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Mit Corona-Symptomen in Sitzung? Gemeinderat muss in Quarantäne

Hiltpoltsteiner Gemeinderat positiv getestet - 28 Menschen mussten zuhause bleiben - 02.02.2021 12:11 Uhr

Weil ein Gemeinderat nach einer öffentlichen Sitzung in Hiltpoltstein – hier eine Ortsansicht – positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, mussten insgesamt 28 Menschen bis einschließlich gestern Abend zu Hause bleiben.

01.02.2021 © Foto: Rolf Riedel


Auslöser der Aktion war die öffentliche Gemeinderatssitzung am 18. Januar in der Turnhalle der Grundschule. Weil dort jener Gemeinderat höchstwahrscheinlich schon an Covid-19 erkrankt war, musste nicht nur der gesamte Gemeinderat, sondern auch noch ein Landschaftsplaner aus Nürnberg, zwei Verwaltungsmitarbeiter sowie insgesamt zwölf Bürgerinnen und Bürger, die als Zuhörer in der Sitzung waren, sich in Quarantäne begeben.


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Bürgermeisterin Schulze-Bauer bestätigt auf Anfrage der Nordbayerischen Nachrichten, den Vorfall. Sie sei am vergangenen Freitag, 29. Januar, darüber informiert worden, dass ein Gemeinderat positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Daraufhin seien alle Personen, die in jener Sitzung waren, ebenfalls kontaktiert worden. Für alle ordnete das Gesundheitsamt Quarantäne bis einschließlich gestern an. Weil der Kontakt bereits am 18. Januar war, waren dann die üblichen 14 Tage Quarantäne um.

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Schulze-Bauer hat sich gleich noch am Freitag auf Corona testen lassen, "weil ich natürlich wissen wollte, was los ist", sagt sie. Schließlich sei sie viel unterwegs und wolle niemand anstecken. Aber sowohl Schnell- wie auch der folgende PCR-Test seien negativ gewesen. Sie wisse auch von keinem, der in Folge der Gemeinderatssitzung krank geworden sei. Dort hätten alle Teilnehmer nahezu immer eine FFP 2-Maske getragen. Nur sie selbst habe sie einmal kurz gelüftet – zum Sprechen.

"Geht niemanden was an"

Jener Gemeinderat, der die Quarantäne offenkundig ausgelöst hat, will auf NN-Anfrage sich nicht weiter äußern. Er sei nach jener Gemeinderatssitzung positiv getestet worden und habe die Gemeinde Ende letzter Woche darüber informiert, sagt er nur. Dass er der Auslöser der Quarantäne-Anordnung für insgesamt 28 Menschen sei, will er so nicht bestätigen. Das gehe niemanden etwas an und die Zeitung müsse darüber nichts schreiben, findet er.

Das sieht eine junge Frau aus Hiltpoltstein ein bisschen anders. Sie war als Zuhörerin in jener Sitzung und musste nun, ebenso wie ihre Mutter, in Quarantäne. Um überhaupt an der Sitzung teilnehmen zu dürfen, musste die Frau ein Formular ausfüllen, in dem sie bestätigen musste, dass sie keine Erkältungssymptome hat und auch keinen Kontakt zu einem Corona-Erkrankten hatte. "Warum gilt das eigentlich nicht für Gemeinderäte?", fragt sie sich.

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Jener Gemeinderat nämlich, der später positiv getestet worden ist, hatte offenkundig bereits in der Sitzung Erkältungssymptome gehabt. Dass er dennoch in die Turnhalle kam, lag vermutlich daran, dass ein Thema diskutiert wurde, bei dem er persönlich betroffen war.

"Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen"

Die Besucherin findet: "In der jetzigen Situation, wo es gilt, Rücksicht auf seine Mitmenschen zu nehmen und besondere Umsicht walten zu lassen, um die Gefahr nicht noch zu vergrößern, erscheint es einigermaßen befremdlich, wenn ausgerechnet ein gewählter Mandatsträger seiner Vorbildfunktion nicht gerecht wird und grob fahrlässig die Gesundheit seiner Mitbürger aufs Spiel setzt."

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Bürgermeisterin Schulze Bauer erläutert dazu, dass die Gemeinderäte nicht jedes Mal bestätigen müssen, dass sie gesund sind. Vielmehr seien alle Gemeinderäte darüber informiert worden, dass sie bei Erkältungssymptomen nicht zu einer Sitzung erscheinen sollen. "Da sollte jeder genug Verantwortung haben und entsprechend handeln."


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MARIA DÄUMLER

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