Biergartensaison

Start der Forchheimer Kellersaison: "Da kommt Lebensgefühl zurück"

21.5.2021, 14:47 Uhr
Start der Forchheimer Kellersaison:

© Foto: Lukas Koschyk

Was gehört im Frühjahr zu Forchheim wie Autowaschen, Blumen pflanzen und den Garten auf Vordermann bringen? Natürlich der Besuch im Kellerwald. Dieses Jahr standen die Bürger der Stadt zum traditionellen Kellerauftakt im April allerdings eher wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg, die Inzidenzzahlen verhinderten bekanntlich eine pünktliche Saisoneröffnung.

Alles neu macht aber nun der Mai und nachdem die Stadt seit über sieben Tagen stabil unter dem Inzidenzwert von 50 liegt, dürfen auch die Kellerwirte ihre Pforten wieder für die durstige Bevölkerung öffnen. Einige taten dies am Donnerstag, weshalb wir uns an des Forchheimer liebstem Ort ein wenig für sie umgeschaut haben.

Schon im Februar reserviert

Wir beginnen unseren Rundgang bei Birgit’s Schindler Keller. Wie immer bestens gelaunt empfängt uns Wirtin Birgit Hempel. "Heute ist wie ein Feiertag für mich. Seit dem 1. November haben wir keine Gäste mehr am Tisch bewirten dürfen. Es ist ein tolles Gefühl, wieder offen zu haben."

Der Stammtisch an Tisch 11 hat auch schon Stellung bezogen und lässt sich das erste Seidla des Jahres schmecken. "Da kommt schon ein Stück weit Lebensgefühl zurück", erzählt uns Gérard aus Forchheim. "Wir haben schon im Februar unseren Tisch für den ersten Tag reserviert und konnten es seitdem gar nicht mehr erwarten." Seine Tischnachbarn kommen jedes Mal extra aus Erlangen angereist. "Dort sind uns die Keller etwas zu groß. Außerdem können wir uns hier bedienen lassen und müssen unser Essen nicht selbst holen", so Gerhart und Alexandra. Auch sie sind glücklich, wieder unter dem Blätterdach zu sitzen und die urige Atmosphäre zu genießen.

Fragen zu Ablauf und Testpflicht

Der Keller ist trotz des wechselhaften Wetters bereits gut gefüllt, wobei das für die Wirtin an diesem Tag gar nicht entscheidend ist: "Egal wie gut das Geschäft heute ist, Hauptsache wir haben geöffnet!"

Weiter geht es am Glocken-Keller. Co-Inhaber Matthias Erlwein empfängt mit Reservierungsbüchlein, gezücktem Stift und QR-Code seine Gäste. "Ich fühle mich dieser Tage manchmal wie der Erklärbär vom Kellerwald", sagt der Franke mit einem Augenzwinkern. Das Telefon klingelt ununterbrochen, die Gäste haben viele Fragen zu Prozedere, Öffnungszeiten, Testpflicht. "Die Leute sind aber super verständnisvoll, kooperativ und einfach nur froh, dass sie wieder zu uns kommen dürfen."

Per App checken die Gäste ein, wer über kein Smartphone verfügt, hinterlässt seine Kontaktdaten handschriftlich. Die kurze Kontrolle funktioniert reibungslos und erfolgt meist in Verbindung mit einem kurzen Plausch, es gibt schließlich einiges nachzuholen nach so langer Zeit.

Auch Erlwein ist die Freude anzumerken, seine vielen Stammgäste endlich wieder willkommen zu heißen. Um 18 Uhr ist der Keller vollständig besetzt. Da wird sich über die Tische hinweg freundlich begrüßt, zwischen Maske und schützender Glasscheibe das letzte halbe Jahr Revue passiert und viel erzählt. Endlich wieder echtes Kellerfeeling.

Über 150 Kilometer gefahren

Der Eichhorn-Keller eröffnete bereits am 13. Mai, zum Vatertag. Pächter Bruno Alberti hat mittlerweile eine Standleitung mit dem Landratsamt, um der sich stetig ändernden (Corona)-Lage Herr zu werden. Er ist froh, sein Bier wieder ausschenken zu dürfen. "Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, dann wird der Keller voll sein", sagt er und eilt zurück in die Küche. Der Kellner wartet noch auf zwei Schnitzel, da muss der Chef schnell hinter den Herd, hier wird eben selbst mit angepackt.

Start der Forchheimer Kellersaison:

© Foto: Lukas Koschyk

An einem der vielen besetzten Tische treffen wir Stefan, Andrea und Michael. Aus über 150 Kilometer Entfernung sind die Drei angereist, aus Aschaffenburg in Unterfranken. "Wir haben jetzt zwei Wochen Urlaub und da bei uns die Außengastronomie noch nicht geöffnet ist, wollten wir die Chance nutzen und die Forchheimer Keller kennenlernen."

Anstatt irgendwo im Süden einen Aperol Spritz in der Sonne zu trinken, ist es dieses Jahr eben ein fränkisches Bier vom Fass, erzählen uns die Drei. "Ist schließlich genauso schön und man ist froh, wieder rauszukommen und etwas Neues zu erleben.

Der Kellerwald als Urlaubsersatz? Die Worte könnten nicht passender sein, an diesem Tag, an dem ein wichtiges Stück Lebensgefühl in die Stadt zurückkehrt. Warum schließlich in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt?

Glocken-, Eichhorn, Schindler-Keller und Greif-Keller sind geöffnet, der Schaufel-Keller eröffnet am Sonntag. Eine vorherige Reservierung wird dringend empfohlen. Aktuell gibt es keine Testpflicht in der Außengastronomie, weil die Inzidenz im Landkreis Forchheim zuletzt stabil unter 50 lag. Maximal fünf Personen und zwei Hausstände (Kinder unter 14 Jahren ausgenommen) dürfen an einem Tisch sitzen.

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