Zwischenbilanz zur Kirsche

Schuld ist der Regen: In der Fränkischen Schweiz platzen die Kirschen

10.7.2021, 12:04 Uhr
Doris Bachmeier präsentiert einen Teil der diesjährigen Kirschenernte ihres Betriebs aus Igensdorf.

Doris Bachmeier präsentiert einen Teil der diesjährigen Kirschenernte ihres Betriebs aus Igensdorf. © Annika Falk-Glaußen

Die Zwischenbilanz des Kreisfachberaters für Obstbau ist gut: „Nur die letzten Tage mit dem vielen Regen sorgen für zunehmend geplatzte Kirschen“, bedauert Schilling. Durch die hohen Niederschläge reißt die Fruchthaut auf und die Kirschen können nicht mehr als Früchte vermarktet werden. Brennereien hingegen könnten solche Kirschen noch verarbeiten, nur würden sie schnell das Faulen anfangen. „Dann ist es besser, sie hängen zu lassen und die Vögel holen sich die Kirschen, wenn sie vom Baum fallen“, meint Schilling. Der in rund 14 Tagen die Ernte der Süßkirschen-Spätsorte „Regina“ erwartet, die typisch für die Fränkische Schweiz ist.

Der Regen macht viele Kirschen kaputt

Schilling hofft auf ein paar sonnige, regenarme Tage, damit die Obstbauern eine gute Ernte einfahren können. Viele Kirschenbauern rund um Egloffstein, Thuisbrunn und Walkersbrunn wurden Ende Juni von Unwetter und Hagelschauern erwischt. Davon blieb der Obstbau Fahner in Igensdorf verschont. Auch der lange Frost im Frühjahr – wie im Vorjahr – blieb diesmal aus. Dafür macht der lang anhaltende Regen jetzt viel kaputt, sagt Doris Bachmeier, die den Obstbaubetrieb zusammen mit ihrem Bruder Thomas Fahner bewirtschaftet.

„Viel Regen ist an sich nicht schlecht, wenn die Kirschen zwischendurch immer wieder trocknen können“, sagt die Gärtnermeisterin der Fachrichtung Obstbau. Nur der lang anhaltende Regen würde den Früchten schaden, mache sie wässrig und lasse die Haut platzen. „Dann fehlt der Fruchtzucker und die Kirschen faulen schnell“, so Bachmeier weiter, deren Familienbetrieb im eigenen Hofladen sowie auf dem Bauernmarkt in Feucht unter anderem Frischobst, Säfte, Sirups, Liköre und Fruchtaufstriche verkauft.

Eine Anbauanlage sei überdacht, da habe der Betrieb keine Ausfälle zu beklagen. Bei den Früchten, die jetzt noch geerntet werden, müsse man sehen, was noch zu retten ist. Schnaps, Marmelade und Apfel-Kirsch-Saft wird aus den Kirschen gemacht. Für den Saft braucht es Sauerkirschen, die später geerntet werden. Die extra angebauten Brennkirschen, die eher klein und schwarz sind, werden ebenfalls später geerntet.

Der besondere Geschmack aus den Kirschkernen

Durch die niedrigen Temperaturen im April und Mai hat sich die Kirschblüte in der Saison 2021 um zwei Wochen verzögert. Doch eigentlich sei das bis vor fünf Jahren die normale Erntezeit gewesen, sagt Bachmeier, die insgesamt 13 Hektar bewirtschaftet. Nur die trockenen, warmen Frühsommer der vergangenen Jahre haben die Saison in den letzten Jahren nach vorne verschoben: „Wir haben früher eigentlich immer rund um Johanni mit den Kirschen angefangen.“

Zufrieden mit den Anlieferungen ist bislang auch Angelika Dippacher von der Mosterei Kupfer in Heroldsbach. Vom 1. bis 24. Juli bringen die Kunden ihre Sauerkirschen und Johannisbeeren, aus denen dann Nektar gemacht wird. Bislang sei es weniger als im Vorjahr, aber sie schätzt, dass es am Ende eine mittlere Saison geben wird. „Die Natur braucht den Regen“, sagt Dippacher, die mehr als 30 Jahre Erfahrung hat und sich freut, dass heute wieder viele jungen Familien den privaten Obstbau für sich entdeckt haben.

„Familien mit Kindern bringen ganz stolz ihre Beeren, Kirschen und Äpfel“, sagt Dippacher, die Früchte aus einem Umkreis von rund 45 Kilometern verarbeitet: „Das Bewusstsein für den Obstbau ist in den vergangenen Jahren gestiegen.“ Sauerkirschen müssen in der Saftherstellung verdünnt werden, weil der reine Fruchtsaft zu viel Säure enthalte. „Den Geschmack empfindet der Mensch nicht als angenehm“, erklärt Dippacher, deren Betrieb in einem besonderen Verfahren die Kerne spaltet, wodurch Bittermandel freigesetzt wird, der dem Sauerkirschnektar den besonderen Geschmack verleiht.

Nach der Kirschen- und Johannisbeerernte wird bei „Kupfers Natursäfte“ eine Woche umgebaut, dann geht es mit Äpfeln und Birnen los. Da könnte die Ernte dieses Jahr gut werden, wie Doris Bachmeier hofft: Der viele Regen werde sich immerhin positiv auf die Apfel- und Zwetschgenernte auswirken, denn die mögen es gerne feucht.

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