Blick in Künstlerwerkstatt

Skulpturenweg am Walberla: Zwei Wächter beschützen nun den Berg der Franken

14.9.2021, 12:00 Uhr
Ressort: Lokales - Forchheim

Datum: 25.08.2021

Foto:  Udo Güldner

Guido Häfner
Guido Häfner für die Sonderseite zu seiner Skulptur für den Waberla-Skulpturen-Weg.
Modell vor Walberla

Ressort: Lokales - Forchheim Datum: 25.08.2021 Foto: Udo Güldner Guido Häfner Guido Häfner für die Sonderseite zu seiner Skulptur für den Waberla-Skulpturen-Weg. Modell vor Walberla © Udo Güldner, NNZ

Langsam schwebt einer der„Wächter“ heran. Mit einem Ladekran bewegt Roland Meixner vom gleichnamigen Transport-Unternehmen in Dietzhof das stählerne Etwas in Richtung des altarähnlichen Sockels. Viel Fingerspitzengefühl braucht er, um nichts zu beschädigen. Nach nur zehn Minuten ist alles an seinem Platz und kann verschraubt werden. Wochen in der Werkstatt haben ein glückliches Ende gefunden.

Nun bleiben die archaischen Gestalten für zwei Jahre dort. Sie erinnern in ihrer Gestalt etwas an die überlebensgroßen Köpfe auf der pazifischen Osterinsel oder an die geheimnisvollen Höhlenmalereien in Südfrankreich. Erklärungen will Guido Häfner nicht geben. „Das Kunstwerk soll für sich sprechen“.

Zuvor hat der 1968 geborene Künstler die beiden Hälften mit seinem Elektro-Stapler auf einen kleinen Anhänger gehievt. „Wenn mich die Polizei sieht, denkt sie immer, ich hätte zu schwer geladen“. Dabei sind es nur 250 und 150 Kilogramm, die festverzurrt transportiert werden. Alles unter den stets wachsamen Blicken eines Kamerateams des Bayerischen Fernsehens. Der Weg bis zum rund sechs Tonnen schweren Betonsockel unterhalb des Rodenstein ist freilich nicht weit. Vom Standort auf dem Skulpturenweg aus kann man Guido Häfners Haus sehen. Nur einige Wiesen und Obstbäume liegen dazwischen.

Bevor es damit aber losgeht, liegen die Platten aus Corten-Stahl erst einmal im Hof herum. „Sie reifen dann“. Übereinandergestapelt sind sie Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Absichtlich, wie der Künstler erklärt. Denn erst durch das Anrosten entsteht jene Patina, die das Interesse des Auges weckt. „Zudem sorgt die Schicht aus Sulfaten und Phosphaten dafür, dass der Corten-Stahl geschützt wird“.

Die chemische Reaktion mit allen Arten von Niederschlägen erzeugt aber auch eine atemberaubend orange Farbigkeit und eine unfassbar samtige Oberfläche. „Ich bin jemand, der Dinge gerne berührt“. Das gilt auch für die weichen Kanten, an denen die Stahlplatten miteinander verschweißt sind. Guido Häfner hat sie mit einer Schleifmaschine abgerundet, so dass man sich daran nicht verletzten kann.

Aus den Stahlplatten, die knapp 50 Kilogramm wiegen, setzt Guido Häfner in tagelangen Mühen seine Skulptur zusammen. Dabei wird er immer wieder ganz schön ins Schwitzen kommen, nicht nur beim Schweißen, bei dem buchstäblich die Funken fliegen. Auch beim Biegen und Verformen, beim Beplanken der beiden Seitenteile, sowie beim Polieren.

Das alleine nimmt schon einen ganzen Tag in Anspruch. Denn seine Objekte sind nicht aus einem Stück gegossen, sondern hohl. Dadurch werden sie stabil und können einfacher transportiert werden. Von außen betrachtet, sieht man aber keine Nähte. „Mir geht es um Kunst, und nicht um Schlosserarbeiten“. Es ist ein Spiel mit dem Material, das ungemein leicht wirkt, obwohl da einmal drei und noch einmal fast vier Meter Metall auf der Werkbank liegen. „Solche Figuren machen schon Spaß. Manchmal kommt es eben doch auf die Größe an. Ich bin nunmal ein Grobmotoriker“.

Zuerst muss die Figur aus der drei Millimeter dünnen Platte herausgearbeitet werden. Dafür hat Guido Häfner einen Plasma-Schneider. Einen der üblichen 15 Stunden-Tage dauert es. „Ich mache alles selbst mit der Hand“. Vorgefertigte, mit Laser ausgeschnittene Stücke kommen ihm nicht aufs Grundstück.

Über die Form hat er sich lange Gedanken gemacht. „Die Ehrenbürg als ehemals mächtige keltische Siedlung hat mich zu zwei Wächtern inspiriert“. Sie haben den magischen Berg im Auge, erinnern an die Geschichte des Walberla, weisen auf seine Verletzlichkeit hin und beschützen den Hausberg der Franken. „Ich habe 20 Jahre gebraucht, um diese Figurensprache zu entwickeln“. Nun sprechen die Skulpturen die Spaziergänger an.

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