Dienstag, 22.10.2019

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Motorradunfälle in der Fränkischen Schweiz: Initiative fordert Fahrverbote

Lärm und Raser stören Einwohner und Touristen - 20.09.2019 05:57 Uhr

Sie machen einigen Anwohnern in einigen Orten der Fränkischen Schweiz Ärger: zu schnelle Motorradfahrer. © Archivfoto: Udo Bartsch


Sie ist verführerisch und in den schlimmsten Fällen auch tödlich: die Fränkische Schweiz. Sie ist bei den Motorradfahrern beliebt. Erst im Juli hatte ein 21-Jähriger sein junges Leben verloren, als er in der Abenddämmerung zwischen Burg Feuerstein und Ebermannstadt die Kontrolle über seine Maschine auf der kurvigen Strecke verlor und in die Außenschutzplanke krachte. Die erlittenen Verletzungen waren so schwer, dass sämtliche Bemühungen des Notarztes vergebens waren (wir berichteten).

Es sind solche tragischen Momente, die sich bei schönem Wetter in der warmen Jahreszeit beinahe täglich mit teils Schwerverletzten in den Polizeiberichten niederschlagen und den Aktiven der "Initiative gegen Lärmbelästigung durch lebensgefährliche Motorrad- und Autoraserei" Sorgen und schlaflose Nächte bereiten. Auch deshalb, weil das Geheul der Motoren sich seinen Weg durch die Täler sucht und in die Häuser dringt.

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Vor bereits einem Jahr hat die Initiative deshalb Forderungen erhoben, Lärm und Raserei einzudämmen. "Seitdem hat sich die Situation insgesamt weiter verschärft", teilte die Initiative Landrat Hermann Ulm (CSU) zuletzt in einem Schreiben Ende Juli mit. Klaus-Dieter Preis aus Gößweinstein ist einer der Aktivisten.

"Auch wenn es bei uns nicht ganz so dramatisch wie in den Tälern der Fränkischen Schweiz ist." Das Dröhnen der Motoren erreiche den Wallfahrtsort dank seiner Lage auf einem Plateau weniger stark und im Ort selbst könne niemand durchrasen, dort sind 30 Stundenkilometer vorgeschrieben. Aber in den Tälern rund um Kleingesee und der Sachsenmühle verteilen sich die knatternden Geräusche der Maschinen.

Vermieste Sonntage

Auch Egloffstein sei davon betroffen und damit Bürger wie Touristen, die in der Gegend Erholung suchen. "Menschen, die an den Rennstrecken wohnen, erzählen uns, dass sie am Sonntag nicht mehr auf dem Balkon in Ruhe sitzen und ihren Kaffee trinken können", sagt Preis. Naturnahe Idylle und Erholung schauen anders aus. "Von unseren Mitgliedern aus der Fränkischen Schweiz und Ebermannstadt wird uns berichtet, dass Anwohner Schwierigkeiten haben, ihrer Arbeit nachzugehen oder an den Wochenende die notwendige Erholung zu finden", schreibt die Initiative an Landrat Ulm. Und schließt mit dem Fazit: "Ein Weiter so ist einfach nicht mehr hinzunehmen!!!"

Viel Hoffnung auf eine grundlegende Verbesserung der Lage kann das Landratsamt den Betroffen jedoch nicht machen. Das ist das Ergebnis eines Treffens zwischen Behörde und Initiative, das Anfang August stattgefunden hat. Selbst das in dem Fall eingeschaltete bayerische Innenministerium habe bereits eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Strecke zwischen dem Stadtbereich Ebermannstadt und der Burg Feuerstein abgelehnt, teilt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamtes mit. "Geschwindigkeitsbegrenzungen werden in Bayern sehr zögerlich eingesetzt", sagt Strehl. Das Ministerium sei der Meinung, dass sich eine Begrenzung im Bereich Feuerstein nicht lohne, weil es sich nicht um einen Verkehrsunfallschwerpunkt handele.

