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Forchheim: Wie Drohnen bei der Mahd helfen

Technik bleibt sicherste Methode, um Rehkitze zu retten - 25.05.2020 16:30 Uhr

in 3,5 bis vier Stunden sucht die Drohne von Drohnenpilot Uli Wagner 45 Hektar Fläche ab. Dank der integrierten Wärmebildkamera können dadurch Bodenbrüter, Rehkitze, Hasen und andere Tiere entdeckt und in Sicherheit gebracht werden. © Foto: Uli Wagner


"Einen handgroßen Junghasen konnte ich gestern aus der Wiese holen", sagt Uli Wagner. Er ist der Pilot der hochwertigen Drohne mit Wärmebildkamera, die in unglaublicher Geschwindigkeit große Felder abfliegt und ganz genau anzeigt, wo sich eins der jungen Wildtiere an den Boden drückt, um Schutz vor dem messerscharfen Mähwerken zu finden. Wird das Tier erwischt, bedeutet es unsägliches Leid.

Das hat Christoph Reh, der Tierschutzbeauftragte der Polizei Erlanger Land erlebt, als in Neunkirchen ein angemähtes Reh gefunden wurde. Das Tier erlitt unendliche Qualen. "Nachdem im letzten Jahr in Neunkirchen wegen eines angemähten Rehkitzes ein Strafverfahren gegen den Mähwerkfahrer und den Grundstücksbesitzer eingeleitet werden musste, habe ich in diesem Jahr bereits viele positive Rückmeldungen der örtlichen Jäger bekommen", sagt Reh.

Die Mehrzahl der Landwirte setzten die Vorgaben des LfL-Mähknigge um und führten die vorgeschriebenen Präventionsmaßnahmen durch. "Dazu beigetragen haben einige Neunkirchner, die 45 Wildscheuchen gebastelt und über die Jäger den Landwirten zur Verfügung gestellt haben", erklärt Reh.

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Seit diesem Jahr gebe es auch eine neue Schutzvorschrift: Wiesenflächen über einem Hektar dürfen nicht mehr von außen nach innen gemäht werden, um dem Wild eine gedeckte Flucht zu ermöglichen. "Leider gibt es immer noch einige Landwirte, die eine gewisse Beratungsresistenz aufweisen. Aus diesem Grund werden Verstöße weiterhin mit aller Konsequenz verfolgt", sagt Reh.

Das macht auch Peter Stumpf, Jagdrevierleiter aus Niedermirsberg. Er hatte vor etlichen Jahren ein Kitz gefunden, dem alle vier Läufe abgemäht worden waren. "Das Reh schaut dich mit den Augen an, weiß nicht, was geschieht. Ich muss es töten, aber nicht mit dem Gewehr", sagt Stumpf. Der Bauer, der die Wiese nicht absuchen ließ, musste bei der Tötung zusehen. Darauf bestand Stumpf. Der Landwirt hat daraus gelernt. Nicht nur er.

Ein Appell an alle Jäger

"90 Prozent der Landwirte rufen an", beteuert Stumpf. Seit zehn Jahren ist er unterwegs, um die Landwirte energisch von der Notwendigkeit zu überzeugen, Wiesen vor der Mahd abzusuchen. Seit fünf Jahren werden dazu Drohnen eingesetzt. Für seinen Revierbereich ist dieser Drohneneinsatz für die Landwirte kostenlos. Auch für die anderen vier Reviere, die sich mit Stumpf zusammengeschlossen haben und Mitglied der Kitzrettung Pinzberg sind. "Jedes Revier hat ein eigenes Kitzrettungsteam, bestehend aus drei Leuten, dem Piloten und zwei Leuten, die sich um die Kitze kümmern", informiert Stumpf und appelliert an alle Jäger, ebenso zu handeln: Mehrere Reviere zusammenschließen und eine Drohne mit Wärmebildkamera anschaffen. Vom Erfolg ist er absolut überzeugt: "Ich habe seit zehn Jahren kein Kitz mehr verloren."

