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Kersbacher entdeckt in Spanien neue Orchideen-Art

Einer neuen Art auf der Spur - 05.09.2019 09:53 Uhr

Orchideen-Fachmann Adolf Riechelmann aus Kersbach ist bereits seit 34 Jahren den selten schönen Pflanzen in südlichen Gefilden auf der Spur. © Archivfoto: Udo Güldner


Vor 14 Jahren sahen Adolf Riechelmann aus Kersbach, Andreas Sauer aus Lauf und Hans Kohlmüller aus Erlangen bei einer botanischen Wanderung im Hinterland der spanischen Küstenstadt Málaga sehr kleine, gelb blühende Orchideen. Damals maß man den Pflanzen keine besondere Bedeutung bei. Weitere Forschungen belegen nun aber, dass es sich um eine neue Art handelt. Orchideen-Fachmann Riechelmann erklärt nun den NN, warum es so lange dauerte.

Die gelb blühende, neue Orchideenart Ophrys alpujata aus dem Hinterland der spanischen Küstenstadt Málaga, entdeckt vor 14 Jahren von Adolf Riechelmann aus Kersbach, Andreas Sauer aus Lauf und Hans Kohlmüller aus Erlangen. © Foto: Adolf Riechelmann


Nicht einmal zehn Zentimeter hoch ist die Ophrys alpujata. Benannt nach der Bergkette der Sierra Alpujata, die sich in Andalusien erhebt. Für Orchideen, die andernorts über einen Meter groß werden können, ist das ziemlich klein. "Das liegt vielleicht am kargen Boden, am lichtarmen Standort oder dem Bestäuber, der genau in dieser Höhe vorbeifliegt," so Riechelmanns Vermutungen. Trotzdem entging die Ragwurz den aufmerksamen Blicken nicht. Nur dass man da nicht eine bekannte Gelbe Ragwurz, sondern eine neue Art vor sich hatte, das entging den Forschern – anfangs zumindest.

Dass Riechelmann und seine Kollegen ausgerechnet auf der Iberischen Halbinsel gesucht haben, ist dem Flughafen Nürnberg zu verdanken. Von hier aus kommt man über einen Umstieg bequem an den westlichen Rand Europas. Dass sie sich im Frühjahr auf den Weg machten, liegt an den Orchideen, die in den meisten Fällen zwischen März und Mai blühen. "Die Blüte braucht es unbedingt zur Bestimmung." Stängel und Blätter allein reichen bei der Vielzahl an schwer unterscheidbaren Arten nicht. Riechelmann selbst ist bereits seit 34 Jahren den selten schönen Pflanzen in südlichen Gefilden auf der Spur. "Jedes Jahr kommen zwischen drei und zehn neue zu den fast 800 Arten in Europa hinzu, weil man, wie wir, genauer hinschaut."

Nahe eines Steinbruches

Vor Ort suchte Riechelmann nach Begleitpflanzen, die ihm den Weg zu den versteckten Schätzen zeigen. In einem Biotop in der Nähe eines Steinbruches wurde er fündig. "Die 40 Tonner rasten an uns vorbei." Hier war es durch einen zeitweise trockengefallenen Bach (Arroyo Seco), der Schmelzwasser heranführte, feucht genug. Außerdem sorgte ein Nordhang dafür, dass die Orchidee nicht den ganzen Tag die pralle Sonne abbekam, sondern nur nachmittags einige Stunden. "Da ist die Intensität der Strahlung nicht mehr ganz so stark."

Ein Magerrasen und einige Ginsterbüsche bildeten die im Mittelmeerraum typische Macchie. Darunter der bei Orchideen so beliebte Kalkstein. Wie Riechelmann von Forschern der Universität Bayreuth erfahren hat, ist es kein Zufall, dass sich diese spezielle Orchidee im Schatten der Aleppo-Kiefern angesiedelt hatte. Nicht nur der Sonnenschutz ist entscheidend, sondern das, was sich unter der Oberfläche abspielt. "Dort gibt es ein symbiotisches Geflecht aus den Wurzeln der Orchidee, des Baumes und einem Pilz." Man liefere sich gegenseitig Nährstoffe und Mineralien. Wer die Bäume fälle, der zerstöre dieses zerbrechliche Dreieck.

Population immer wieder überprüfen

Es dauerte viele Jahre, bis sich Riechelmann sicher war, eine neue Art vor sich zu haben. "Man muss die Population immer wieder überprüfen, um sicherzugehen, dass es keine bekannte Art ist, die witterungs- und klimabedingt ihre normale Größe nicht erreicht hat." Dann gelte es, immer wieder nachzumessen und weitere Standorte zu finden. "Es ist wie überall in der Wissenschaft. Es braucht mehrere Belege." Die Bestimmung von Pflanzen sei eben oft langwierig und anstrengend. "Ich will aber keine Schnellschüsse, sondern ordentliche Arbeit."

Einen zweitägigen Ausflug nach Kreta mit dem Fund dreier neuer Orchideen-Arten könne man von ihm nicht erwarten. Eine Orchidee kommt dabei immer ins Herbar der Universität Erlangen, um dort künftigen Untersuchungen zur Verfügung zu stehen. "Dieser Erstfund ist vergleichbar mit dem Urmeter in Paris." In der freien Natur stehen derzeit rund 60 Ophrys alpujata. "Wenn man nicht nur an den sechs bekannten Standorten sucht, dann können daraus schnell einige hundert Exemplare werden." Wenn es denn regnet.

Was es drei Winter lang in der Sierra Alpujata zwischen Monda und Alhaurin de la Torre nicht getan hat. Für die Orchideen, die es gerne feucht mögen, ist das ein Problem. "In einigen Biotopen haben das die Pflanzen nicht überstanden." Von rund 90 Prozent Rückgang spricht Riechelmann. Je länger die Trockenheit andauere, desto schwieriger werde es für die Ragwurz. Denn die Knolle, die nicht austreibe, sondern auf Regen warte, könne das nicht ewig tun. "Irgendwann stirbt sie ab."

Dann liegt die Hoffnung in den Samen, die man mit bloßem Auge gar nicht sehen kann. Oder auf einer anderen Art, die mit den unwirtlichen Bedingungen besser auskommt. Auch in der Fränkischen Schweiz haben die letzten heißen Sommer ihre Spuren hinterlassen. "Die Bienen-Ragwurz und die Bocksriemenzunge am Walberla sind fast verschwunden." Wenn es weiterhin so trocken ist, könnte das so bleiben.

UDO GÜLDNER

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