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Lena Jakob aus Schlaifhausen verzichtete auf Plastik

"Fastenzeit" für Klimaschutzbeauftragte der Stadt Erlangen aus Schlaifhausen - 07.10.2018 11:00 Uhr

Lena Jakob in Erlangen: Ein ganzes Arsenal an Mehrweggefäßen hilft ihr tagtäglich dabei, Verpackungen aus Plastik beim Einkauf zu vermeiden. © Wolfgang Sembritzki


Es ist das den Erlangern liebste Verkehrsmittel, mit dem Lena Jakob auf dem Schlossplatz wartet, als ich sie treffe. Das markant orangene Fahrrad vor sich stehend, tankt sie einige der letzten Sonnenstrahlen dieses Rekordsommers. Komplett in Schwarz gekleidet dürfte es ihr trotz der Abkühlung der letzten Tage dennoch recht warm geworden sein. Doch der Fahrtwind macht’s, auf dem Heimweg nach Bubenreuth kühlt sie wohl wieder ab.

Nein, auf ihren Apfelsinen-Drahtesel würde sie nicht verzichten, zumindest nicht in Erlangen. Beim CO2-Fasten im vergangenen Jahr entschied sie sich auch nicht dafür, das Auto für 40 Tage stehen zu lassen: "Bei mir hätte das wenig Sinn gemacht, da ich ohnehin fast nur mit dem Fahrrad unterwegs bin." Also musste ein Vorsatz her, der mehr Anstrengung erfordert. Die Wahl hatte es in sich, ab Aschermittwoch waren sämtliche Produkte, die Plastik enthalten oder in Plastik verpackt sind, tabu.

Routinen umstellen

Ihr Ehemann zeigte sich mit der 33-Jährigen solidarisch, zog das Programm mit ihr die vollen fünf Wochen und fünf Tage durch: "Wir mussten da ein paar Routinen umstellen", gibt die gebürtige Schlaifhausenerin zu. Obst und Gemüse lässt sich schließlich noch recht einfach unverpackt besorgen. Etwa auf dem Wochenmarkt oder in größeren Supermärkten ist es möglich, die Plastiktüte auch einmal wegzulassen: "Man muss halt etwas vorplanen und immer eine Tasche dabeihaben." Doch der Mensch lebt bekanntlich nicht vom Brot allein, und so ging auch Lena Jakobs Blick über den mit Kartoffeln, Pilzen und Nüssen vom Baum aus dem Garten ihres Vaters bepackten Tellerrand hinaus. Mit dem Fazit: Bei Hygieneartikeln wird es schwierig.

An der Fleischtheke haben die meisten Verkäufer laut Jakob nach einem kurzen verwirrten Blick meist nichts mehr dagegen, wenn die Wurst nicht in die Tüte, sondern in die eigens mitgebrachte Frischhaltedose soll. Sein eigenes Shampoo im Drogeriemarkt in die Glasflasche abfüllen zu lassen, wird dabei deutlich schwieriger, um genau zu sein: unmöglich. Lena Jakob lokalisiert die größten Hindernisse bei der Vermeidung von Kunststoff im Badezimmer: "Meine Zahnbürste ist aus Kunststoff, Waschmittelverpackungen und Zahnpasta auch."

Das Waschmittel, sagt Lea Jakob, ließ sich noch leicht in Kartons finden, Zahnpasta könnte man im Zweifelsfall sogar selbst herstellen, Anleitungen dazu finden sich viele im Internet.

Toilettenpapier gibt es nur verpackt

Hat sie das gemacht? "Meine alte Tube hat gereicht", verrät sie schmunzelnd und gibt zu, dass sie die Parameter des Projekts leicht abändern musste: Zahnbürste und Toilettenpapier wusste sie trotz aller Bemühungen nirgends unverpackt zu beschaffen, daher ging es für sie darum, keinen neuen Plastikmüll zu produzieren. Mit Erfolg. Stolz konnte sie nach den 40 Tagen sagen, dass ihr gelber Sack nahezu komplett leer geblieben sei. Schummeln musste die Klimaschutzbeauftragte der Stadt Erlangen lediglich beim bereits erwähnten Toilettenpapier beziehungsweise dessen Verpackung.

Unzählige Läden hat sie abgeklappert, doch das Schicksal zeigte sich unerbittlich. Alles andere ging irgendwann jedoch recht leicht von der Hand, sobald sie wusste, welche Produkte sie wo findet, die Lauferei ein Ende nahm und sich die Einkaufsautomatismen eingerichtet hatten.

Nach Ablauf der 40 Tage ist sie zwar nicht plastik-frei geblieben, dennoch hat sie etwas mitgenommen: "Ich denke, es ist ein Unterschied, ob man bedenkenlos Plastik verbraucht oder ob man versucht, plastikarm zu leben." Mittlerweile hat sie immer mehrere Mehrweggefäße dabei, ihr Arsenal besteht aus Einweckgläsern, Tupperdosen und einer Bügel-Glasflasche, die sich etwa am Trinkwasserbrunnen in Erlangen oder an der Milchtankstelle in Schlaifhausen befüllen lässt.

Große Kontraste im Angebot zwischen Stadt und Land sieht sie bei der Vermeidung von Plastik nicht: "In der Stadt ist die Auswahl an entsprechend eingerichteten Läden größer, dafür gibt es auf dem Land halt die Milch vom Bauern." Und, was sie nicht unerwähnt lassen will: "Papas Nussbaum". 

WOLFGANG SEMBRITZKI

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