Marc Brütting mit einem geretteten Rehkitz. Damit es nicht zurück in die Wiese läuft, wird es in eine Kiste gesetzt und nach der Mahd wieder frei gelassen. © Foto: Uli Wagner


Allerdings handelt es sich hierbei um eine hochwertige Drohne mit Wärmebildkamera. Kostenpunkt 15 000 Euro, sagt Pilot Uli Wagner. Natürlich gibt es auch Jäger, die an den Drohnen Kritik üben. Zum einen heißt es, dass die Kitze wieder in die Wiese laufen, wenn die Drohne weg sei. Das sei ein Fehler, aus dem man gelernt habe, sagt Stumpf. Inzwischen würden die Kitze in Kisten gesperrt und am Waldrand abgesetzt. Ist die Wiese gemäht, bittet Stumpf um Rückmeldung und lässt das Kitz im Wald wieder frei.

Die Mutter nimmt dann die Witterung auf. Auch der andere Kritikpunkt, dass die Kameras nicht alle Kitze anzeigten, weil es zu warm sei, hätten die Drohnenbefürworter ernst genommen. "Ab 8.30 Uhr sieht man nichts mehr, weil der Boden zu warm ist", erklärt Stumpf, warum die Flüge in den frühen Morgenstunden stattfinden.

"Wir fangen um fünf Uhr an", so Stumpf. Auch um vier Uhr, wenn es sein muss. Und das muss es oft, denn die Landwirte mähten mehr oder weniger alle zur gleichen Zeit. Der Wärmeunterschied muss jedoch mindestens sieben Grad betragen, erklärt Wagner. Wenn also die Lufttemperatur 20 Grad hat, funktioniere es noch gut, weil der Unterschied zu dem Kitz mit gut 30 Grad Körpertemperatur passe.

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Es gebe auch weniger hochwertige Kameras, schon ab 3500 Euro. Und manchmal auch damit Erfolge. Aber für diese möchte Uli Wagner die Hand nicht ins Feuer legen. "Sie sind ungenauer", sagt Wagner. Möglicherweise blieben Kitze oder Feldhasen unbemerkt.

Schon deshalb regt Stumpf an, die anderen Jäger sollten ihrem Beispiel folgen, sich zusammenschließen und den Landwirten den Suchflug über die Felder mit einer hochwertigen Kamera spendieren. Denn in erster Linie sei der Landwirt in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass den Tieren kein Leid zugefügt wird. Allerdings sieht sich Stumpf als Jäger auch selbst in der Verantwortung.

Wenn mehrere Reviere zusammenhelfen, lasse sich eine hochwertige Kamera anschaffen. Zudem müsse diese Investition auf Jahre betrachtet werden. Von den Methoden der Vergrämung oder des Durchgehens mit Hund hält Stumpf wenig.

Allerdings gibt es auch noch andere Methoden. "Der Landwirt könnte am Mähwerk Kameras anbringen", sagt Stumpf. Diese filmt und überträgt das Bild ins Cockpit. Allerdings muss der Landwirt dann anhalten und das Wild selbst in Sicherheit bringen. Dasselbe funktioniert, wenn der Bauer eine Kamera mit Summ-Ton anbringt.

Das Argument, dass keine Zeit sei, weil der Dienstleister nicht genau festlegen kann, wann die Wiese gemäht wird, lässt Stumpf nicht als Entschuldigung gelten. "Das muss man organisieren." Der Anruf muss am Abend zuvor kommen, damit die Jäger und Kitzretter zeitig auf die Wiesen gehen.

Die Arbeit nehmen die Jäger ab, auch die Verantwortung zu einem gewissen Grad, so Stumpf. Dann müssten die Landwirte und Dienstleister ihren Teil erfüllen. "Wir werden anzeigen", sagt er und richtet sich damit an die zehn Prozent, die es noch immer nicht für nötig halten, Vorsorge zu treffen.

Spendenkonto: Kitzrettung Pinzberg und Umgebung, IBAN: DE29 8306 5408 0004 0975 80, BIC: GENO DEF1 SLR.

PETRA MALBRICH

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