Nikolaus klingelte bei 120 Heroldsbacher Familien

6.12.2020, 20:27 Uhr
Bei Familie Schröter in Oesdorf hat Nikolaus Klaus seinen ersten Auftritt: die Töchter Lina, Jasmin, Luisa und die kleine Mariella sind überrascht – und auch ein bisschen ängstlich, als der Nikolaus vor der Tür steht und zu ihnen spricht.

Bei Familie Schröter in Oesdorf hat Nikolaus Klaus seinen ersten Auftritt: die Töchter Lina, Jasmin, Luisa und die kleine Mariella sind überrascht – und auch ein bisschen ängstlich, als der Nikolaus vor der Tür steht und zu ihnen spricht. © Foto: Alexander Hitschfel

Es ist Samstagnachmittag um kurz vor 16 Uhr, es dämmert bereits langsam in der Großgemeinde Heroldsbach. Im Rathaus herrscht geschäftiges Treiben. Klaus Zametzer erhält letzte Instruktionen von Rathaus-Chef Benedikt von Bentzel, während er sich in Schale schmeißt. Genauer gesagt, hat er seine Nikolausverkleidung aus dem Schrank geholt und verkleidet sich.

"Angefangen hat alles vor vier Jahren mit den Kindern meiner Schwägerin", erzählt der 45-jährige Kersbacher. Damals durfte er zum ersten Mal "Nikolaus spielen". Über die letzten Jahre hinweg ist die Nachfrage nach Nikolaus Klaus kräftig angestiegen erzählt er. Am Wochenende wurde er von der Gemeinde Heroldsbach "gebucht".

"Wir wollten unbedingt den Kindern eine Freude bereiten und haben den Nikolaus-Service kurzfristig über das Amtsblatt beworben", erzählt von Bentzel. Die Resonanz war überwältigend: 120 Kinder wurden von ihren Eltern für einen Nikolausbesuch angemeldet. "Mit einem Nikolaus war das nicht zu schaffen, deswegen mussten insgesamt drei Nikoläuse ran", so der Bürgermeister.

Nikolaus Klaus bekommt vom Gemeindeoberhaupt die letzten Instruktionen. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen: Im "Goldenen Buch" des Nikolauses wurde ein Routenplan mit einer Straßenkarte des Gemeindegebietes hinterlegt. Außerdem hat man von der Gemeindeverwaltung einen Tourenplan erarbeitet, damit es für den Nikolaus nicht zu "unnötigen Wegezeiten" kommt.

Gerade einmal 20 Minuten darf ein Besuch pro Haushalt dauern. Die Eltern hatten mit der Einladung auch im Vorfeld ein paar persönliche Sätze über ihre Sprösslinge per E-Mail in der Gemeindeverwaltung einreichen können. Die wurden ausgedruckt und dem Nikolaus ebenfalls in Goldene Buch gepackt.

Dann geht es los: Nikolaus Klaus setzt sich in sein Auto und fährt seine ersten "Kunden". Es ist die Familie Schröter in Oesdorf im Förstergarten. Hier warten Lina (5), Jasmin (4), Luisa (5) und Mariella (1,5) auf eine "besondere Überraschung", wie sie von Papa Andreas Schröter angekündigt wurde.

Als Nikolaus Klaus klingelt, hört man von drinnen Kinderlachen. Doch als Papa Andreas die Tür öffnet, tritt gleich Ruhe ein. Vor dem Haus steht der Nikolaus und vor dem haben die Mädchen Respekt. Der Sicherheitsabstand in Corona-Zeiten wird leicht und locker eingehalten und ist sogar noch größer, als vorgeschrieben. Mehr als drei Meter trauen sie sich nicht an ihn heran.

Klaus Zametzer trägt seinen Monolog vor, spricht die Kinder mit Namen an und plaudert ein bisschen mit ihnen. Er macht seine Sache gut. Am Ende hat er sogar ein Nikolaussäckchen mit Süßigkeiten für jedes Kind und die Eltern parat. Nach rund zehn Minuten ist der Auftritt vorbei. Er will weiter.

Als ihn Nachbarskinder sehen, die den gemeindlichen Nikolaus-Service nicht "gebucht" haben, während er in sein Auto steigt, halten sie kurz inne und sind irritiert. "Der Nikolaus hat ein schwarzes Auto?", fragt ein kleines Mädchen seine Freunde. "Wo sind die Rentiere und der Schlitten?" Ihr Freund hat gleich die passende Antwort parat: "Wie soll der Nikolaus mit einem Schlitten kommen, wenn kein Schnee liegt?"

Da ist der Nikolaus schon eingestiegen und verschwindet in die Dunkelheit. Am Nikolaustag selbst sind drei Nikoläuse im Gemeindegebiet im Einsatz, um die Vielzahl an Kindern abdecken zu können. Die gemeindliche "Rent-a-Nikolaus-Aktion" ist nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Eltern gut angekommen, auch wenn so manches Kind beim Anblick der Männer in Rot dann doch unfreiwillig einen gehörigen Respekt zollen mussten.

Keine Kommentare