Mittwoch, 19.05.2021

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Pferdebesitzer sind beunruhigt

Wenn ein Wolf herumstreift: Herdenschutzexperte gibt Tipps für sichere Zäune um die Koppel - 19.04.2021 10:00 Uhr

René Gomringer gab Pferdebesitzern Tipps für einen wolfssicheren Zaun. Sabrina Ostfalk von der „Easthawk Ranch“ in Betzenstein hatte den Workshop initiiert.

18.04.2021 © Foto: Annika Falk-Claußen


Der Herdenschutzexperte hat am Wochenende einen Workshop für Pferdebesitzer gehalten, um Tipps für wolfssichere Zäune zu geben. Die Wölfe im Veldensteiner Forst, die auch den Rothirsch kennen, seien durchaus im Stande, ein Fohlen oder Pony anzugreifen, sagt Gomringer. Unter den Teilnehmenden waren Besitzer von Pferden, aber auch Kälbern, Lamas oder Minischweinen.

Normalerweise begegne der Wolf in seiner natürlichen Umgebung keinem Lama, durch längeres Beobachten können solche Exoten aber auch zu seinem Beuteschema werden, erklärte der ehemalige Geschäftsführer der Bayerischen Schafhalter, der den Pferdebesitzern das Verhalten des Wolfes schilderte. Im Veldensteiner Forst seien beispielsweise unerfahrene Jungtiere unterwegs. Die seien gefährlicher, da sie noch nicht so strukturiert vorgehen würden wie ein Rudel, das sich aus einer Herde ein einzelnes Schaf aussuchen würde.

Bei dem Workshop, der vom bayerischen Landesverband der Vereinigung der Freizeitreiter und Fahrer Deutschland (VFD) organisiert worden ist, schilderten die Pferdebesitzer ihre Erfahrungen, zum Beispiel dass die Tiere teilweise nicht mehr schlafen würden, weil der Wolf regelmäßig um die Koppel schleicht. Sie berichteten auch von eigenen Ideen, etwa das Radio im Stall laufen lassen, Traktorgeräusche einspielen oder Lichtstrahler aufstellen.

Kostenlose Lehrgänge

"Manches muss ich einfach nur bestätigen, weil die Leute selbst drauf kommen", weiß Gomringer aus seiner Erfahrung als langjähriger Berater im Bereich Schaf- und Weidetierhaltung. Der Diplom-Agraringenieur ist Teil des neuen EU-weiten "LifeStockProjects", das ab Herbst kostenlose Lehrgänge anbieten wird, um Weidetierhalter zu unterstützen. In Deutschland, Österreich und Südtirol sind durch EU-Förderungen Workshops geplant, um mehr Regionen zu schaffen, in denen Herdenschutz effektiv umgesetzt wird.

Der Herdenschutzexperte hatte übrigens auf der Anfahrt zu dem Workshop aus seiner Heimat im Altmühltal einen Kilometer vor dem Betzensteiner Ortsteil Hetzendorf seine erste Wolfssichtung in freier Wildbahn. Die Stadt kennt er mittlerweile, denn er hat vor wenigen Wochen bei der Sicherung des Wildgeheges des zweiten betroffenen Betriebs unterstützt.

Elektrifizierte Zäune seien das Wichtigste, außerdem müssten diese regelmäßig überprüft werden. Denn an viele andere Maßnahmen gewöhne der Wolf sich innerhalb weniger Wochen. "Der Wolf muss lernen, dass der Zaun, egal ob gerade Tiere auf der Weide sind oder nicht, weh tut", betont Gomringer, der deshalb dafür plädiert, den Elektrozaun immer unter Strom zu stellen.

Nur wenn alle Zäune, auf die der Wolf trifft, elektrifiziert seien, lerne der Wolf daraus. So seien alle Tierhalter gefragt. Die unterste Litze des Zaunes müsse 20 Zentimeter über dem Boden beginnen, da der Wolf in den meisten Fällen versuche, unten durchzukommen. Auch Unebenheiten oder kleinere Wassergräben müssten extra gesichert werden.

Jedes Gelände sei anders, man müsse immer individuell beraten. "Tipps, wie ich auf einer topfebenen Wiese einen perfekten Zaun baue, helfen mir nicht weiter", sagte Gastgeberin Sabrina Ostfalk, Betreiberin der "Easthawk Ranch", deren Weiden an Hängen oder am Waldrand liegen. Sie werde jetzt schnellstmöglich Zusatzausstattung für ihre Zäune beantragen, denn das Landwirtschaftsamt unterstütze die Tierhalter finanziell. Die Informationen zu diesen Anträgen müssten sich die Weidetierhalter aber selbst besorgen, sie hätte sich da eine bessere Informationspolitik gewünscht.

Erst wenn die 14 Kilometer Zaun um ihre Pferdekoppeln zusätzlich gesichert sind, kann die Pferdehofbesitzerin wieder ruhiger schlafen.

INFOMehr Infos zum EU-Projekt: https://lifestockprotect.info/

ANNIKA FALK-CLAUßEN

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