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Kein Annafest 2020: Das waren denkwürdige Tage im Kellerwald

Wie haben Wirte, Schausteller und Polizei die Situation erlebt? - 03.08.2020 19:30 Uhr

Auf die Keller gehen wie eh und je? 2020 ist alles anders: Corona sorgte für eine Absage des Annafestes und Maskenpflicht auf den Kellern.

© Patrick Schroll


„Wenn wir mit einem oder zwei blauen Augen davonkommen, können wir uns glücklich schätzen“, sagt Alexander Zinnecker. Der Forchheimer Schausteller und seine Familie sind gerade dabei, ihre Achterbahn in Vaterstetten bei München abzubauen. Dort fand eine Art Ersatz-Volksfest in Form eines mobilen Freizeitparks mit speziellem Hygienekonzept statt. Im Forchheimer Kellerwald war das nicht möglich. Es sei schon merkwürdig, sagt Zinnecker, „an manchen Orten darf man Geld verdienen und andernorts nicht“.

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Den Corona-Lockdown hatte die Schaustellerfamilie zunächst mit einer kleinen „Drive-In“-Kerwa in der Dechant-Reuder-Straße zu kompensieren versucht, wo sie Zuckerwatte, Schokofrüchte, Langos und Co. anboten

Im Zuge der Lockerung rentierte sich das nicht mehr, sie schlossen ihre „Kerwa-To-Go“ und versuchen sich seither mit Engagements wie dem in Vaterstetten über Wasser zu halten.

Die Absage des Annafestes, das am Montag zu Ende gegangen wäre, traf die Zinneckers jedenfalls hart. Ähnlich das Fazit beim Brauwastl am Eingang zu den Unteren Kellern. „Ka Annafest“ bekamen die Hobby-Brauer um Fritz Zirnsack deutlich zu spüren – was Besucher und Bier-Absatz angeht. „Kein Vergleich zu normalen Jahren“, sagt Zirnsack. Am Brauwastl-Keller gibt es die spezielle Situation, dass man hier eigentlich auf den Straßenausschank baut. „Und der ist natürlich komplett weggebrochen“.

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Konkrete Zahlen zum Umsatz- und Ausschank-Rückgang kann Zirnsack nicht nennen – „es war heuer aber schon bedeutend weniger“. Allerdings: „Trotz der ganzen Einschränkungen können wir eigentlich ganz zufrieden sein“, sagt der Wirt. „Dass wir trotz der Annafest-Absage unseren Keller aufgemacht haben, dafür bekamen wir sehr viel Zuspruch.“ In den Abendstunden seien die Tische am Brauwastl so dann auch „relativ gut belegt gewesen“ und unter der Woche, während des Annafestes eigentlich die „schwachen Tage“, ließen sich die Gäste ihr Bier schmecken. Und dass die Besucher ermuntert wurden, ihr eigenes Essen mitzubringen, sorgte immerhin für ein Gefühl von „Annafest wie früher“, sagt Zirnsack. Er und seine Brauwastl-Mitstreiter hoffen nun auf ein 180. Annafest im nächsten Jahr.

Ein paar Hundert Meter weiter hinein in den Kellerwald, gegenüber des zentralen Festplatzes, der heuer ohne Riesenrad auskommen muss, ist die Lage eine ganz andere: „So komisch es klingt, aber die elf Tage ohne Annafest waren für mich ein Wahnsinns-Geschäft, ein richtiger Glücksfall“, freut sich Birgit Hempel, die den Schindler-Keller betreibt.

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Denn ihre Gaststätte, an der traditionell der Fest-Anstich stattfindet, ist einer der wenige Sonderfälle im Kellerwald: Normalerweise muss die Pächterin ihn während des Annafestes räumen und die Verpächter übernehmen an den elf umsatzstarken Tage den Betrieb. Hempel ist dabei nur als Kellnerin angestellt. In diesem Jahr aber gehörte ihr der Schindler ganz allein – „und ich hatte meinen Keller jeden Tag voll. Diese elf annafestlosen Tage“, sagt Hempel, „haben dafür gesorgt, dass ich die Verluste, die ich wegen Corona hatte, wieder ein bisschen aufarbeiten konnte“.

"Friedliches Beisammensitzen"

Wenig zu tun im Kellerwald gab es hingegen für die Polizei – die eigentlich während des Annafestes meist täglich zu Einsätzen auf die Keller gerufen wird. Keine besonderen Vorkommnisse und auch keinen gemeldeten Verstoß gegen geltende Hygienevorschriften verzeichnete die Polizeiinspektion Forchheim in den vergangenen knapp zwei Wochen im Kellerwald.

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„Es war zwar verhältnismäßig viel los, aber nichts im Bereich Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, mit denen es wir sonst während des Festes zu tun haben“, teilt eine Polizeisprecherin mit. „Einfach ein friedliches Beisammen.“ Sie hofft, dass das auch die nächsten Wochen so bleibt und dass sich die Kellerwaldbesucher weiter an die Corona-Regeln halten. „Denn alle wollen ja den Kellerwald genießen – und keiner will einen zweiten Lockdown.“

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