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Höhepunkt wird heutzutage zum Highlight

Am 10. September ist der Tag der deutschen Sprache: Ist dieser Tag wirklich notwendig? - 09.09.2011 17:31 Uhr

Der „Coffee to go“ – anstatt „Kaffee zum Mitnehmen“ – ist keine Seltenheit. © Irene Lenk


Ein Standardsatz vieler Deutschlehrer ist: „Wer viel liest, der spricht und schreibt auch gutes Deutsch.“ Doch ist jedes Buch gleichwertig? Buchhändlerin Eva Ullmann aus der Buchhandlung Streit am Forchheimer Rathausplatz ist da anderer Meinung: „Auch in hochklassiger Literatur wird neuerdings immer einfachere Grammatik verwendet.“ Den Tag für die deutsche Sprache findet sie gut. Eva Ullmann sieht außerdem bei den Kindern den Trend, weniger zu lesen: „Hier kommt auf die Schulen eine große Aufgabe zu.“ Kinder würden beim Sprechen und Schreiben in ein Art Telegrammstil verfallen, den sie vom „Simsen“ (Kurznachrichten mit dem Handy schreiben) gewohnt seien.

Diesbezüglich ist Marion Schmidt, Eigentümerin der Buchhandlung an der Martinskirche, anderer Meinung: „Es gibt immer noch richtige Leseratten unter den Kindern.“ Und die können sich dementsprechend gut ausdrücken, erklärt sie. „Natürlich sprechen die Kinder heute anders als früher, aber das muss nicht heißen, dass alte Wörter verschwinden.“ Ein Tag zum Nachdenken könne da helfen, dass nötige Bewusstsein zu fördern.

„Der Tag könnte unter den vielen Gedenktagen untergehen“, meint Regina Steigerwald vom Sprachcafé in Forchheim. Dort treffen sich Menschen verschiedener Nationalität und sprechen auf Deutsch über ihre Kultur. „In unserem Land, leben viele Nationen nebeneinander, das macht es unmöglich, die Sprache rein zu halten,“ meint Regina Steigerwald.

Synonyme für Anglizismen

In der Forchheimer Stadtbücherei konzentriert man sich auf den Tag des Buches und den Tag der Bibliotheken. Doris Koschyk findet Gedenktage gut: „Man denkt mal über ein spezielles Thema nach, das ist schon interessant.“ Dass die Nordbayerischen Nachrichten in einer Serie auf Synonymsuche für Anglizismen gehen, gefällt ihr: „Es freut mich, wenn man sieht, dass man etwas auch auf deutsch ausdrücken kann.“ Anglizismen sind Wörter, die aus der englischen Sprache übernommen wurden oder einen starken Einfluss aus dem Englischen erfahren haben. Unter anderem deswegen hat der Verein der deutschen Sprache den Gedenktag ins Leben gerufen. Der Verein will erreichen, dass die Bürger über den Gebrauch von gutem Deutsch nachdenken und Fremdwörter hinterfragen.

Bedenkliches Signal

Der städtische Kulturreferent Dieter George sagt zu Anglizismen: „Früher haben wir uns französischer Wörter bedient, heute sind es englische.“ Doch das Ausmaß dieser geliehenen Wörter sei eine Bedrohung der deutschen Sprache – deren Sprachtod sei schon eingetreten: „Bedient sich eine Sprache zu sehr in anderen, um neue Wörter zu bilden, kann sie sterben“, erklärt der Kulturreferent. Den Tag der deutschen Sprache sieht er als Bestätigung:„Solche Tage werden eingerichtet, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“ Der Tag geht ihm allerdings nicht weit genug: „Man hätte tiefer ansetzen können“, meint er. Durch das Fördern deutschsprachiger Musik zum Beispiel: „Damit im Radio aus dem Hit wieder ein Schlager wird.“

Die moderne Kunstform „Poetry Slam“ geht mit Anglizismen locker um. Im Rockcafé in Forchheim kämpfen dabei junge Poeten verbal gegeneinander. Wer am besten reimt und vorträgt, gewinnt durch den lauteren Applaus der Zuhörer. Die sogenannten „Slamer“ schreiben ihre Texte vorher selbst – auf Deutsch.

Daniel Scholz aus Forchheim ist seit zwei Jahren dabei: „Geschichten hören und entwickeln hat mich schon immer fasziniert“, erzählt er. Den Tag der deutschen Sprache findet er gut: „Es ist wichtig und sinnvoll deutsche Lyrik und Schreibkunst beizubehalten.“ Mit englischen Wörtern im Alltag hat er keine Probleme, auch wenn man die nicht alle bräuchte: „Wichtig ist, dass man sagen kann, was man meint.“

VON SABINE ADRIAN

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