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Forchheimer Vereine stoßen an Grenzen des WWW

Der AC Bavaria hat sein Online-Angebot erweitert, der SV Buckenhofen komplett eingestampft - 06.11.2020 11:40 Uhr

Im Frühjahr hat der SV Buckenhofen unter anderem mit einer Handstand-Challenge versucht, die Kinder und Jugendlichen in Corona-Zeiten an den Verein zu binden – jetzt will man auf weitere Online-Angebote verzichten.

06.11.2020


Das Frühjahr 2020 war für die Sportvereine eine große Herausforderung: kein Training, keine Wettkämpfe und auch keine Vorstandsitzungen. Aus der Not haben viele eine Tugend gemacht und zahlreiche Online-Angebote – oft in kürzester Zeit – aus dem Boden gestampft. Gut ein halbes Jahr später geht es wieder in einen sportlichen Lockdown. Wir haben exemplarisch drei Vereine befragt, welche Lehren sie aus der ersten Corona-Phase gezogen haben.

Folgende Fragen haben wir gestellt:

- Was hat sich damals bewährt, was nicht?

- Was war die größte Herausforderung damals?

- Welche Trainingsmethoden und welche Art der Kommunikation werden Sie jetzt erneut aufgreifen?

AC Bavaria Forchheim

Der zweite Vorsitzende und Online-Beauftragte Sergio Kaiser geht davon aus, dass der Lockdown weit länger gehen könnte als bis Ende November. "Wir haben intern analysiert, dass der Winter noch einmal eine große Herausforderung werden dürfte und haben uns darauf vorbereitet.

So sind die Trainingsräume jetzt regelrecht in TV-Studios umgewandelt worden. Es stehen Laptops mit Kameras dort, und am Boden sind Markierungen für die Coaches angebracht, dass diese immer wissen, dass sie gut im Bild sind. Kaiser: "Wir haben unser Angebot etwas optimiert. Anfangs waren es vor allem Videos, deren Tipps man gut im Freien umsetzen konnte. Das bietet sich jetzt ja nicht mehr so an. Stattdessen wird es mehr Kurse über Zoom geben, dessen Abo wir über den Sommer verlängert haben."

Die Resonanz sei damals schon gut gewesen und jetzt wieder ähnlich, seit das Programm am Montag anlief. Der AC Bavaria liefert quasi eine Rundum-Betreuung: Geräte wie Trampoline, Lang- und Kurzhanteln hat man im vereinseigenen Transporter zu den Kursteilnehmern ausgefahren. Einige der Kurse seien normalerweise neben dem Mitgliedsbeitrag kostenpflichtig, "aber jetzt ist erst mal alles gratis", so Kaiser.

Nicht so gut gelaufen sei im Frühjahr das Angebot, dass Trainer als Fitnessberater zur Verfügung stehen. Dennoch werde man das erneut anbieten, sagt Kaiser. Ebenso die Lehrvideos von damals, die man ja jederzeit wieder hochladen könne. Und es sollen neue dazu kommen, mit Übungen, die man innen machen kann. Sergio Kaiser: "Vielleicht rechtzeitig zur Weihnachtszeit – und wir Trainer möglicherweise mit Zipfelmütze." Apropos Trainer: In der ersten Welle hätten sich noch einige geziert, online tätig zu werden. "Nach der guten Resonanz trauen sich inzwischen fast alle", so der zweite Vereinsvorsitzende.

 

SV Buckenhofen

Lena Knauer, die gemeinsam mit ihrer Mutter Marion für das Zirkustraining verantwortlich zeichnet, zudem noch zwei Gruppen Bewegungskünste und eine Gruppe Luftartistik leitet, ist desillusioniert vom virtuellen Training: "Im ersten Lockdown haben wir versucht, unsere Kinder und Jugendlichen mit Videos zu motivieren, die sie zum Teil selbst erstellt haben. Da ging es zum einen um reines Technik-Training, zum Beispiel das Erlernen der Drei-Ball-Jonglage oder Übungen zum sicheren Handstand. Und zum Anderen haben wir den Kindern und Jugendlichen Challenges gestellt. Wir haben alle Videos in einer Dropbox gesammelt, auf die etwa 90 Kinder und Jugendlichen zugreifen konnten."

