Forchheimer Südumgehung: Am Samstag rollen die Autos

9.12.2011, 09:04 Uhr

© Irene Lenk

Zum Spatenstich am 31. Juli 2009 stand einer ganz vorn mit seinem Protestplakat: Reinhard Seeber (CSU), Bürgermeister von Pinzberg und Gosberg. Von der halben Südumgehung, wie sie jetzt am Samstag gefeiert wird, hält Seeber gar nichts: „Wir haben von Anfang an gefordert, dass auch die Ost-Spange realisiert wird.“

Doch darauf, so scheint’s, kann Seeber noch sehr lange warten. Und mit ihm die Einwohner von Gosberg und weiterer Ortschaften, die das Pech haben, am neuen Highway in die Fränkische Schweiz zu liegen.

Denn das ist die große Befürchtung im Wiesenttal: Der gesamte West-Ost-Verkehr, ob nun aus Richtung Höchstadt von der A3 her oder aus Richtung Erlangen via A73 – alle werden auf ihrem Weg in Richtung Ebermannstadt am Kersbacher Kreuz nicht mehr umständlich nach Forchheim hinein und über Reuth auf die B470 fahren. Sondern stracks über die Kreisstraße durch Gosberg und Kirchehrenbach. Insofern werden zumindest Burk und Reuth von Durchgangsverkehr entlastet.

„Wir fordern eine sofortige Verkehrszählung“, sagt dagegen Bürgermeister Seeber. Er will wissen, was Sache ist. Seit Jahren halten die Gosberger jedem der 11000 Fahrer, die sich täglich durch ihre kurvenreiche Hauptstraße schlängeln, auf Transparenten vor Augen, was sie von dem vielen Verkehr halten: weniger als nichts.

18000 Fahrzeuge täglich

Für das neue Straßenteilstück vom Kreisverkehr bei Hausen bis zum Anschluss an die Autobahn rechnet das Staatliche Bauamt Bamberg mit täglich 18000 Fahrzeugen. Die Prognose stammt von 1999 und gilt für das Jahr 2015.

Natürlich fahren nicht alle 18000 Autos und Lkw weiter in die Fränkische. Doch Bürgermeister Seeber will mit einer neuen Verkehrszählung nicht bis 2015 warten. Seinen Vorgänger und jetzigen Landrat Reinhardt Glauber (FW) weiß er dabei auf seiner Seite.

Glauber regte beim zuständigen Münchener Staatssekretär an, die Ortsumgehung von Gosberg aus der Gesamtplanung herauszulösen und vorzeitig zu bauen.

Denn die Ost-Spange der Südumgehung hat es auch nach mehr als 20 Jahren noch nicht in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes geschafft. Und ohne dieses Siegel wird sie ganz bestimmt nie gebaut.

Darauf hofft ganz offen der Bund Naturschutz. Dessen Kreisvorsitzender Heinrich Kattenbeck hat den seinerzeit ebenfalls bekämpften West-Teil längst abgehakt: „Das war keine Niederlage, trotz des immens großen Flächenverbrauchs.“

Das eigentliche „Kampfgebiet“ jedoch sei der Geschichte zweiter Teil im Osten. Hier stehe zu viel wertvoller Naturraum auf dem Spiel. „Wir sehen ein, dass Gosberg entlastet werden muss“, sagt Kattenbeck. Doch dafür gebe es andere Möglichkeiten als die seit Jahren diskutierte große Lösung. Die Trasse vom Kersbacher Kreuz mitten durchs Wiesenttal bis zur B470 irgendwo hinter Reuth ist nach Kattenbeck „nicht notwendig.“

Aus seiner Sicht streiten sich also die Stadt Forchheim einerseits und die Gemeinden Pinzberg, Kirchehrenbach und Wiesenthau andererseits völlig sinnlos um die beste von drei diskutierten Varianten.

Die kleinen Gemeinden wollen die Straße möglichst weit in Richtung Forchheim verschieben; die Stadt – wen wundert’s – will genau dies nicht und favorisiert die Trasse, die möglichst weit entfernt von der Stadt verläuft. Schon um ihre Wasserversorgung im Zweng zu schützen. Die Kostenschätzungen bewegen sich derzeit im Bereich um 22 Millionen Euro.

Staatssekretär Gerhard Eck will am 16. Februar bei seinem Besuch im Rathaus von Wiesenthau den Bürgermeistern die ersten Untersuchungen seines Hauses zur Trassenfindung vorstellen. Bei dieser Gelegenheit sollen auch „umweltrelevante und wasserwirtschaftliche Fragestellungen“ der jeweiligen Trassen erörtert werden.

Lizenz zum Protest

Zur Eröffnung des Westteils der Südumgehung am morgigen Samstag um 9 Uhr eilt sogar der bayerische Innenminister Joachim Herrmann aus Erlangen nach Forchheim, ebenso ein parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums. Dabei gibt es ein Wiedersehen mit Bürgermeister Seeber. Er hat sich von seinem Gemeinderat erneut die Lizenz zum Protest geben lassen.

Ob Spargelbauer Friedhelm Zenk aus Hausen mitprotestiert? Er musste einen halben Hektar Ackerland aus uraltem Familienbesitz für die Straße hergeben. Seine Befürchtungen sind eingetreten, sagt er: „Der Spargel auf der einen Seite des Straßendamms wurde krank, weil die bisherige Luftbewegung fehlte.“ Jetzt muss er hier etwas anderes anbauen.

Was jetzt noch fehlt an der halben Südumgehung, sind Restarbeiten, die sich noch bis zum Sommer hinziehen werden. Dabei wird der Verkehr aber nicht beeinträchtigt, heißt es. Der kann rollen. Wohin auch immer.

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