Investitionen wären nötig

Sozialladen Forchheim: Wie sich Corona auf die Einnahmen auswirkt

22.6.2021, 06:00 Uhr
Das Multikulti-Team des Ökumenischen Sozialladens Forchheim arbeitet Hand in Hand und mit viel Freude an der Sache.

Das Multikulti-Team des Ökumenischen Sozialladens Forchheim arbeitet Hand in Hand und mit viel Freude an der Sache. © Sylvia Kiesewetter

Der Sozialladen stützt sich auf die eigenen Verkaufseinnahmen, Spenden und die Förderbeiträge des Kuratoriums aus Caritas, Diakonie und verschiedenen Kirchengemeinden aus Stadt und Landkreis. "Durch die Corona-Krise sind uns viele Kunden verloren gegangen. Die Kontaktängste waren zu groß", bedauert Hildegard Bläser, die zusammen mit Gabi Benda die Hauptverantwortlichen sind, oder auch wie die Kollegen sagen "die guten Seelen des Sozialladens". Während der Corona-Hochzeit wurden Lebensmittelpakete zusammengestellt und am Eingang des Ladens kostenlos ausgeteilt. "Das minimierte zwar die Kontakte, reduzierte aber die Einnahmen auf null", erzählt Stefanie Schlittenbauer, die neue Leiterin des Sozialen Dienstes der Caritas Forchheim, Nachfolgerin von Werner Lorenz.

Im Sozialladen sind Gabi Benda und Hildegard Bläser als Teilzeitkräfte angestellt. Zum Team gehören außerdem zwei Frauen (geförderte Beschäftigungsmaßnahme über das Jobcenter zur Wiedereingliederung), 30 Ehrenamtliche (zwischen 33 und 80 Jahre alt, von denen zurzeit nur 20 im Einsatz sind), und Asylbewerber (über eine Beschäftigung als Arbeitsgelegenheit nach dem Asylbewerberleistungsgesetz). "Der tägliche Einsatzplan für die Fahrer ist eigentlich nicht so schwer", erklärt Hildegard Bläser. Wenn jemand verhindert ist, rufe sie einen anderen Ehrenamtlichen an. Das klappe meistens.

"Integration wird gelebt"

"Wir sind ein echtes Multikulti-Team. Jeder hilft jedem, alle wollen einen guten Job machen", sagt Hildegard Bläser. "Hier wird Integration gelebt! Das ist oft turbulent", findet Stefanie Schlittenbauer und lacht. Aber genau das mache den Sozialladen aus. Die Arbeit im Sozialladen hilft den Asylbewerbern beim Aufbau von Kontakten, beim Kennenlernen von Arbeitsabläufen und Lebensmittelstandards und beim Lernen der deutschen Sprache.

Für die Kunden ist der Sozialladen ein Treffpunkt. "Eigentlich sind wir ja ein Lebensmittelladen für Bedürftige", erzählt Stefanie Schlittenbauer. "Aber im Sozialladen passiert noch so viel mehr." Viele der etwa 1200 Menschen im Landkreis, für die die Möglichkeit so günstig einzukaufen zu einem unverzichtbaren Angebot geworden ist, schätzen den Sozialladen als wichtigen Ort gegen die soziale Isolation. Hier trifft man sich und tauscht sich aus. Ein großartiges Angebot für die Kundschaft ist das Ausfahren von Lebensmittelpaketen.

Liefern als Erfolgsmodell

Was zuerst während der Lockdowns als Hilfe für Kunden gedacht war, die einer Risikogruppe angehören, hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Eigentlich will keiner mehr auf diesen Service verzichten, auch wenn die Lieferung einen Euro zusätzlich kostet und die Lebensmittel vom Laden ohne Wunschmöglichkeit zusammengestellt werden.

Da die Lebensmittel im Laden nur ein Fünftel des Normalpreises, kleine Liefer-Pakete nur 2,50 Euro und große 5 Euro kosten, aber Fahrzeug-Reparaturen, Kraftstoff, Löhne, Strom, Wasser, Müllgebühren und alle anderen Unkosten bezahlt werden müssen, die Corona-Krise aber die Umsätze und damit die Einnahmen schwer reduziert hat, ist das Ziel des Sozialladens, sich selbst zu tragen, in weite Ferne gerückt.

"Unsere Kühltheken sind über 20 Jahre alt und laufen zum Teil noch mit Starkstrom. Die Stromkosten sind enorm und das ist umwelttechnisch nicht tragbar", sagt Hildegard Bläser. Eigentlich ist die Anschaffung neuer Kühltheken finanziell kaum zu stemmen. Aber der Sozialladen unterliegt wie jeder Lebensmittelhandel der Lebensmittelhygiene-Verordnung. "Um garantieren zu können, dass die Lebensmittel vom Käufer bedenkenlos gegessen werden können, wurde ein eigenes Qualitätsmanagement entwickelt, das auch die Einhaltung der Kühlkette sichert", ergänzt Stefanie Schlittenbauer. "So trübt unseren munteren Multikulti-Teamgeist und unsere gute Stimmung im Laden nur die Sorge um die Finanzierungslage."

Info: Wenn Sie den Sozialladen unterstützen möchten, sind große und kleine Spenden willkommen auf das Spendenkonto: Ökumenischer Sozialladen, Sparkasse Forchheim, IBAN: DE48 7635 1040 0000 0765 05. Und wenn Sie gern Auto fahren, Zeit haben, Gutes zu tun: Es werden immer ehrenamtliche Fahrer und Fahrerinnen gesucht. Kontakt: Caritasverband für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim e.V., Birkenfelderstraße 15, 91301 Forchheim, Telefon: 09191 7072-24.

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