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Forchheimer Wirtschaft unter Druck: Privatkonsum und Export brechen ein

Laut IHK-Befragung gibt es einen Negativtrend in allen Brachen, zudem herrscht Pessimismus - 29.05.2020 16:53 Uhr

Forchheims Fußgängerzone in Corona-Zeiten: Die Wirtschaft steht unter Druck.

© Philipp Rothenbacher


"Privatkonsum, Export und Unternehmensinvestitionen brechen ein, das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft", fasst Michael Waasner, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Forchheim die aktuelle Wirtschaftslage zusammen.

Die Corona-Krise erschüttert die oberfränkischen Unternehmen. In der Mai-Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth ist der Konjunkturklimaindex kräftig eingebrochen. Er verliert 35 Punkte und liegt nun bei nur noch 79 Zählern.

Eine vergleichbare Entwicklung gab es zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Sowohl die Konjunkturlage, als auch die Erwartungen an die Zukunft tragen zu diesem Einbruch bei. "Der Konjunktureinbruch trifft alle Branchen und auch alle Teilregionen. Dennoch gibt es zum Teil interessante Unterschiede", erläutert IHK-Präsidentin Sonja Weigand.

Ähnlich wie in Oberfranken ist die Entwicklung im Landkreis Forchheim. Der Konjunkturklimaindex bricht um 39 Punkte auf 78 Punkte ein. Nur im Raum Bayreuth und im Raum Marktredwitz-Selb war der Rückgang noch ausgeprägter.

Negativtrend in allen Branchen

Beurteilten zur Jahreswende noch die Hälfte der Befragten im Kreis Forchheim ihre Geschäftslage positiv, sind es im Mai immerhin noch 20 Prozent. Der Anteil der Unternehmer mit einer schlechten Lagebeurteilung hat sich auf 42 Prozent verdreifacht. Dieser Negativtrend spiegelt sich in allen Branchen wider.

Betroffen waren nicht nur die Reisebranche, deren Geschäft komplett weggebrochen ist, sowie Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie und alle Branchen, deren Betriebe von Mitte März bis in den Mai politisch verordnet schließen mussten, sondern auch die Industrie.

Ein großer Teil der Befragten rechnet auch nicht damit, dass sich die Lage in den kommenden Monaten stabilisiert: 41 Prozent sind pessimistisch gestimmt, nur 21 Prozent rechnen mit einer Verbesserung.

"Die ganze Welt ist im Zuge der Corona-Krise in eine Rezession gestürzt, die deutlich ausgeprägter ist als in der Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut zehn Jahren", resümiert der Vorsitzende des IHK-Gremiums Forchheim.

Ohne die Maßnahmen von Bund und Land, vom verbesserten Kurzarbeitergeld über Corona-Soforthilfe bis hin zu Darlehen mit 100-prozentiger Haftung des Staates, wäre die Situation ohne Zweifel noch kritischer. Waasner: "Die Schließung der Geschäfte ab Mitte März bremste den Privatkonsum. Grenzschließungen und Shutdown in vielen Ländern brachten die Exporte zum Erliegen." Der Einbruch von Inlandskonsum und Exporten habe auch die Investitionslaune in den Keller fahren lassen."

Kreis Forchheim ist Schlusslicht

Auch die Investitionsabsichten sind rückläufig. Die Hälfte der Unternehmen will ihre Investitionen in den nächsten 12 Monaten auf "Null" fahren, zur Jahreswende lag der Anteil bei 20 Prozent. Hier ist Forchheim Schlusslicht in Oberfranken.

Diese Rahmenbedingungen schlagen sich in der Prognose der Beschäftigtenentwicklung nieder. 36 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Beschäftigtenabbau, nur zwei Prozent planen einen Beschäftigtenzuwachs. Bei den Beschäftigtenplanungen liegt der Wirtschaftsraum Forchheim im oberfränkischen Mittelfeld.

In den kommenden Monaten müssen laut IHK Anreize für Verbraucher und Entlastungen für Unternehmen im Mittelpunkt stehen. "Die Verbraucher haben nicht deutlich weniger Geld als vor Beginn der Corona-Krise. Sie haben aber Angst um ihren Arbeitsplatz und ihre finanzielle Zukunft", so Waasner.

Waasner fordert ein "Anschubpaket für Entlastung, Liquidität und Investitionen". Die Unternehmen müssten sich in den kommenden Monaten ausnahmslos auf ihr operatives Geschäft konzentrieren und nicht durch neue und unnötige Belastungen gefährdet werden.

Er will weniger Belastungen, etwa durch ein Verschieben der Umstellung auf manipulationssichere Kassensysteme auf 2021. "Alleine diese Maßnahme würde die oberfränkischen Unternehmen in diesem Jahr um rund 10 Millionen Euro entlasten." Auch dürften die Beschäftigungspotentiale der Zeitarbeit nicht durch zusätzliche Beschränkungen gefährdet werden, so Waasner.

Steuerentlastungen würden in der aktuellen Situation für Liquidität und Investitionen sorgen, so Waasner: "Die Einführung einer einmaligen steuerfreien 'Corona-Rücklage' für den Jahressabschluss 2019 sorgen ebenso für eine Entlastung, wie die Ermöglichung eines Verlustrücktrages in den vergangenen drei Jahren."

Aber auch die Erhöhung der umsatzsteuerlichen Kleinunternehmergrenze oder die Senkung der Steuerbelastung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau von maximal 25 Prozent wären weitere stimulierende Maßnahmen.

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