekt vor meinem eigenen Mut", sagt die Frau, die "ein Faible für Kleider" hat. Nach Forchheim komme sie, "weil die Stadt so schön ist" und "weil sich gerade für mich als Neuling von Anfang an alle Türen geöffnet haben".

Im Januar eröffnet Britta Pauli ihr Brautmodengeschäft "Mein & Fein". © Hubert Bösl


Damit die Suche nach dem perfekten Kleid auch zum persönlichen Event wird, gibt es neben dem Ladenlokal im Erdgeschoss noch weitere Räumlichkeiten: Etwa in einem zusätzlichen Separée im ersten Stock, wo Platz sein soll für eine Anprobe in entspannter Atmosphäre mit besten Freundinnen und dem obligaten Gläschen Prosecco.

"Niemand muss bei mir während der Anprobe im Schaufenster stehen", ist Pauli wichtig. Die stoffgewordenen Träume in weiß kommen dabei aus Deutschland, aus England und aus der Stadt der Liebe, Paris. Wobei "ganz weiß total out ist", klärt Pauli auf, die Braut von morgen trägt "Ivory-, Cappuccino- und Blush-Töne". Dabei sei auch ein "leichter Stil" durchaus gefragt, im Vintage- oder Boho-Stil. Rüschen- und spitzengewordene Kleider "in Tortenform sind kein Trend mehr". "Von der Meerjungfrau bis zur Prinzessin", soll dabei die Bandbreite der Kleider reichen. Für Hosen-Trägerinnen soll es Jumpsuits und extravagante Zwei-Teiler geben. Eine eigene Schneiderin wird dafür sorgen, dass das Kleid auch perfekt sitzt. Wer von der Stange partout nichts findet, für den wird handgeschneidert und maßgefertigt.

Schwere Holzbalken lassen den Blick in Richtung Decke frei, eine Treppe im Industrie-Charakter schwingt sich auf die Galerie.


Maßgefertigt im besten Sinne wird auch noch in den Wohnungen, die in der Wiesentstraße 16 entstehen werden. Denn neben der einen Gewerbeeinheit, dem Brautladen, sind in dem Haus, dessen einstige Geschichte sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, auch fünf Wohnungen bis hinauf in den Spitzboden.

Die massive Holztreppe, die die einzelnen Etagen miteinander verbindet, wurde dabei erhalten und wird im Moment noch Stück für Stück abgeschliffen. "Alle Wohnungen sind bereits vermietet", erzählt Frank Paesler, dessen Unternehmen Raum & Werte das Haus "roh aufgekauft hat und komplett entwickelt". Bereits während der Bauphase hätten sich Passanten bereits für die Mietwohnungen interessiert. Aus Berlin, Markt Heidenfeld und Neustadt etwa kämen die "künftigen Neu-Forchheimer" und Bewohner der Wiesentstraße 16.

Fußgänger haben sie bestimmt schon gesehen: Zwei silbrig-glänzende Forellen scheinen an der Hauswand über dem Fluss zu schweben.


Jede der fünf Wohnungen ist dabei anders konzipiert, unterscheidet sich von der Nachbarwohnung nicht nur durch den Grundriss, sondern auch durch viele kleine Details. Mächtige Balken sind offengelegt, werden indirekt beleuchtet und geben den Blick in Richtung Decke frei. Die innenliegenden Treppen aus schwarzem Metall sehen aus, als kämen sie direkt aus einer stillgelegten Fabrik, doch der Industrie-Charakter ist ganz bewusst so gewollt. Immer wieder unterbrechen kleine Sichtfenster das Mauerwerk. Gerade in den oberen Geschossen geben die Fenster einen ungeahnten Blick über die Dächer der Altstadt frei.

Auch an der Außenfassade ist ans Detail gedacht: Direkt über der Wiesent — Fußgänger die über die Hundsbrücke spazieren, haben es schon entdeckt — spiegeln sich zwei Forellen silbrig-glänzend in der Fassade des Mauerwerks, als Hommage an die Wiesent, den Fischfang in der Stadt und die nahen Fischkästen.

Und auch der graue Schreinerhobel über der Tür soll noch ein wichtiges Detail werden: Er soll bald in Gold glänzend über der Eingangstür leuchten, spätestens dann, wenn auch Britta Pauli am 11. Januar 2020 ihre Laden-Tür von "Mein & Fein" öffnen wird.

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