Handbemalte Ostereier: Kunst der 83-jährigen Gerda auch in Russland zu sehen

24.3.2021, 07:57 Uhr
Keine Abziehbilder werden verwendet, wie manche vermuten, sondern jedes einzelne Ei wird handbemalt: Die 83-jährige Gerda Popa aus Guttenburg gestaltet Motive wie aus dem Bilderbuch.

Keine Abziehbilder werden verwendet, wie manche vermuten, sondern jedes einzelne Ei wird handbemalt: Die 83-jährige Gerda Popa aus Guttenburg gestaltet Motive wie aus dem Bilderbuch. © Foto: privat

Als Künstlerin durfte Gerda Popa nie arbeiten. Trotzdem wurde ihr Talent erkannt. Sogar Gefäße für das Lenin-Mausoleum in Moskau hat sie bemalt. Das wusste sie damals jedoch nicht. Seit ihrer Kindheit malt die heute 83-Jährige. Derzeit bevorzugt Ostereier.

Küken unter dem Regenschirm oder Küken, die gerade aus dem Ei schlüpfen. Ein Schmetterling, der auf den anmutig wippenden Schneeglöckchen-Köpfen tanzt und ein Osterhase, der nach getaner Arbeit freudig lacht. Diese Motive wie aus dem Bilderbuch zieren Gerda Popas Eier auf dem Osterstrauß an ihrem Haus in Guttenburg, in dem sie inzwischen lebt.

Nein, es sind keine Abziehbilder, wie so mancher Spaziergänger vermutet. Diese Motive zaubert die 83-jährige Gerda Popa mit ihrer Hand auf die Eier. "Die Motive fallen mir einfach so ein", sagt Popa. Das Malen ist ihr Talent, das die in Elisabethstadt in Siebenbürgen geborene Deutsche gerne als Beruf ausgeübt hätte. Mit drei Zeichnungen hat sich die gerade einmal 13-jährige Gerda Popa bei der "Fondul Plastic" in Klausenburg (rumänisch Cluj) beworben. Das war ein staatlicher Verein für bildende Künstler. "Ich wäre aufgrund der eingereichten Arbeiten zur weiteren Ausbildung zugelassen worden", sagt Popa. Ihr Talent wurde erkannt.

Ein Mädchen als Künstlerin - damals nicht vorstellbar

Nur ihr Vater machte ihr einen Strich durch die Rechnung. "Er bestand darauf, dass ich Schneiderin lerne. Er wollte nicht, dass ich in eine weit entfernte Stadt gehe", erklärt Popa. Zudem: Ein Mädchen als Künstlerin? Zur damaligen Zeit weniger vorstellbar. Also lernte die junge Frau das Schneidern und arbeitete dann in Mediasch (rumänisch Medias) in der örtlichen Emaille-Fabrik. Töpfe, Schüsseln und Eimer – Haushaltsartikel der Vorplastikzeit – wurden in der Fabrik hergestellt. Aber es gingen auch Sonderaufträge ein wie Geschenkartikel, die von Hand bemalt werden mussten.

Fröhliche Motive zieren die handbemalten Ostereier.

Fröhliche Motive zieren die handbemalten Ostereier. © Foto: privat

"Abziehbilder, wie sie später auf die Töpfe gebrannt wurden, gab es damals noch nicht", erklärt Ute Läufer, die Tochter der Künstlerin. Nur bedeutete das Arbeiten in der Emaille-Fabrik Arbeit mit giftigen Chemikalien. Der jungen Frau fiel das lange schwarze Haar aus. Trotzdem blieb auch in diesen Jahren das Malen ihre Leidenschaft. "In der Pause setzte ich mich in eine Ecke und malte", erinnert sich Gerda Popa. Auf eine Art Pergamentpapier, mit der die Vesper eingepackt war.

Sonderauftrag mit Golddekor

Einmal suchte der Leiter der Fabrik jemanden, der besonders gut malen könne. Kolleginnen schickten ihn zu Gerda Popa. Sie wurde für einen Sonderauftrag gebraucht. Dieser kam von der Partei und die Gegenstände waren als Abschiedsgeschenk anlässlich des Abzugs der "russischen Freunde" gedacht. Gerda Popa fertigte 19 Ständer an, an deren oberen Ende ein handbemaltes Gefäß mit Golddekor gesetzt war. Als Blumensäulen, Aschenbecher oder Zimmerdeko konnten sie verwendet werden. Jahre später, als Gerda Popa mit ihrem Ehemann im Zug nach Russland fahren durfte, erkannte sie vier dieser Gefäße wieder. "Sie standen im Eingang des Lenin-Mausoleums", sagt Popa. Zu den Sonderaufträgen gehörte auch das Bemalen von Tassen für die Araber.

Dann hatte sie die Verkaufsstellenleitung der Arta populara, ein Ladengeschäft in Mediasch übernommen. Dort verkaufte sie auch die von Nonnen hergestellten Handarbeiten. Schließlich gründete sie in der Handwerkergenossenschaft die eigene Abteilung Siebdruckarbeiten und Handmalerei. Auch diese Arbeit als Leiterin war unter staatlichem Dach. Bemalt wurden zusätzlich noch Holz- und Tonartikel. Mit der Hand.

Wenn sich auch nicht der große Traum der künstlerischen Laufbahn erfüllte, so konnte Popa in ihren Arbeitsjahren immer wieder malen. Diese Abteilung hat Gerda Popa bis zu ihrer Ausreise 1993 geführt.

Bis die Corona-Pandemie kam, stellte Popa beim jährlichen Treffen der Siebenbürger ihre Handarbeiten und gemalten Dekowaren aus. "Ich male mit Aquarell- und Wasserfarben", sagt Popa. Und mit großer Leidenschaft.

Doch gemalt wird nur im Winter. Im Sommer ist sie mit ihrer zweiten großen Leidenschaft, dem Garten, beschäftigt. Mit den Ostereiern endet deshalb ihre künstlerische Malsaison. Und da es inzwischen Nachfrage zu den von Gerda Popa liebevoll und detailliert bemalten Ostereiern gibt, sind sie im Friseurstudio Doris in Gräfenberg erhältlich.

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