Freitag, 22.11.2019

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Heiligenstadt: Missionsverein lindert immer wieder Not

Am ersten Juni-Wochenende feiert der Verein "Lasst uns gehen" 25-jähriges Jubiläum - 27.05.2019 10:00 Uhr

Seit 1994 leistet der Missionsverein Lasst uns gehen aus Heiligenstadt in osteuropäischen Ländern Hilfe, in Ungarn und Moldawien, in Kroatien und der Ukraine, auch in Rumänien. Über 150 Transporte wurden organisiert und durchgeführt. Das Leid der Menschen ist oft so groß wie die Freude über die Hilfe. © Foto: Sonja Och


  Und zu feiern gibt es in dem um 9.30 Uhr beginnenden Festgottesdienst viel: Der Verein leistet seit 1994 Hilfe in osteuropäischen Ländern. Hier in einem kurzen Abriss die Geschichte der von Pfarrer Ewald Pusch initiierten Nothilfe. Es begann mit einem Doppeldeckerbus, der von dem dänischen Journalisten und Missionar Johny Noer zu seiner Wirkungsstätte in der Ukraine gebracht wurde.

Nach einer vom Verein ermöglichten OP läuft sie heute ohne Krücken. © Foto: Marquard Och


Johny Noer wird bei der Jubiläumsfeier am Samstag um 18.30 Uhr von seinem Einsatz erzählen. Dazu singt ein rumänischer Männerchor heitere Lieder. Bei über 150 Hilfstransporten nach Ungarn, Rumänien, Moldawien, in die Ukraine und zuvor schon nach Kroatien, wurden mehr als 1000 Tonnen Spendengüter von West nach Ost transportiert. Sage und schreibe 750 000 Kilometer legten die Helferteams mit den verschiedenen Fahrzeugen zurück.

Auch der Verfasser dieser Zeilen war mit Tochter Sonja in mehreren Einsätzen unterwegs und machte ungute "Grenzerfahrungen". Man war tagelangen Repressionen an den Zollstationen ausgesetzt, die nur mit "Schmierstoff" zu lösen waren.

Ein Lkw wird mit Hilfsgütern beladen. Bei der Fahrt nach Osteuropa wurde den Helfern oft genug große Geduld und viel Geschick im Umgang mit Behörden abverlangt. © Foto: Marquard Och


Durch die Vermittlung der damaligen Landtagspräsidentin Barbara Stamm ist zumindest eine Verbesserung erreicht worden. Im Rahmen der "Hilfe zur Selbsthilfe" ging im Jahr 1996 ein Lastzug mit gebrauchten landwirtschaftlichen Maschinen an das Waisenhaus in Beius. Im Jahr 2001 wurde an anderer Stelle eine Maschinenverleihstation aufgebaut, ebenfalls mit gebrauchten Maschinen aus Deutschland. Doch das Ziel wurde leider nicht erreicht. Denn in dem mit Unkrautspritze bis Mähdrescher ausgestattetem Fuhrpark drehte sich schon nach der ersten Ernte kaum mehr ein Rädchen.

Man ließ es an der Wartung der Fahrzeuge mangeln und hatte leider auch zu wenig Zugriff auf den nur fässerweise bereitgestellten Dieseltreibstoff. Der seit zwölf Jahren von Friedrich Dorsch angeführte Verein zog daraus die Lehre: Versorgung ist notwendig, aber Bildung ist wichtiger.

Schule für Sinti und Roma

Den größten Erfolg verbuchte der Verein mit der 130 000 Euro-Zuwendung aus dem BR-Projekt "Sternstunden". Damit wurde unter Bauleitung des Vereins die Schule in der rumänischen Stadt Cluj renoviert, Pfarrer Ewald Pusch sprach dazu den Segen.

Sinti und Roma leben in Rumänien mit eingeschränkten Bürgerrechten an den Siedlungsrändern, die Bildungschancen ihrer Kinder sind geringer; in Augustin haben die Heiligenstädter schon 2012 die aufwendige Sanierung eines Hauses gefördert und ein Schul- und Hausaufgabenprojekt ins Leben gerufen.

Inzwischen sind die Schüler auf dem Niveau rumänischer Kinder angekommen. Laufende materielle und finanzielle Unterstützung erhält ein von der katholischen Kirche übernommenes "Kulturhaus" im rumänischen Odorheiu-Secuest. Zwölf Nonnen betreuen hier 160 Waisenkinder. Heinz Sponsel, Gründungsmitglied und Spendenverwalter bis heute, war oft dabei, wenn über die Karpaten nach Rumänien gereist wurde. Für solche Touren nehmen die Ehrenamtlichen selbstverständlich ihr eigenes Geld. Dies würdigte auch Bürgermeister Helmut Krämer, den speziell die Freude der Beschenkten beeindruckte: "Den Moment, als eine von einer größeren Spende völlig überraschte Waisenhausleiterin in Freudentränen ausbrach, werde ich nie vergessen."

Krankenhäuser wurden mit Betten und medizinischem Gerät bis hin zur Röntgenanlage ausgestattet, Zahnarztpraxen wurden eingerichtet – eine solche Praxis ist zum Beispiel im afrikanischen Tansania mit der Unterstützung der Uni Erlangen im Einsatz.

2016 wurden Hilfsgüter für ein Flüchtlingslager in die Ukraine transportiert. Ein "Halleluja" ging Dietmar Scholz von den Lippen, als im März des Jahres im moldawischen Riscani dem Chefarzt ein Krankenwagen übergeben werden konnte, der vom Vorsitzenden mit 5000 Euro Spendengeld erworben worden war.

Der dortige Landrat betonte, aus eigenen Mitteln wäre die Ersatzbeschaffung nicht möglich gewesen. Noch einmal mit am Steuer war Kurt Ochs. Der Seniorchef der Veilbronner Sanitärfirma hat in vielen öffentlichen Einrichtungen für Wärme gesorgt.

Programm zum Fest

Zahlreich sind die Leidensgeschichten, die der Missionsverein zu lindern half, durch Finanzierungen von Herzoperationen, Nierentransplantation, Krebs-OP und mit orthopädischen Eingriffen. So wurden die schlimmsten Probleme immer wieder gemildert.

Am Sonntag, 2. Juni, um 9.30 Uhr findet im Gemeindezentrum ein ökumenischer Festgottesdienst statt. Anschließend wird gemeinsam gegessen und Kaffee getrunken, die Damen haben dafür viele Kuchen gebacken und zur Verfügung gestellt.

Auch die Kinder müssen sich nicht langweilen. Sie bekommen ihr eigenes Programm, außerdem erwartet die Gäste eine Bilderschau.

Ab 14 Uhr berichten Missionare aus Rumänien und Moldawien. Zu Wort kommen auch die Gründungsmitglieder Peter Hahn, Hans Herlitz, Alfred Lang und Alfons Ruß .

InfoSpenden an Raiffeisenbank Heiligenstadt, IBAN: DE74 7706 9051 0000 0216 60, BIC: GENODEF1HIS

MARQUARD OCH

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