Kreis Forchheim: Wie überstehen die Vereine die Pandemie?

22.5.2021, 06:00 Uhr
Stefan Roppelt, Vorstand der Weilersbacher Musikanten, im neuen Vereinsheim.

Stefan Roppelt, Vorstand der Weilersbacher Musikanten, im neuen Vereinsheim. © Berny Meyer

Im Stillen existieren sie freilich weiter, versuchen mit dieser Situation umzugehen, mit der niemand rechnen konnte. Wie geht es also unseren Vereinen? Wie geht es ihnen vor allem finanziell? Wir haben uns im Landkreis über die Lage erkundigt.

Der Musikverein „Weilersbacher Musikanten“ befindet sich in einer heiklen Lage. Schon lange vor der Pandemie planten die Musiker den Bau eines Vereinsheims. Überlegten, wie dieses Großprojekt zu realisieren wäre. Immerhin 350.000 Euro kostet das Gebäude – und nur aus Rücklagen lässt sich so ein Betrag nicht bezahlen. Ein Bankdarlehen musste aufgenommen werden. Der Verein bereitete alles sorgfältig vor und schließlich begann die Bauphase. Kurz darauf kam Corona. 

Die zwei Haupteinnahmequellen der Musikanten sind zum einen ihre Konzerte und Auftritte, zum anderen große Festveranstaltungen. „Dass eine Situation kommt, in der beide Hauptblöcke zu 100 Prozent wegbrechen“, erzählt Vereinsvorstand Stefan Roppelt, „hätte niemand ahnen können. Selbst wenn der eine Teil schlecht laufen sollte, dachten wir, der andere würde es ausgleichen.“ 

Es bleiben zwar Spenden und Mitgliedsbeiträge, aber das reicht nicht. Zumal Spenden, die der Verein beispielsweise für die Unterstützung der Jugendarbeit erhält, auch genau dafür eingesetzt werden – und nicht für die Darlehensraten. Roppelt betont: „Die Jugend ist unsere Zukunft. Die Bereiche Jugendarbeit und Ausbildung wollen wir dementsprechend soweit möglich ohne Einsparungen aufrechterhalten.“

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Das Hilfsprogramm für Laienmusik stellte dem Verein in den letzten zwei Jahren insgesamt 2000 Euro zur Verfügung. Unter der Voraussetzung, das Geld nur für den Vereinszweck, das Musizieren, zu nutzen. Was die Zukunft angeht, meint Roppelt: „Ich glaube nicht, dass es einfach einen Schalter ‚Jetzt ist Corona vorbei‘ geben wird. Ein Neustart wird enorm schwierig und es wird lange brauchen bis alles wieder so ist wie vorher.“

Trotz aller Probleme kämpft der Verein weiter. Mit der „Musikkerwa to go“ wollen die Musikanten dieses Jahr über das Pfingstwochenende wieder ein Lebenszeichen senden. Roppelt appelliert an alle Vereinsmitglieder: „Bleibt uns weiter treu, unterstützt uns und seid bald wieder aktiv dabei, wenn wir unserem Hobby wieder nachgehen können.“ Ein Aufruf, den sich auch Mitglieder anderer Vereine zu Herzen nehmen können.

Die Treue der Mitglieder ist auch im Jungen Theater Forchheim (JTF) ungebrochen. Ohne Gegenleistung wurden bisher alle Mitgliedsbeiträge bezahlt. Vor allem aber sei das Überleben gesichert dank der jährlichen Unterstützung der Stadt und der beiden Sponsoren, der Sparkasse und den Stadtwerken, berichtet Martin Borowski, künstlerischer Leiter des JTF. Auch hilfreich seien die staatlichen Coronahilfen für das Jahr 2020.

Aber das Theater muss genau auf die Kosten achten, denn das Problem der fehlenden Einnahmen ist auch hier präsent. Finanzielle Sicherheit gibt es ohne Veranstaltungen nicht und ohne Sicherheit ist kostendeckende Planung zukünftiger Vorhaben nicht möglich. „Deshalb sind wir auch hier auf Unterstützung von Kulturförderern angewiesen“, erklärt Borowski.

Während es auf der einen Seite keine Einnahmen mehr gibt, veränderte sich an den Ausgaben, zum Beispiel für das Personal, nichts. Ein Umstand, der nur durch Kurzarbeit der hauptamtlich Beschäftigten abgeschwächt werden konnte. Besonders gravierend ist aktuell aber, dass auch die Zukunft nicht mehr Einnahmen verspricht – weil beispielsweise wegen Hygienevorschriften ein kulturelles Erlebnis nur für weniger Zuschauer möglich ist. 

Kaum Fördermöglichkeiten: Heimatpfleger Dieter George.

Kaum Fördermöglichkeiten: Heimatpfleger Dieter George. © Berny Meyer

Borowski sagt zum derzeitigen Vorgehen des Theaters: „Wir sind momentan auf Open-Air-Veranstaltungen angewiesen und hoffen auf gutes Wetter, eine positive Entwicklung der Lage und die erforderlichen Genehmigungen der zuständigen Behörden.“ Ein Programm wird für die neue Saison im September regulär geplant.

Corona hinterließ bei allen Vereinen seine Spuren. Selbst wenn diese bei manchen schlimmer sind als bei anderen. Dieter George, Vorsitzender des Heimatvereins und Forchheims Heimatpfleger, erzählt: „Corona ist an uns plus-minus Null vorübergegangen.“ Einnahmen konnten zwar auch im Heimatverein nicht gemacht werden und vor allem der Verlust der Weihnachtsmarkt-Lotterie schmerzte, aber die Ausgaben fielen ebenfalls weg. Der Verein blieb so kostenneutral.

Ein wesentliches Problem gibt es allerdings schon. „Es fehlt die Möglichkeit, größere Zuschüsse für Denkmalprojekte zu gewähren beziehungsweise diese selbst umzusetzen“, so George. Letztlich müssen also selbst Vereine, die sich finanziell kaum sorgen müssen, Verluste hinnehmen. Es gibt keine Gewinner, nur Verlierer.

PIA HERMANN