Kein Allheilmittel

Kreis Forchheim: Trotz Luftfilter bleibt der Schulbetrieb gefährdet

28.7.2021, 11:13 Uhr
In der Anna-Grundschule in der Stadt Forchheim ist ein Raumfilter bereits im Einsatz. 

In der Anna-Grundschule in der Stadt Forchheim ist ein Raumfilter bereits im Einsatz.  © Stefan Hippel, NN

Alles, nur keine coronabedingten Schulschließungen mehr. Das wünschen sich wohl alle Eltern schulpflichtiger Kinder im Landkreis. "Es ist absolut wichtig, dass Schüler ab September in die Schule gehen und bleiben können. Gerade für die Grundschüler", sagt Daniela Drummer. Sie ist Konrektorin an der Grundschule Igensdorf und leitet dort eine dritte Klasse. Als Kreisrätin hat auch sie für den Kauf von 778 Luftfiltern für rund 510 Schulräume gestimmt. Je nach Größe des Raumes braucht es mehr als eine Filteranlage.

Und trotz der bis zu 3,1 Millionen Euro, die der Landkreis für die Anlagen auf den Tisch legen muss, bleibt es wohl bei einem Wunsch nach offenen Schulen. Denn: "Wir können nicht gewährleisten, dass der Schulbetrieb deshalb weiter gehen kann", sagt Stefan Götz von der Kreis-Bauverwaltung.

Trotz aller Studien zu den Luftfiltern bleibt noch vieles im Unklaren: "Sie sind wirksam, aber die Effektivität im Bezug auf das Risiko, sich mit Corona dennoch zu infizieren, müssen wir unbeantwortet lassen", erklärt Götz. Klar hingegen ist, dass die "Virenanzahl in der Luft gesenkt" werden kann, "aber es ist nicht bekannt, wie viel Viren notwendig sind, damit eine Infektion passiert", so Götz. Oder ausgeschlossen werden kann.

Das Lüften im kalten Winter kann reduziert werden

Dass sich die Investition trotzdem bezahlt machen wird, davon waren alle Kreispolitikerinnen und -politiker überzeugt. So wollen die Grünen die "Auswirkungen der vierten Welle auf die Schule vermindern" (Matthias Striebich). Manfred Hümmer von den Freien Wählern betont den zusätzlichen Schutz der Kinder vor einer Ansteckung, schließlich gebe es für sie noch keinen Impfschutz. Je stärker die Anzahl der Aerosole gesenkt werden kann, desto besser, lautet das Motto. Luftfilter könnten auch Grippeviren unschädlich machen, so Hümmer. Damit mache sich die Investition auch langfristig bezahlt.

Bisher versucht das Landratsamt in seinen weiterführenden Schulen die Schwebeteilchen mit einem Lüftungskonzept möglichst niedrig zu halten. Fenster auf, Aerosole raus. Das ist die Quintessenz. Doch sobald die Fenster wieder geschlossen sind, steigt die Teilchen-Konzentration wieder an. Mit den Luftfiltern soll sie dauerhaft auf niedrigem Niveau gehalten werden. Lüften wird trotzdem notwendig sein, um eine hohe CO₂-Konzentration (also die verbrauchte Luft) zu verhindern. Die Filter könnten das Lüften vor allem im Winter wohl auf ein Mindestmaß reduzieren.

Schutzmaßnahmen bleiben trotz Luftfilter

Weil eine Ansteckung trotz Luftfilter nicht ausgeschlossen werden kann, bleibt es für die Schulkinder zunächst bei den gängigen Hygienevorkehrungen. "Nicht in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken, dass damit Schutzmaßnahmen wegfallen könnten", warnt die CSU. "Die Masken bleiben bestehen", sagt Fraktionsvorsitzender Edwin Dippacher.

Frühestens im September könnten die ersten Geräte im Landkreis eintreffen. Der Freistaat hatte zwar angekündigt, 50 Prozent der Anschaffungskosten zu fördern, doch der Fehler steckt hier im Detail. Die Förderung gibt es nur für ein Gerät pro Schulraum und wiederum begrenzt auf maximal 1750 Euro. Demnach erhält der Landkreis für 268 Zweitgeräte in größeren Räumen keine Förderung. Verteuern sich die einzelnen Geräte, was aufgrund steigender deutschlandweiter Nachfrage wohl der Fall sein wird, bleiben die Mehrkosten ebenfalls am Landkreis hängen. Karl Waldmann (Grüne) kritisiert die Staatsregierung und spricht davon, dass die Förderrichtlinie nicht hinnehmbar sei. Auch die bayerischen kommunalen Spitzenverbände forderten eine Nachbesserung. Dass 3,1 Millionen Euro kein Pappenstiel für den Landkreis sind, verdeutlichte Kreiskämmerin Carmen Stumpf. "Die Summe entspricht 20 Prozent dessen an Investitionen, die wir in diesem Jahr geplant haben."

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