Ebermannstädter präsentiert Werke in Nordheim

Sich aus der Depression gemalt: Herbert Herlitz stellt seine Vögel aus

Patrick Schroll
Patrick Schroll

stv. Redaktionsleiter Nordbayerische Nachrichten Forchheim

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Herbert Herlitz aus Ebermannstadt zaubert mit vielen Farben und eleganten Pinselstrichen lebendige Vögel auf die Leinwand. 

Herbert Herlitz aus Ebermannstadt zaubert mit vielen Farben und eleganten Pinselstrichen lebendige Vögel auf die Leinwand.  © Herbert Herlitz

Warum sind es keine Eichhörnchen geworden? "Weil mir Vögel und das Malen von ihnen liegen", sagt Herbert Herlitz. Sie begegnen ihm nahezu täglich auf seinen Wanderwegen durch die Fränkische Schweiz. Der Ruheständler ist seit 2017 als zertifizierter Natur- und Wanderführer unterwegs.

Kunsthandwerker Herbert Herlitz aus Ebermannstadt. 

Kunsthandwerker Herbert Herlitz aus Ebermannstadt.  © Herbert Herlitz

"Ich bin gerade von einer Wandertour zurückgekehrt, bei der ich eine Wasseramsel beobachtet habe." Das könnte das nächste Motiv werden, das der 59-Jährige mit Aquarell-Farben auf Leinwand festhält. "Das Wissen über die Vögel kann ich auch bei meinen Wandertouren nutzen und an die Teilnehmer weitergeben."

Weg aus der Depression

Die Musik läuft, Herbert Herlitz sitzt auf dem Boden und versinkt in die Welt seiner Farben. Heute ist das auch Meditation für ihn. Damals war es eine Art Selbsttherapie und sein persönlicher Weg aus der Depression. 2014 erkrankt seine Frau, stirbt 2016. "Malen ist ein Ausdruck der Seele", sagt Herlitz und deshalb greift er erst zwei Jahre später wieder zu Pinseln und Farben.

Er knüpft an seine Leidenschaft an, die er über mehrere Jahre bei Malkursen der Volkshochschule Forchheim gelernt hat, auch bei dem in der Malerszene bekannten Künstler Olav van der Angrick. Künstler. Das ist ein Wort, das Herbert Herlitz nicht so einfach über die Lippen kommt.

"Es gibt viele Künstler, die vieles besser können als ich"

"Ich möchte nicht sagen, dass ich Künstler bin, ich fühle mich eher als Kunsthandwerker." Er habe Malerei nicht studiert, sei mit ausgebildeten Malkünstlern nicht zu vergleichen. "Es gibt viele Künstler, die vieles besser können als ich. Meine Bildsprache ist reduziert." Und eben auf Vögel konzentriert. So ist Herlitz auch zum Hobby-Ornithologen geworden. "Am Gesang kann ich die Vögel nicht unterscheiden, aber dank der Malerei weiß ich, mit welchem Vogel ich es zu tun habe, wenn ich ihm begegne."

In wenigen Tagen flattern Zaunkönig, Krähe und Co. von Ebermannstadt nach Nordheim. In der Vinothek Divino (Langgasse 33) kommen erlesene Weine mit erlesenen Aquarellen von Herbert Herlitz zusammen. Vernissage ist am Sonntag, 17. Oktober, 15 Uhr. Bis April ist eine Auswahl der Werke dort täglich von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zu sehen.

2019 hat er zum ersten Mal seine Werke ausgestellt. Damals im Töpferei-Café Kunzmann in Neusles. Neben der Schau in Nordheim sind Herlitz Werke auch Teil eines Ausstellungskatalogs des ornithologischen Museums Heineanum in Halberstadt.

Eine Message auch für andere

Das Malen ist seine Welt, die der Kunsthandwerker auch anderen Menschen näher bringen will. Weil sie sein Weg aus Stress, plagenden Gedanken, Trauer und Depression war. "Es war schon meine Therapie während meiner Berufszeit gewesen", sagt er. Jedem wünscht er ein Hobby. "Ich ziehe neues Selbstbewusstsein daraus."

Eine erfüllende Beschäftigung, sagt der Ruheständler, sei gerade auch für Rentner wichtig. Wer kurz vor der Rente stehe, solle sich Gedanken über (s)ein Hobby machen um eben das zu vermeiden: "In ein Loch zu fallen."

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