Querfeldein durch den Wald

Neunkirchner Landwirt klagt: "Natur kommt nicht mehr zur Ruhe"

11.10.2021, 09:00 Uhr
Martin Wieseckel   zeigt auf die tiefen spuren, die Mountainbiker im Wald hinterlassen.

Martin Wieseckel zeigt auf die tiefen spuren, die Mountainbiker im Wald hinterlassen. © Pauline Lindner, NN

Die Bauernfamilie Wieseckel sieht es durchaus positiv, dass Leute in die Natur rausgehen. "Ich kann den Wunsch nachvollziehen, wenn jemand im Langen Johann wohnt", spielt Martin Wieseckel auf Erlanger Wohnsituationen an. Aber: "Die Natur kommt nicht zur Ruhe", weiß er als Folgen von Auswüchsen wie nächtliches Joggen mit Stirnlampe oder wildes Querfeldeinlaufen, -reiten oder radeln.

Kein Verständnis

Vor etwa drei Wochen, so berichtete er von einem Vorfall, war er in seinem Wald zwischen Ebersbach und Langensendelbach wegen des Borkenkäferbefalls unterwegs. Ihm kam eine Frau mit einem freilaufenden Schäferhund auf einem gesperrten Waldweg entgegen. "Aus einer Richtung, in der es keine Wege gibt, einfach mitten durch den Wald." Er sprach sie an, fand aber bei ihr kein Bewusstsein, dass ihr Verhalten falsch sein könnte, und die Tiere, die im Wald Schutz suchen, aufstört.

Eine Ursache, warum so viele Menschen die öffentlichen Wege verlassen, sieht Wieseckel auch in digitalen Karten, wie sie beispielsweise von Google Maps angeboten werden. Dort sind vielfach private Waldwege als Fahrwege ausgewiesen.

Fasane und Rebhühner

Im Ebersbacher Jagdbogen bemühen sich die Beteiligten, Fasane und Rebhühner wieder anzusiedeln. Auch hier bringt Laufen besonders mit Hunden oder Picknicken mitten auf der Wiese außerhalb der breiten Wege Unruhe. "Viele sehen, wie schön es vor der Haustüre ist", sagte er mit einer Geste in die wellige und abwechslungsreiche Landschaft. Das Problem sei das Überhandnehmen, das Zuviel und über die sinnvollen Grenzen Hinausgehen.

Solche Beunruhigungen haben seit der Pandemie zugenommen. Seither sind deutlich mehr Menschen in den Wäldern unterwegs, auch abseits der Wege, bestätigt Isabel Koch vom Bayerischen Jagdverband. Auch Neunkirchens Bürgermeister Martin Walz (CSU) sieht diese Problematik, wenn gedankenlos die Natur benutzt wird.

Viele Reifenspuren

Erst macht es einer, dann immer mehr. Das hat er besonders am alten Steinbruch zwischen den Dörfern beobachtet. Vermutlich ist der erste Mountainbiker dort einer Schlepperspur vom Holzrücken nachgefahren. Heute ist der steile Abhang mit magerem Föhrenbestand in Meterabständen von Reifenspuren durchzogen. "Und das mitten im privaten Wald", kommentiert Wieseckel das traurige Erscheinungsbild.

Ein unbekannter Mountainbiker mitten im Wald.

Ein unbekannter Mountainbiker mitten im Wald. © Pauline Lindner, NN

Der weiße Sand schimmert an vielen Stellen durch die dünne Krume; Wurzeln sind bloßgelegt und von der Bodenvegetation sind nur minimale Reste erhalten. Die Streu ist weggefegt und dabei ist sie so wichtig für den Wald bei nährstoffarmen Böden. Die Erosion der Humusschicht hat bleibende Folgen für den Bestand und für die Fähigkeit, Wasser zu speichern und zurückzuhalten. Der ehemalige Steinbruch gehört zu den Arealen, in denen die Wassermassen bei den Hochwasserereignissen 2007 entstanden.

Schanzen und Aufbauten

Doch es war für manche Mountainbiker noch nicht genug Fahrspaß, über die holprige Piste hinunterzurasen. Sie haben Sprungschanzen aus Sand und Stein aufgeschüttet und an etliche Stellen Holzaufbauten errichtet. "Muss man denn die Natur konsumieren statt sie zu genießen?", fragt Martin Wieseckel sich.

Sein Nachbar im Wald versuchte sich zu wehren. Er hat die Zufahrt von der Straße aus mit mehreren Stangen abgeriegelt. Es hat wenig gefruchtet, sieht man sofort. Statt geradeaus Runterzuschießen machen die Mountainbiker einen scharfen Bogen und drehen nach links oder rechts weg. Noch mehr Boden leidet unter ihren Manövern. Den Hufabdrücken nach haben inzwischen auch die Reiter den Steinbruchhang für sich entdeckt.

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