Samstag, 14.12.2019

|

Forchheimer Verein Megafon löst sich auf

Engagierte des 1992 gegründeten Vereins schließen sich dem Jungen Theater an - 20.11.2019 18:33 Uhr

Die Black Rose Blues Band 2016 im Innenhof der Kaiserpfalz, als es AltstadtFetzt noch gab. Auftritte für Musiker organisierte seit 1992 der Verein Megafon, doch heute ist nicht mehr viel von ihm übrig. Nun löst er sich auf, macht aber auf andere Art weiter. © Archivfoto: Udo Güldner


Der Verein Megafon will sich auflösen – und doch weitermachen. Bei der Mitgliederversammlung im Jugendhaus wurde schnell klar, warum die vier Vorstände Gerhard Weiß, Tino Reichardt, Tobias Seitz und Nina Weiß die Eigenständigkeit aufgeben und sich als Gruppe dem Jungen Theater Forchheim anschließen wollen. Der Fahrplan für das Ende jedenfalls steht. Was mit den Räumlichkeiten und dem Vermögen geschehen soll auch.

Mehr als hundert Mitglieder hat Megafon noch. Zur Mitgliederversammlung sind aber nicht einmal ein Dutzend erschienen. Einen Schatzmeister hat man schon seit 2017 nicht mehr. Nur zwei kommissarische Vertreter: Nadine Fleischmann und Tobias Seitz. Dabei ist der Verein seit beinahe zehn Jahren mit seiner allmonatlichen "Sunday Afternoon Jam Session" sehr erfolgreich. Im Sommer bekommt man auf den Kellern kaum einen Platz, wenn die heimischen Musiker zu ihren Instrumenten greifen.

Als das Musikleben blühte

Im Winter ist der Rote Ochs in Burk das Epizentrum für Rock und Pop. Demnächst werde man auch in der Skyloft-Lounge im Süden Forchheims zu finden sein, kündigte Gerhard Weiß an. Daneben hält sich auch der Poetry Slam im Jungen Theater sehr gut. Dort tritt ja neben den Wortakrobaten immer auch ein Singer-Songwriter auf.

Als einige Enthusiasten 1992 sich zu einer "Selbsthilfe-Organisation" zusammenschlossen, da blühte das Musikleben in Forchheim. Nur Auftrittsorte waren Mangelware. Man half sich, wenn ein Musiker ausfiel. Man trat nach außen hin gemeinsam auf. Man organisierte Konzerte. Die damals Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind in die Jahre gekommen. Musik machen sie immer noch. Nur fehlt der Nachwuchs. Nicht generell, aber die Bands im Schüler- und Studentenalter sind heute besser vernetzt als früher, brauchen keinen Anlaufpunkt, finden ihre Bühne in der Region selbst.

Geringer werdendes Engagement

Den Niedergang läutete das immer geringer werdende ehrenamtliche Engagement ein. Wichtige Köpfe wie Manuel Heidrich verschlug es beruflich in die Ferne, andere gründeten Familien, wieder andere wie Dennis Kobylinski wandten sich neuen Projekten zu. Für den langjährigen Vorsitzenden Robert Hübschmann wurde es immer schwieriger, Freiwillige zu finden, die ihm zur Seite standen.

So verwaiste der Stadtpark mit Musik, das AltstadtFetzt und das KulturFetzt blieben auf der Strecke, und vor vier Jahren endete nach zwölf Jahren die Partytime. Zum Publikumsrenner hat sich indessen das KneipenFetzt entwickelt, das einmal im Jahr die Bands in die Bars bringt und die Zuhörer gleich mit. Die "Schnaps-Idee" entstand vor sieben Jahren in der "Funzl", als Claus Meinhardt und Andres Strom rund um das berühmte Fass standen. Später kamen noch Gerhard Weiß, Ulli Raab, Manuel Heidrich und Christian "Jesus" Rüther hinzu und das in Nordbayern einzigartige Musikfestival nahm seinen Lauf.

"Wir haben auch noch anderes im Leben zu tun als Buchhaltung." Der Frust über bürokratische Auflagen ist den Megafon-Mitgliedern anzumerken. Künstlersozialkasse, Veranstaltungshaftpflicht, Datenschutzgrundverordnung: Nur einige Stichpunkte schwirren durch den Raum. Das sei alles recht mühselig, so Nina Weiß, die ihren Vorstandsposten für Nadine Fleischmann räumte.

Vereinsvermögen wird verteilt

Dass sich damit ausgerechnet die jüngste Aktive zurückzieht, ist kein gutes Zeichen. Das vorhandene Vereinsvermögen wird zum großen Teil durch die geordnete Abwicklung aufgebraucht werden. Was übrig bleibt, bekommt laut Satzung die Städtische Sing- und Musikschule. Das Megafon-Büro im Erdgeschoss des ehemaligen Waisenhauses soll das Junge Theater Forchheim nebenan nutzen.

Die entscheidende Auflösungsversammlung soll am Samstag, 25. April 2020, um 14 Uhr im Jugendhaus Forchheim über die Bühne gehen. Die Liquidation dauert dann noch einmal bis zu einem Jahr, um allen potenziellen Gläubigern die Chance zu geben, an ihr Geld zu kommen. Danach soll Megafon nach 28 Jahren vorerst verstummen – aber nur für einen kurzen Moment.

Dann wollen die Megafon-Leute als Gruppe Musikbegeisterter im Jungen Theater weitermachen. Neben dem Schwarzlicht-Theater "Bscht", den Nachwuchsdarstellern von theaterNEUN, dem Kammerchor messa di voce und dem von Rainer Streng und Anderen gerade gegründeten "shakespeare project".

UDO GÜLDNER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Forchheim