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Klimaallianz bedauert das Windkraft-Aus auf der "Langen Meile"

Die Entscheidung führen die Befürworter auf falsche Informationen und Stimmungsmache zurück. - 08.05.2021 10:08 Uhr

In Oberngrub bei Heiligenstadt stehen seit anderthalb Jahrzehnten fünf Windräder. Seither wurden dort zwei Baugebiete neu ausgewiesen, keine toten Vögel gefunden und von Infraschall oder Lärm fühlt sich auch niemand belästigt.

07.05.2021 © Foto: Stefan Braun


"Wir haben das Problem, dass Windkraft immer mit den gleichen Argumenten abgelehnt wird", erklärt die Vorsitzende, Barbara Cunningham. So hatte es bereits einen Faktencheck gegeben, der sich einiger Argumente angenommen hat. Aktuell habe die Debatte neu an Fahrt aufgenommen, nachdem der Erlanger Physikprofessor Martin Hundhausen aufgedeckt hatte, dass sich die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bei den Infraschall-Messwerten um den Faktor 4000 vertan hatte: "Häufig werden von einer relativ kleinen Gruppe von Personen falsche Behauptungen aufgestellt", erklärt Cunningham dazu.

Reisende Windkraftgegner

Das mache sie auch daran fest, dass es einige wenige Windkraftgegner gebe, die durch ganz Bayern reisen und Stimmung gegen die Pläne machen. Die Energie- und Klimaallianz sieht Windkraft als die beste Möglichkeit, um die Energiewende voranzubringen und die Klimaerwärmung im Zaum zu halten.

"Wir haben eine unglaubliche Klimaerhitzung", sagt Cunningham. Der Umstieg auf erneuerbare Energieträger sei nicht nur für die Stromerzeugung wichtig, sondern für den gesamten Energiemix der Bundesrepublik Deutschland. "Wir müssen aus den fossilen Energieträgern aussteigen", sagt auch ihr Mitstreiter Emmerich Huber.

Die Politik ist aktuell zum Handeln aufgefordert. In der letzten Woche hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Teile des Klimaschutzgesetzes verfassungswidrig sind. Die Karlsruher Richter begründeten dies damit, dass Freiheitsrechte der nachfolgenden Generationen eingeschränkt werden würden, wenn für die Zeit nach 2030 nicht konkrete Ziele genannt werden. "Wir haben eine Verantwortung gegenüber den folgenden Generationen", so Cunningham. Auch auf den Ausbau der Windkraft könnte das Gesetz Auswirkungen haben. So möchte der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (FW) aus Pinzberg die umstrittene 10H-Regel kippen. Wie die Allianz berechnet hat, wäre ein Ausbau in Bayern effizient möglich.


Widerstand war zu groß: Kein Windpark in Eggolsheim.


Um den Energieverbrauch in Bayern durch erneuerbare Energien decken zu können, sei eine Neuinstallation von 117 Terawattstunden Leistung nötig. "Wenn wir das mit Photovoltaik schaffen wollen würden, müssten wir etwa zehn Prozent der Fläche Bayerns bebauen", erklärt Christoph Wurmthaler. Das entspräche einer Fläche von etwa 700 000 Hektar. Um diese Leistung mit Windrädern zu erhalten, seien lediglich 9750 Hektar nötig. Für die Bestrebungen im Raum Eggolsheim spielt das keine Rolle mehr, das Projekt wurde eingestellt, ehe es richtig geplant werden konnte. Die Klimaallianz erklärt, dass auch die Heizgemeinschaft auf der Langen Meile hier keine Alternative darstelle. Dort sollen sieben Häuser versorgt werden, 35 Hektar Wald stehen dazu zur Verfügung.

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Cunningham rechnet vor, dass auf der gleichen Fläche mit Photovoltaik 400 Häuser versorgt werden könnten, ein einzelnes Windrad mit einem Flächenverbrauch von einem Hektar könne 860 Häuser versorgen. "Das ist ein Holzweg", kommentiert Cunningham. Ein Anliegen der Energie- und Klimaallianz ist es, die Bevölkerung für die Notwendigkeit der Windkraft zu sensibilisieren. "Die Bevölkerung sollte keine Angst vor der Veränderung durch die Windräder, sondern vor der Veränderung durch den Klimawandel haben", fügt Wurmthaler an.

Fatale Signale

In der Vergangenheit seien die Signale der Politik fatal gewesen: "Die 10H-Regel macht den Eindruck, man müsse die Bevölkerung vor den Windrädern schützen", meint Huber. Laut ihm sei ab 700 bis 800 Metern Entfernung kein Infraschall mehr messbar. "Ich appelliere an die Politik, die Mahnungen der Wissenschaft ernst zu nehmen und anschließend auch das zu machen, was die Wissenschaft vorschlägt", erklärt Wurmthaler.

"Selbstverständlich müssen wir auch in den Dialog mit den Menschen vor Ort treten", meint Barbara Cunningham. Sie habe jedoch in Bürgerversammlungen die Erfahrung gemacht, dass viele Bewohner der Windkraft gegenüber erst einmal aufgeschlossen seien. Für Cunningham sind es dann häufig externe Personen, die die Stimmung gegen die Windräder anheizen. Dort müsse mit Fakten argumentiert werden. So seien die Auswirkungen des Klimawandels deutlich schädlicher als Einschränkungen durch die Windkraft. Martin Leipert erklärt, dass der Bau von Windkraft - im Gegensatz zum Kohleabbau - reversibel sei. "Wir müssen jetzt die Kröte der Windkraft schlucken. In 25 Jahren, wenn die Technologie so weit ist, könnten sie dann ja wieder abgebaut werden", meint er.

JULIAN HÖRNDLEIN

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