11°

Dienstag, 15.06.2021

|

Förster klärt auf: Hilft der kühl-nasse Mai den Forchheimer Wäldern?

Der Monat Mai war kalt und regenreich - 29.05.2021 13:39 Uhr

Hilft der kühl-nasse Mai den Forchheimer Wäldern? Daniel Schenk, Leiter des Forstreviers Neunkirchen, klärt auf.

02.12.2015


Herr Schenk, wie geht es den Wäldern im Landkreis Forchheim gerade?

Daniel Schenk: Die aktuelle Witterung hat dem Wald sehr gut getan hat. Sie hat hervorragende Voraussetzungen für das Anwachsen der jungen und die Erholung der alten Wälder geschaffen. Das satte Grün ist auch einfach schön anzusehen. Es zeigt, dass die Kräfte der Natur wieder erwachen.

Was für Vorteile hat es, dass die letzten Wochen unterdurchschnittlich kühl waren?

Schenk: Die kühle Temperatur hemmt die Entwicklung von Schadinsekten, das kommt uns sehr entgegen. Besondere Probleme machen ja bekanntermaßen die Fichten-Borkenkäfer, also der Buchdrucker und der Kupferstecher. Das sind unsere allerwildesten Kontrahenten. Es gibt aber auch den Kiefernprachtkäfer, der im Unterland den Kiefern Schwierigkeiten macht.

Und der viele Regen?

Schenk: Es ist toll, was sich da aufsummiert hat über die letzten Tage und Wochen. Das war jetzt schon nah dran an dem, was man früher als Landregen bezeichnet hat. Das sind die Art von Regenfällen, die auch unten in den tieferen Mineralböden ankommen werden. Der Transport dorthin ist aktuell zwar noch nicht abgeschlossen, doch es ist ein Hoffnungsschimmer.

Bilderstrecke zum Thema

Diese Bäume im Landkreis Forchheim sind ein Naturdenkmal

Sie sind selten, schön und schützenswert: Im Landkreis Forchheim gibt es 34 Bäume, die bei der Unteren Naturschutzbehörde als Naturdenkmal gelistet sind. Hier haben wir eine Auswahl zusammengestellt.


Kann man von einem Ausgleich für die letzten zu trockenen Jahre sprechen?

Schenk: Nein. Ein Ausgleich ist immer nur ganz begrenzt möglich, weil die Wasserspeicherung vor allem in tieferen Böden mehrere Monate lang Zeit braucht, und auch im letzten Winter zu wenig Regen runter kam. Im Waldboden kann man nicht mit wenigen Wochen Regen das ausgleichen, was monatelang zuvor gefehlt hat. Das funktioniert nur bei einer Zimmerpflanze im Topf, die kann ich ordentlich tränken.

Bilderstrecke zum Thema

2018: Trockenheit im Landkreis Forchheim hinterlässt ihre Spuren

Mai 2018: Seit über drei Wochen fehlt es auch im Landkreis Forchheim an ausreichend Regen. Das hinterlässt Spuren.


Gibt es Unterschiede innerhalb des Forchheimer Landkreises? Laut dem Dürremonitor ist es im westlichen Landkreis, zum Beispiel in der Unteren Mark und in Richtung Höchstadt weiterhin zu trocken, während im östlichen Oberland der Fränkischen Schweiz alles in Ordnung scheint...

Schenk: Es ist nach wie vor so, dass wir im Landkreis zweigeteilt sind: Aufgrund der Höhenlage ist das Oberland grundsätzlich besser mit Niederschlägen versorgt als das Unterland, also dem Regnitztal und alles westlich davon. Und dann haben wir noch kleinflächige Faktoren wie einzelne Berge, die als Wetterabweiser gelten. Es gibt Gegenden bei uns, die bekanntermaßen besonders trocken sind und vom Regengeschehen nicht übermäßig verwöhnt werden. Und auch die Böden sind unterschiedlich: Wir haben hier viele Sandböden, die halten generell das Wasser nicht sehr lange. Wir haben aber auch schwere Tonböden, die nehmen das Wasser wenig auf. Vor diesem Hintergrund wird es immer so sein, dass man die Lage fast von Grundstück zu Grundstück neu bewerten muss.

Bilderstrecke zum Thema

Es kreucht und fleucht und blüht im Landkreis Forchheim

Frühling, Sommer, Herbst und Winter: In jeder Jahreszeit zeigt sich die Natur im Landkreis Forchheim von einer anderen Seite. Immer wieder schicken uns NN-Leser und Naturliebhaber tolle Schnappschüsse ihrer Entdeckungen - von allem, was bei uns in der Region kreucht, fleucht und blüht. Wir haben sie in unserer Bildergalerie zusammengestellt.


Hat das aktuelle Wetter eigentlich auch Nachteile?

Schenk: In unserer Forstarbeit gibt es ein paar Erschwernisse. So ist die Sättigung der Böden mit Wasser eine zweischneidige Sache: Wenn wir den Borkenkäfer jetzt noch entdecken, also Flächen mit Handlungsbedarf erkennen, dann können wir diese ganz ganz schlecht anfahren, denn aufgeweichte Böden stellen für jede Forstmaschine ein Problem dar. Man kann es schon machen, aber hinterher schaut es dann wirklich wüst aus. Wir können aktuell nicht so schnell und präzise handeln, wie wir es manchmal müssten.

Bilderstrecke zum Thema

So schön zeigt sich der Frühling im Kreis Forchheim

Farbenfrohe Blumen vor Fachwerkhäusern und Blütenmeere in der Natur: Der Frühling zeigt sich im Kreis Forchheim und in der Fränkischen Schweiz von seiner prachtvollen Seite - wie diese gelungenen Leserfotos beweisen. Auf diese Blütenpracht können wir uns freuen.


Sollte es im Sommer erneut Hitze- und Trockenperioden geben, würden die Wälder diese dann besser wegstecken als in den vergangenen Jahren?

Schenk: Zumindest für eine Hitzeperiode im Frühsommer dürfte das Mai-Regenwasser genau im richtigen Moment an den Wurzeln angekommen sein. Aber unser großes Problem sind die hohen Bestände an Schadinsekten, die auch jetzt in den Fichten warten und sich von der guten Wasserversorgung der Bäume nicht bremsen lassen. Die sind da und die werden sich neue Opfer suchen. Aber trotzdem: Ein guter Start ist es schon mal, die Niederschlagsmengen aus dem Mai verbuchen wir auf der Haben-Seite. Über die freuen wir uns sehr!

Max Söllner Volontär in der Redaktion Forchheim E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Wiesenttal, Wiesenthau, Weißenohe