Donnerstag, 29.10.2020

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Fränkische Schweiz: Apfelernte ist heuer durchschnittlich

Bilanz aus Pretzfeld: Frost und Trockenheit sorgen für mittlere Obstmenge. - 12.10.2020 06:00 Uhr

Otmar Bähr aus Gasseldorf hat etwa drei Zentner Äpfel in seinem Garten geerntet. Jetzt hat er sie in Säcken mit seinem Pkw zum Obstgroßmarkt Pretzfeld transportiert. Hier landen die Äpfel in einem der fünf Silos.

© Foto: Edgar Pfrogner


"Wir sind gerade mittendrin", erzählt Manuel Rauch, der seit 2002 beim Obstgroßmarkt arbeitet und seit 2010 dessen Geschäftsführer ist.

Seit Anfang September werden bereits Äpfel angenommen, die hauptsächlich in der eigenen Anlage zu Saft verarbeitet werden (Siehe Artikel unten). Ein kleiner Teil werde auch zu Schnapsbrennern in der Region weitergereicht.

Nach einer miesen Ernte im vergangenem Jahr, als nach der großen Trockenheit nur 250 Tonnen Äpfel in den Großmarkt nach Pretzfeld transportiert wurden, rechnet Rauch heuer mit einem durchschnittlichen Ertrag. "Voraussichtlich werden wir rund 1200 Tonnen Mostäpfel bekommen", lautet seine Prognose.

Während der Frost im vergangenen Mai zahlreiche Kirschen und Zwetschgen vernichtet habe, sei der Schaden bei Äpfeln und Birnen nicht so extrem gewesen. In manchen geschützten Lagen hatte die Frostnacht gar keine Folgen, während in anderen Gebieten durchaus viele junge Früchtchen den eisigen Temperaturen zum Opfer fielen. Zum Beispiel bei Landwirt Gottfried Zeißler, der 1000 Spalierbäume besitzt.

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So kommt der Apfelsaft in die Flasche

Ab Anfang September bis weit in den Oktober hinein herrscht im Pretzfelder Obstgroßmarkt Hochbetrieb. Hier wird durchschnittlich aus 1200 Tonnen Äpfeln Apfelsaft gemacht. Die NN haben einen Blick hinter die Kulissen geworfen.


Gerade leert er Äpfel von seinem Traktoranhänger in eine große Schütte am Obstgroßmarkt. "Bei mir ist heuer die Hälfte erfroren", lautet seine bittere Bilanz. Das sei jetzt das vierte Problemjahr in Folge, schildert der Obstbauer aus Pretzfeld. 2017 habe Frost für einen Totalausfall gesorgt, 2018 war es Hagel, 2019 und 2020 war es wieder der Frost.

Manuel Rauch kennt die Nöte der Obstbauern. Je nach Lage seien die einen mehr, die anderen weniger von solchen Naturereignissen betroffen. "Die Natur kann man nicht beeinflussen. Bei Frost tut man sich schon schwer mit Gegenmaßnahmen", sagt er. Und heuer sei zum Frost zusätzlich dann nach der Blütezeit noch die Trockenheit dazugekommen, die die Fruchtreife bremse. Alles zusammen genommen führe das 2020 eben zu einer eher "durchschnittlichen" Erntemenge, so Rauch.

Manuel Rauch

© Foto: Edgar Pfrogner


"Wir sind froh um jeden Apfel, der uns gebracht wird." Auch kleinere Mengen sind willkommen. Otmar Bähr liefert gerade mit seinem Pkw Äpfel an. Drei Säcke voll hat er in seinem Garten in Gasseldorf geerntet und aufgelesen. Jetzt wird daraus Apfelsaft gemacht, freut er sich.

Je süßer, desto besser

Die Obstbauern und Anlieferer können ihre Früchte entweder verkaufen oder sich ihre Mengen auf ein Saftkonto gutschreiben lassen, informiert Rauch. Beim Ankauf gebe es Staffelpreise. Werden Äpfel früh im Herbst angeliefert, zahlt der Obstgroßmarkt acht Euro pro 100 Kilo, kommen die Früchte später, gibt es bis zu 17 Euro für die gleiche Menge, führt er aus. "Damit wollen wir die Leute animieren, dass sie die Äpfel so lange wie möglich am Baum hängen lassen. Am besten so lange, bis sie von selbst vom Baum fallen. Denn ein später Apfel hat mehr Süße und mehr Öchsle, dann ist für uns die Ausbeute viel besser", erklärt er.

Der Obstgroßmarkt produziert aus dem angelieferten Mostobst nicht nur normalen Apfelsaft, sondern auch Saft in Bio-Qualität, "Wir haben 110 zertifizierte Erzeuger, die liefern uns Streuobst in Bio-Qualität", zeigt sich Rauch stolz. Das mache rund 15 Prozent der Gesamtsaftmenge aus.

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Damit der Nachschub nach frischen Mostäpfeln in Pretzfeld nicht abreißt, verlost der Obstgroßmarkt unter sämtlichen Anlieferern pro Saison 100 Apfelbäume. "Damit wollen wir die Streuobstwiesen in der Fränkischen Schweiz fördern", sagt Rauch. "Die Obstbauern bekommen dann sogenannte "Re-Sorten, wie Reglindis oder Rewena." Das seien extra Züchtungen für die Streuobstwiese, die widerstandsfähiger und unempfindlicher sind als der übliche Essapfel wie Jonagold oder Elstar, die deutlich pflegeintensiver sind.

MARIA DÄUMLER

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