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Luca-App jetzt auch in Forchheim: Was Sie wissen müssen

Die App soll die Corona-Kontaktnachverfolgung erleichtern, es gibt aber auch Kritik - 22.04.2021 18:22 Uhr

Im Forchheimer Buchladen Osiander ist das Einchecken mit Luca bereits möglich.

22.04.2021 © Eduard Weigert, NNZ


Landrat Hermann Ulm erhofft sich davon eine "erhebliche Vereinfachung" der Corona-Kontaktnachverfolgung. "Ich denke, das ist ein schönes Zeichen", sagt er bei der Vorstellung im Forchheimer Landratsamt, das "mit gutem Beispiel voran" gehen will: Schon am Mittwoch waren dort am Eingang mehrere QR-Codes angebracht. Smartphone-Nutzer können diese nutzen, um mit der Luca-App einzuchecken. Alternativ geht es auch mit einem gewöhnlichen QR-Code-Scanner. Dann öffnet sich eine Website, auf der die persönlichen Daten eingetragen und an Luca übermittelt werden können.

Hinter Luca steht ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das die erhobenen Daten auf einem zentralen Server speichert. Auf sie soll das Gesundheitsamt nur dann Zugriff erhalten, wenn ein Mensch positiv getestet wird und der Datenübertragung zustimmt. Dann erhält die Behörde eine Kontaktdatei, die angibt, wann er wo eingecheckt war – und wer zum selben Zeitpunkt noch vor Ort war. "Das vereinfacht vieles", sagt Frithjof Dier, Jurist des Landratsamtes.

Die Kontaktnachverfolger des Gesundheitsamtes müssten dank der Luca-App nicht länger mühsam herausfinden, welche Kontakte eine infizierte Person hatte. Eine gewisse "Ermittlungsarbeit" bleibe aber, räumt Dier ein, gerade bei großen Gebäuden wie dem Landratsamt: Schließlich dürften sich längst nicht alle, die dort zur selben Zeit mit der Luca-App eingecheckt waren, auf den weitläufigen Fluren überhaupt begegnet sein. Das herauszufinden, bleibe weiterhin Aufgabe der Kontaktnachverfolger.


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Ende der Zettelwirtschaft?

In Behörden, Geschäften und der Gastronomie kann die Luca-App laut dem Landratsamt die "Zettelwirtschaft" der bisherigen händisch auszufüllenden Kontaktlisten überflüssig machen. Dazu müssen sich die jeweiligen Betreiber auf der Luca-Website registrieren. Aber auch für private Treffen lassen sich mit Hilfe von Luca QR-Codes erstellen. Die App ist kostenlos in den Stores von Apple und Google verfügbar.

Keine Kosten entstehen auch dem Landkreis Forchheim, da dieser auf die bayernweite Luca-Lizenz zurückgreift. Rund 5,5 Millionen Euro gibt der Freistaat laut Netzpolitik.org dafür aus. Im Gegenzug werde die Luca-Nutzung durch die lokalen Gesundheitsämter "wohl erwartet", wie es Dier formuliert.

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Was aber ist mit Menschen, die kein Smartphone haben? "Wir werden das Papier nicht abschaffen können", sagt die Landkreis-Pressesprecherin Kathrin Schürr. Es werde weiterhin händisch auszufüllende Listen geben – zumindest überall dort, wo der Landkreis das selbst entscheiden kann, also beispielsweise in Behörden. Ob aber Läden oder Restaurants Luca zur Pflicht machen, darauf hat der Landkreis nach Einschätzung von Dier keinen Einfluss. Sollte es dazu kommen, bleibt allen ohne Handy noch ein analoger Schlüsselanhänger, mit dem ebenfalls in Luca-Orte eingecheckt werden kann. Dieser soll ab Ende April im Luca-Webshop bestellbar sein. Ob er auch vor Ort im Landkreis Forchheim erhältlich sein wird, konnte beim Vorstellungstermin niemand sagen.

Kritik von vielen Seiten

In den vergangenen Wochen war Luca wiederholt in die Kritik geraten. So rügte der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund die App als nicht barrierefrei, bemängelt wurden auch intransparente Vergabeverfahren sowie eine unzureichende Prüfung von Alternativen durch die Bundesländer. Experten schätzen, dass es rund 50 vergleichbare Apps gibt. Zudem wäre da noch der Datenschutz. Der Chaos Computer Club forderte jüngst das sofortige Ende der Luca-App, auch weil die zentrale Datenspeicherung verschiedenste Missbrauchspotenziale mit sich bringe. Das Forchheimer Gesundheitsamt verweist hingegen darauf, dass die Datenschutzgrundverordnung eingehalten werde. "Der Datenschutz ist bei der Luca-App völlig problemlos, denn ich willige als Nutzer ja ein", erklärt Dier.


Kommentar: Zwei Apps sind eine zu viel


Seit wenigen Tagen ermöglicht auch die dezentral organisierte Corona-Warn-App das Einchecken per QR-Code. Allerdings kann sie die Papierlisten nicht ersetzen, da sie keine Namen erfasst. Und das ist aktuell vielerorts Vorschrift.

Max Söllner Volontär in der Redaktion Forchheim E-Mail

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