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Montag, 14.10.2019

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Orchester schaffen unmöglichen Spagat in Neunkirchen

Musikprogramm bei Kulturtagen bekam unbändigen Beifall von 400 Zuschauern - 08.05.2019 11:04 Uhr

Nicht weniger als drei Dirigenten domptierten die Orchestermusiker, deren Klänge mal an Strauss und dann wieder an Dvoràk erinnerten und die immer den richtigen Ton trafen, mit dem sie dann mitten in den Herzen ihres Publikums landeten. © Foto: Udo Güldner


Es ist ein Paradestück britischer Light-Music, leichter Unterhaltungsmusik, die besonders zwischen den beiden Weltkriegen zwischen Dover und Dublin populär war. Das weltumspannende Empire gab es noch, doch es schwächelte bereits. So träumte man sich Dank der enorm erfolgreichen Kompositionen Albert Ketelbeys an ferne, exotische Orte. Nach Ägypten und China, aber auch nach Persien.

Wie das rund vierzigköpfige Jugendorchester ein Markttreiben irgendwo in Isfahan musikalisch nachvollziehbar zu machen versucht, wie es die Genre-Szenen ausschmückt, das bezaubert auch hundert Jahre nach der Uraufführung noch. Die jungen und junggebliebenen Musiker beleben mit ihren Instrumenten Kamele, Gaukler und Schlangenbeschwörer, die ihre Reptilien mit Hilfe der Fagotte im Korb halten.

Prinzessin singt wie Meat Loaf

Singt im Angesicht einer orientalischen Prinzessin noch das ganze Jugendorchester, so wird es später Luisa Zametzer allein sein. Die 16-jährige Schülerin hat ihr Saxofon vom Spielmannszug Jahn Forchheim mit dem Mikrofon vertauscht und wird dadurch zum "Modern Girl". Zumindest in den Augen von "Meat Loaf", der natürlich nichts mit der märchenhaften Atmosphäre aus Tausendundeiner Nacht gemein hat. Zauberhaft ist der Gesang aber dennoch.

Erstmals haben das Junior- und das Schülerorchester einen gemeinsamen, aus mehr als sechzig Mitgliedern bestehenden Klangkörper gebildet. Die Folge einer intensiven Förderung schon der Kleinsten. Zusammen machen sie sich auf den Weg, um durch Südafrika zu reisen. Ganz hinten am Schlagwerk, das unter anderem aus Pauken, Kongas und Röhrenglocken besteht, haben zwei aufstrebende Nachwuchs-Percussionisten den Rhythmus im Blut. Der neunjährige Julius Penzel und der elfjährige Benjamin Heermann geben bei "Siyahamba" den Takt vor. Womit sie auch schon beim Landesentscheid des Bayerischen Blasmusikverbandes in Marktoberdorf überzeugten.

Der Spaziergang durch die Musikgeschichte führt in wenigen Minuten aus dem tiefen Süden in den hohen Norden. In ein Wikingernest namens Berk, das es im 3D-Animationsfilm "Drachen zähmen leicht gemacht" mit den schuppigen Feuerspeiern zu tun bekommt. Den jungen Musikern gelingt es, wie ihrem filmischen Vorbild Hicks, die Kreatur mit all ihren ungeheuerlichen Vorzeichen zu bändigen. Die älteren Kollegen des Orchesters werden es später mit Bonnie Tylers zwielichtigen Vampiren und John Williams´ herumtrampelnden Dinosauriern zu tun bekommen. Eine Herausforderung für jeden Lungenflügel.

Indianer sind es !

Aus den Tiefen des Trichters dringen Klänge ans Ohr, die von Richard Strauss stammen könnten. Doch es ist hier keinesfalls die Prinzessin Salome, die im Schleiertanz um den von ihr gemeuchelten Täufer Johannes herumtanzt. Es sind Indianer, die Stephen Bulla eine mystische Beschwörung, einen fulminanten Ahnengesang, eine melancholische Klage und einen ungestümen Kriegstanz vollführen lässt.

Dass das Symphonische Blasorchester auf das Deutsche Musikfest in Osnabrück gut vorbereitet ist, zeigen die "Ancient Dances", die mitunter auch Dvoraks Neue Welt besuchen. Jedenfalls folgt das Orchester in seinen roten Wämsen auf der Bühne seinem Dirigenten Rolle durch die mitunter tückische Prärie. Dann hat Josef Maderer genug davon, mit seiner Tuba immer nur hinten zu sitzen. Mit dem Bravourstück "Farmer´s Tuba" geht er nach vorn und an die Grenzen des technisch Möglichen. Woher der Blechbläser die Luft nimmt, bleibt den Zuhörern ein Rätsel.

Mit ihrer Mischung aus traditioneller Blasmusik, operettenhaften Märschen und Polkas für Nicht-Fußlahme, mit sinfonischen Interpretationen mitreißender Filmmusiken haben die drei Orchester den eigentlich unmöglichen Spagat geschafft, für jeden im Publikum etwas zu bieten. Der unbändige Beifall, der immer wieder auch während des Konzertes aufbrandete, zeigt, dass man bei der Jugend- und Trachtenkapelle Neunkirchen mit dem bunten Programm alles richtig gemacht hat und jeden zu begeistern verstand.

VON UDO GÜLDNER

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