"Lebensgefährliche Situationen"

Die Polizei Ebermannstadt - für diesen Bereich zuständig - bestätigt das. Seit fast drei Jahre haben die Beamten die Strecke im Visier. "Bislang ist keine Häufung zu erkennen", die auf einen Unfallschwerpunkt hinweise, sagt Johannes Götz, Polizist und Mitarbeiter für die Abteilung Verkehr. Was jedoch zugenommen habe, seien die Beschwerden zu Lärm und Rasern, als die Strecke vor wenigen Jahren ausgebaut wurde. "Wir überprüfen regelmäßig die Geschwindigkeit. Gefühlsmäßig sind die Überschreitungen rückläufig", so Götz.

Die Initiative sieht das anders, spricht von "regelmäßig lebensgefährlichen Situationen durch Motorradfahrer" auf der Wegstrecke vom Bahnhof Ebermannstadt zur Burg. Ein Weg, den sich auch Radfahrer fürs Training oder Fußgänger teilen. Alleine 40.000 Übernachtungen zähle die Burg Feuerstein jährlich. Viele seien in diesem Bereich auch in der Dunkelheit unterwegs, sagt Götz. Das erhöht die Gefahr.

"Mit der Situation überfordert"

Mit der Arbeit der Polizei ist die Initiative nicht zufrieden. "Sie ist mit der Situation völlig überfordert", sagen sie und verweisen auf regelmäßige Rennen auf Strecken in der Fränkischen Schweiz, für die Motorradfahrer aus dem ganzen Bundesgebiet anreisten. Fahrverbote am Wochenende, Strecken sperren, permanent blitzen, Rüttelstreifen, Fahrbahnmarkierungen für Fußgänger und Radfahrer anbringen, regelmäßige Kontrolle und Plakate, die zum rücksichtsvollen Fahren aufrufen, fordert die Initiative. 1000 Bürger haben dafür unterschrieben.

"Das sind alles gute Vorschläge, aber schlecht durchzuführen", sagt Holger Strehl. Zum einen aus rechtlichen Vorschriften (Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrverbote), zum anderen aus Platzgründen - so sei die Straße für einen markierten Fußweg zu eng. Vom Landratsamt gibt es nach dem Gespräch zumindest die Zusage, ein Piktogramm auf die Straße auf Höhe der Burg Feuerstein aufzutragen. Es soll auf die dort gültige Begrenzung auf 50 Stundenkilometer deutlicher aufmerksam machen.

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Die Polizei setzt derweil auf die Einsicht der Verkehrssünder. "Die Masse zeigt sich im persönlichen Gespräch einsichtig", sagt Götz über seine Erfahrungen bei der Kontrolle von Verkehrsteilnehmern. Ein Allheilmittel in täglichen Kontrollen sieht er dennoch nicht. "Das führt zu einen reinem Verdrängungswettbewerb." Wird nicht am Feuerstein (zu) schnell gefahren, dann anderswo.

Regelmäßige Überwachung

Die Stadt ist nach eigener Aussage bereits tätig geworden und hat im Bereich der Burg eine neue Messstelle einrichten lassen. "Um Geschwindigkeitsübertretungen wirksam zu reduzieren, ist eine regelmäßige Überwachung und Ahndung nun möglich und aus Sicht des Ordnungsamtes sinnvoll", teilt Ebermannstadts Pressesprecher Andreas Kirchner auf Nachfrage mit. "Weitere Maßnahmen sind aktuell nicht geplant."

Der Polizei wird die Arbeit wohl nicht ausgehen. Schon alleine deshalb, weil nicht nur der Bereich der Burg eine beliebte Strecke ist. Immer mehr Beschwerden aus der Bevölkerung erreichen die Polizei aus unterschiedlichen Orten. So seien die Strecke von Gasseldorf in Richtung Unterleinleiter und Heiligenstadt sowie die Täler in Gößweinstein in Richtung Unterailsfeld beliebt.

Gern genutzt werde von Motorrädern die frisch ausgebaute Straße zwischen Hammerbühl und Geschwand. Auch hier hat neuer Asphalt neue Probleme gesät.

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