Foto Forum Forchheim bietet virtuelle Kunst-Ausstellung

13.5.2020, 17:30 Uhr

© Udo Güldner

Es sind ganz neue Wege, die das Foto Forum Forchheim (FoFoFo) beschreitet, um seine Kunst zu zeigen. In einer virtuellen Ausstellung kann man nun von zu Hause aus 45 Werke der neun beteiligten Fotografen besichtigen. Das in der Region einmalig innovative Projekt hat auch die Coronakrise selbst in Szene gesetzt.

Auf den ersten Blick glaubt man den Coronavirus unter dem Mikroskop zu sehen. Erst danach fällt einem auf, dass Daniel Preußner aus Forchheim Spaghetti von oben aufgenommen hat. Es sind Nudeln, Klopapier und Konserven, die seine alltägliche "Quarantäne-Kunst" prägen. Und eine von Strudeln und Luftbläschen durchzogene Flüssigseife. Die Einschränkungen und ihre psychischen Folgen haben nun also auch die Kunst erreicht.

Virtuell ausstellen - mit überschaubaren Kosten

Dass Andreas Kraitzek nicht mehr in Bamberg lebt, sondern in Pfaffenhofen, kann man daran erkennen, dass er Schilder abgebildet hat, die die Schließung des Spielplatzes an der Danziger Straße und des nahen Sportparkes anordnen. Für den Outdoor-Sportler ein Paradoxon. Flatterband hindert Spaziergänger daran, auf Bänken Platz zu nehmen und Fitnesssüchtige, sich an allerlei Trimm-Dich-Geräten zu stählen. Es ist ein trostloser, von der Coronakrise erzeugter Stillstand, der sich in der Serie "restricted" niederschlägt.

Der Kopf hinter der virtuellen Schau ist Kai Rogler. Der Fotograf aus Forchheim hat sich für die Berliner Firma "Kunstmatrix" entschieden. Die stellt die Galerie zur Verfügung. Zwei Monate lang hängen hier die Bilder an den Wänden, deutlich länger als sie es in den früheren realen Ausstellungen getan haben. Auch weil die Kosten sich mit monatlich rund 30 Euro doch sehr im Rahmen halten. "Auch für mich war es eine ganz neue Erfahrung", so Rogler.

Seine Kamera-Kollegen seien aber von Beginn an begeistert gewesen. "Wir können damit überregionale Aufmerksamkeit erzeugen." Auch wenn ein Bild, vor dem man stehe, deutlich imposanter wirke, als am Bildschirm. Die Vorteile aber hätten überwogen. "Du erreichst damit Leute, die zu weit weg wohnen, um nach Forchheim zu kommen, und solche, die das ganze Jahr nicht in Museen gehen." Wer die Online-Galerie betritt, der kann sich auf eine Tour mitnehmen lassen, nach einzelnen Künstlern suchen und sogar sein Lieblingsmotiv gewinnen – als hochwertigen Ausdruck, mit dem die eigene Wohnung zur Galerie wird.

Vom heimischen Wohnzimmer aus

Zugleich bietet sich dem Besucher vom heimischen Wohnzimmer aus die Möglichkeit, zwei neue Gesichter und ihre Werke kennenzulernen. Zum einen Jürgen Hormuth (63) aus Karlsruhe, der zwar seit 33 Jahren in Ebermannstadt lebt, den man aber berufsbedingt nur selten auf der Straße antreffen konnte. Seit er im Ruhestand ist, hat er sich beim TSV Ebermannstadt um die Fußballer-Fotos gekümmert. "Man muss die Ehrenamtlichen unterstützen", sagt er. Auf seinen vielen Reisen, die ihn als kaufmännischen Angestellten bei Siemens und als neugierigen Urlauber "in mehr als 50 Länder auf allen Kontinenten" geführt haben, hatte er seine Kamera stets zur Hand. "Ich reise sehr gerne und lerne fremde Menschen kennen." "Die Gesichter Asiens" heißt die Serie, die Eindrücke aus Myanmar und Tibet wiedergibt.

Es sind zufällige Straßenszenen und ungeschminkte Porträts, die Hormuth faszinieren. Nicht erst, seitdem er dienstlich vier Jahre in Thailand und weitere drei Jahre in China stationiert war. Ein Arrangieren der Protagonisten und ein Aufhübschen der Fotos gibt es bei ihm nicht. Das bunte Gewimmel in den Tempeln schlägt sich in Farbfotografien nieder, die Porträts der Marktfrauen bleiben im reduzierten Schwarz-Weiß, um die Lebenslinien noch deutlicher hervortreten zu lassen.

Landschaftsfotografien aus Island

Und dann ist da noch Albert Brückner (67) aus Forchheim. Die Begeisterung für die Fotografie wurde vor rund 40 Jahren geweckt. Da arbeitete er in München bei AGFA und hatte ein firmeneigenes Labor in Reichweite. "Damals interessierte mich die Architektur, es war ja die Zeit, als das Olympiastadion gerade gebaut war." Ein beruflicher Wechsel des Elektrotechnikers zum Anzeigenverkäufer für regionale Tageszeitungen, zuletzt zum Sonntagsblitz der Nürnberger Nachrichten, brachte ihn zurück in seine Geburtsstadt Nürnberg.

Die Liebe ließ ihn vor 25 Jahren nach Forchheim ziehen. Seine Landschafts-Fotografien aus Island, noch kurz vor den Corona-Einschränkungen auf Speicherchip gebannt, beruhigen das Auge. Da wehren sich Lavasäulen gegen heranstürmende Wellen, einsame Kirchen behaupten sich bei Sonnenuntergang und Gletscherhöhlen entführen in das Innere riesiger Eismassen. Wie Hormuth hat er sich FoFoFo angeschlossen, um die eigenen Fertigkeiten weiterzuentwickeln und mit anderen Erfahrungen auszutauschen. Wenn man denn etwas Perfektes noch perfekter machen könnte.

InfoDie Ausstellung kann man bis zum 10. Juli 2020 über die FoFoFo-Homepage betreten: www.fofofo.de/art2020/

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