Man habe sich aber vor mehrere Probleme gestellt gesehen: Erstens seien viele der Kids, gerade die älteren, mit den Schulaufgaben schon so ausgelastet, dass darüber hinaus nur sehr wenig Zeit für Freizeit blieb. Deshalb wurde das Format von vielen deutlich weniger genutzt, als man sich das erhofft hatte. Zweitens hätten die Videos zwar den Vorteil gehabt, dass der SVB sie gut verbreiten und die Zielgruppe sie individuell nutzen konnte, aber eine soziale Interaktion – wie es zumindest ein kleines bisschen über Videokonferenzen möglich wäre – konnte man so nicht ermöglichen.

Und das führe zum dritten und viel größeren Problem, wie Lena Knauer sagt: "In unserem Zirkustraining geht es nur zu einem Teil darum, Techniken zu erlernen, sich in sportlicher Hinsicht zu verbessern. Zum viel größeren Teil geht es uns darum, dass die Kinder und Jugendlichen von und miteinander lernen, sich gegenseitig motivieren, gemeinsam kreativ werden und gestalten, eben miteinander interagieren, so dass jede und jeder seine und ihre Stärken in die Gruppe einbringen kann. Und das geht über jedes Online-Format gänzlich verloren und ist auch nicht zu ersetzen."

Nach Lockerung des Lockdowns im Juni (in die Hallen durfte man erst ab Oktober zurück) haben man den Kinder angemerkt, wie sehr sie sich über das gemeinsame Training und den Austausch freuten. Natürlich haben wir in unseren Gruppen einen sportlichen Anreiz, aber der soziale ist der viel stärkere in unserer Nischen-Sportart und wir merken, wie es den Kindern und Jugendlichen mehr und mehr verloren geht. Wir haben uns deshalb vorerst entschieden, auf keine weiteren Onlinemöglichkeiten zurückzugreifen. Sie können das, was unser Training ausmacht, einfach nicht ersetzen."

 

SG Neunkirchen

 

Im März hatte Übungsleiterin Ellen Rössler mit "Rumpf bleibt Trumpf" einen Volltreffer gelandet. Mitten im Lockdown bot sie ihre "Trainings-Show" per Facebook-Livestream aus dem Esszimmer an – ihre mit ihr herumturnenden Kinder inklusive. Diese Übungsstunden hatten weitaus mehr Teilnehmer als je zuvor am angestammten Platz in der Turnhalle der Hauptschule.

Ihr Fazit heute? "Überraschenderweise hat das Live-Video über die öffentliche Facebookseite des Vereins gut geklappt, das hat sich also bewährt. Es gab so viele Sportler, die an diesem Kurs teilgenommen haben, da der Kurs sowohl live als auch noch zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen werden konnte."

Gehakt habe es ein wenig mit der Technik. Es gab anfangs einige Teilnehmer, die damit nicht zurecht kamen, aber nach und nach haben laut Ellen Rössler alle doch eine gewisse Routine entwickelt. Wo hat es am meisten gehakt, was hat Erfolge erzielt? Für sie selbst war die größte Herausforderung damals, dass sie als Trainerin vor der Kamera nicht wusste, ob alle Teilnehmer mitkommen, ob man zu schnell oder zu langsam ist, oder ob man es nicht gut genug erklärt hat. "Ich habe mich nach der ersten Stunde strikt daran gehalten nur bekannte Übungen zu machen. Auch das Feedback war wertvoll", sagt Ellen Rössler.

Jetzt im zweiten Lockdown werde die SG Neunkirchen zumindest im November erst einmal keine Alternative zum Hallentraining anbieten. Ellen Rössler: "Geht diese Beschränkung für Dezember/Januar weiter, dann werden wir uns wohl doch um eine Alternative kümmern. Ein großer Unterschied zum Frühjahr ist auch, dass der Alltag mit Schule und Arbeit jetzt viel geregelter ist und man deshalb nicht so in der Luft hängt. Viele Vereinsmitglieder waren damals dankbar um diese Abwechslung – aktuell ist der Bedarf nicht hoch."

HOLGER PETER

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