"Tun seit Tagen ganz geheimnistuerisch"

So feiern Mamas im Kreis Forchheim den Muttertag

Annika Falk-Claußen

8.5.2022, 16:02 Uhr
Ein Herz für Mama.

© colourbox.de, NN Ein Herz für Mama.

- Herzpralinen in der Werbung, Sonderöffnungszeiten von Blumenläden: Der Muttertag ist gefühlt ein Tag des Kommerzes. Doch was bedeutet er den Müttern? Wir haben uns im Landkreis Forchheim umgehört.

 Kerstin Müller

 Kerstin Müller © Foto: Annika Falk-Claußen

Kerstin Müller hilft vor dem Muttertag vielen Kindern, Geschenke für ihre Mamas zu basteln. "Das macht mich sehr glücklich, denn die Kinder fiebern darauf hin wie auf Weihnachten", sagt die Erzieherin. Im Jakobus-Kindergarten in Unterrüsselbach wurden bemalte Holzblumen überreicht und ein Lied für alle Mütter gesungen. Die 41-Jährige kann sich besonders gut an einen Muttertag erinnern, als Sohn Leon es nicht abwarten konnte und die Hälfte der Schokoherzen-Packung selbst aufaß.

Tochter Emelie hat im Kindergarten mal eine Stofftasche bedruckt, die ihr so gut gefiel, dass sie diese behalten hat. Heute schickt die 18-Jährige kurz vor dem Muttertag unauffällig Nachrichten, um nachzufragen, ob die Tasche oder die Socken ihrer Mama gefallen könnten. Bei Müllers in Ebermannstadt wird der Tag mit drei Generationen gefeiert. Der 94-jährigen Oma ist wichtig, dass es Kuchen gibt, das ist Tradition.

Anneliese Ledig

Anneliese Ledig © Foto: Annika Falk-Claußen

Zur Tradition im Hause Ledig in Egloffstein gehört Musik. Die vier mittlerweile erwachsenen Kinder von Anneliese Ledig haben der Mama immer gesungen, musiziert oder Gedichte vorgetragen. "Meist kamen sie morgens ins Bett und ich wurde geherzt und gedrückt", erinnert sich die 71-Jährige, die dankbar ist, dass alle sieben Enkelkinder im gleichen Dorf leben. "Es ist das größte Geschenk in meinem Leben, dass wir so ein gutes Miteinander haben."

Zum Muttertag gab es Zeichnungen, Basteleien und meist selbst gebackenen Kuchen von den drei Söhnen und der Tochter. Ein gesundes Baby im Arm zu halten, hat für sie eine besondere Bedeutung. Denn als sie 16 Jahre alt war, musste sie erleben, wie ihre kleine Schwester im Babyalter verstorben ist. "Das hat mich sehr geprägt und deshalb spüre ich eine tiefe Dankbarkeit, Mutter und Oma zu sein." Das Oma-Sein lebt sie außerhalb der Familie in ihrem Ehrenamt als Leseoma an der Grundschule in Egloffstein aus. Am Sonntag lässt sie sich überraschen, was Kinder und Enkel sich ausgedacht haben.

Julia Kellner

Julia Kellner © Foto: Annika Falk-Claußen

Julia Kellner aus Höfles bedeutet der Tag eigentlich nichts. Sie fände gut, wenn Mütter (und Väter) am Geburtstag der Kinder (mit)gefeiert würden. Dennoch freut sich die selbstständige Tierkommunikatorin auf den Muttertag, denn ihre beiden Kinder (7 und 8 Jahre alt) fiebern darauf hin. "Sie tun seit Tagen ganz geheimnistuerisch und sind stolz, ihre gebastelten Geschenke zu überreichen", so Kellner, die sich über einen Strauß Wildblumen mehr freut als über einen gekauften.

Eine große Feier plant sie nicht: "Meist bleibt die Arbeit doch an den Müttern hängen, alles vorzubereiten, zu kochen und zu backen", sagt die Alleinerziehende, die jüngst mit ihrer besten Freundin diskutiert hat, wie es wäre, wenn sie am Muttertag gemeinsam Wellness machen oder essen gehen würden – ohne Kinder. "Die Väter bleiben am Vatertag auch unter sich und ziehen mit dem Bollerwagen umher." Muttersein bedeutet für sie großes persönliches Wachstum, weil man selbst an seine Grenzen gerate: "Gleichzeitig finde ich es schön, die Kinder zu begleiten und sich selbst anders kennenzulernen." Auch habe man die Möglichkeit, selbst Kind zu bleiben: "Ich darf mit Begeisterung in den Trampolinpark gehen, im Garten Quatsch machen und das innere Kind in mir ausleben."

Miriam Kraußold-Gmelch

Miriam Kraußold-Gmelch © Foto: Annika Falk-Claußen

Mutterschaft ganz unterschiedlich erlebt hat Miriam Kraußold-Gmelch. Als sie Tochter Alina bekam, war die Schweinthalerin 16 Jahre alt. "Zwei Wochen nach der Geburt hat meine Lehre angefangen und meine Mutter hat sich die meiste Zeit um Alina gekümmert", sagt die Metzgereifachverkäuferin, die damals in ihre Rolle als Mutter reinwachsen musste. Anders: als Sohn Ben vor fünf Jahren zur Welt kam und sie drei Jahre Elternzeit nahm.

Während Ben schon verraten hat, was er in der Kita gebastelt hat, kommen von der 18-jährigen Alina Sprachnachrichten und Smileys als Dank an die Mama. "Das freut mich sehr, denn Materielles bedeutet mir nichts." Sie will ihre Tochter noch an ein Gutscheinheft erinnern, das diese vor Jahren geschenkt und nie eingelöst hat. Ihre eigene Mutter hingegen bringt Blumen ans Grab von deren Mutter, Miriams Oma: "Das finde ich eine schöne Tradition, dass auch die Verstorbenen am Muttertag nicht vergessen werden."

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