Heimatfilm-Dreh: Als bekannte Schauspieler nach Forchheim kamen

14.3.2021, 07:51 Uhr
Dagmar Schock, Waltraud Haas, Peter Finkbeiner und Paul Hörbiger in einer Szene auf dem Forchheimer Rathausplatz.

Dagmar Schock, Waltraud Haas, Peter Finkbeiner und Paul Hörbiger in einer Szene auf dem Forchheimer Rathausplatz. © Foto: Hans Grimm

In den 50er Jahren waren Forchheim und die Fränkische Schweiz mehrfach die Kulisse für Dreharbeiten. Als "Der fröhliche Wanderer" mit dem Tenor Rudolf Schock in der Hauptrolle 1955 auf Zelluloid gebannt wurde, da spielte seine damals erst zehnjährige Tochter Dagmar als "Käthe" mit. Wir haben mit Dagmar Müller (76), wie sie heute heißt, über ihre Erinnerungen an den Film und seine Entstehung gesprochen. Außerdem zeigen wir Fotografien, die bislang nirgends veröffentlicht wurden.

 

Frau Müller, wie kam es dazu, dass Sie vor der Kamera standen?

Als Darstellerin hatte ich keinerlei Erfahrung. Zu der Filmrolle kam ich, weil die gewünschte Darstellerin Sabine Eggerth (Pünktchen und Anton) kurzfristig ausgefallen war. So hatte dieser Auftritt keine weitere Schauspielkarriere zur Folge. Ich habe den musikalischen Weg eingeschlagen und bin Musikpädagogin geworden.

 

Welche Sehenswürdigkeiten aus Forchheim oder der Fränkischen Schweiz haben Sie damals kennengelernt?

Ich kann mich noch sehr gut an den Bamberger Dom und den schönen Vorplatz erinnern, das hat mich damals sehr beeindruckt. Leider habe ich die Fränkische Schweiz nicht mehr besucht, kann mir aber durchaus vorstellen, es nachzuholen.

In der Eingangsszene passiert ein Autounfall, der an der Wiesent bei Streitberg, genauer an der Brücke zum Freibad in Niederfellendorf, gedreht wurde. Sie laufen da als "Käthe" auf die Fahrbahn . . .

An die Szene mit dem Autounfall an der Wiesent kann ich mich noch sehr gut erinnern, denn ich musste einen Laut-Schrei von mir geben, was nicht gleich klappte. Der Regisseur Hans Quest hat mir den Schrei damals selbst vorgemacht, und dann hat es auch geklappt. Unter meinen Fotos habe ich eines gefunden, auf dem mich der Mitschüler im Internat Tom (Peter Finkbeiner) nach dem Unfall tröstet.

 

Gab es weitere Szenen, in denen Sie auftraten und was können Sie dazu erzählen?

Ich kann mich auch sehr gut an die Szene erinnern, in der ich mich vor dem Schlafengehen mit dem Internatsschüler Tom treffe und mit ihm einen längeren Dialog mit viel Text habe. Das war gar nicht so einfach. Meine Mutter hatte mir den neuen Schlafanzug extra für die Dreharbeiten besorgt und diese Szene mit mir zu Hause ausführlich geübt. Später hat mir der Regisseur Hans Quest noch einige Anweisungen gegeben.

Es gibt ja den Großen Annafestzug durch Forchheim, der im Film ausführlich gezeigt wird. Waren Sie hernach auch auf dem Annafest?

Nach den Dreharbeiten haben wir das Annafest besucht. Die Feierlichkeiten haben mich als Kind damals sehr beeindruckt.

 

Wie war es, an der Seite Ihres Vaters mitzuspielen?

Das Drehen mit meinem Vater hat mir die Arbeit eher erleichtert als erschwert. Da meine Eltern mit am Set waren und mein Vater selbst die Hauptrolle spielte und die ganze Crew sehr nett zu mir war, fühlte ich mich während der Dreharbeiten sehr geborgen und sicher, und meine Nervosität hielt sich in Grenzen. Das Beste war, dass ich aus der Schule beurlaubt wurde und vorgezogene Ferien genießen konnte.

Dagmar Müller, geb. Schock, geb. 1945 in Goslar, Abitur 1964, Ausbildung zur Arzthelferin (bis 1969), Studium zur Musikpädagogin am Richard Strauss-Konservatorium München (1970-1975), Heirat mit dem Werbefachmann Johny Müller (1945-2018), Hausfrau und vierfache Mutter.

Dagmar Müller, geb. Schock, geb. 1945 in Goslar, Abitur 1964, Ausbildung zur Arzthelferin (bis 1969), Studium zur Musikpädagogin am Richard Strauss-Konservatorium München (1970-1975), Heirat mit dem Werbefachmann Johny Müller (1945-2018), Hausfrau und vierfache Mutter. © Foto: privat

Wie erlebten Sie Ihren Vater während der Dreharbeiten in unserer Gegend?

Ich habe meinen Vater bei den Dreharbeiten sehr entspannt erlebt. Das Drehen in der schönen Landschaft hat ihm Spaß gemacht. Meine Eltern waren sehr empfänglich für schöne Landschaften, und bei ihren vielen Wanderungen durch Deutschland sind sie auch des öfteren durch die Fränkische Schweiz gekommen.

 

Haben Sie sich den Film im Kino/Fernsehen nachher noch angesehen?

Zuerst habe ich den Film im Kino gesehen, allerdings musste ich aufgrund der damaligen Jugendschutzbestimmungen das Kino noch während der Aufführung um 22 Uhr verlassen. Ich besitze noch heute eine DVD des Films und habe diese zusammen mit meinen Enkeln angesehen.

Wie sehen Sie nach so langer Zeit den Film heute?

Da möchte ich mit den Worten der damaligen Leiterin der Gesangsklasse im Richard Strauss-Konservatorium München, wo ich in den 70er Jahren studiert habe, antworten: Sie hatte den Film am Abend zuvor im Fernsehen gesehen, kam auf mich zu und sagte: "Ja, mei, solche Filme hat man halt in den 50er Jahren gedreht, aber wie der Schock singt, das ist einfach göttlich."

 

Kümmern Sie sich um das künstlerische Erbe Ihres Vaters und welche Rolle nehmen dabei die Musik-Filme der 50er Jahre ein, zu denen auch "Der Fröhliche Wanderer" gehört?

Ich habe die Pflege des künstlerischen Erbes ganz im Sinne meines Vaters in die Hände seines Freundes und Experten Wilfried Chlosta gegeben. Um die Website www.rudolfschock.nl kümmert sich ebenfalls ein Verehrer und Freund meines Vaters, Rob van Brink. Beide widmen viel Zeit ihres Lebens dem künstlerischen Erbe meines Vaters. Einen Film möchte ich besonders hervorheben: "Du bist die Welt für mich", die Verfilmung des Lebens von Richard Tauber. Durch diesen Film mit seinen vielen Musikszenen ist bei einem breiten Publikum, durch die Verehrung der Kunst meines Vaters, das Interesse an der klassischen Musik geweckt worden.

 

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