Sonntag, 08.12.2019

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Treibjagd in Franken: Wanderer laufen Jägern vor Gewehre

Sie nahmen für eine Schlachtschüssel eine gefährliche Abkürzung in Kauf - 12.11.2019 10:27 Uhr

Die Wege, die zur Drückjagd führten, waren gut sichtbar gesperrt, Warnungschilder machten auf die Gefahr aufmerksam. Dieses Bild hat uns Jagdpächter Peter Stumpf zur Verfügung gestellt. Es wurde am Samstag um 7.43 Uhr aufgenommen. © Foto: Peter Stumpf


Den Wanderern, die zunächst von einem Jäger, Peter Stumpf, zur Rede gestellt worden waren, war anscheinend nicht klar, in welche lebensgefährliche Lage sie sich begaben. Sie hätten keine Umleitung gesehen. "Ich habe nur Unverständnis geerntet", so Stumpf, der darauf verweist, dass die Jäger das nicht "aus Spaß" machen. Durch die Drückjagden soll die afrikanische Schweinepest eingedämmt werden, wie der Jäger berichtet.

Große Vorbereitung von Nöten

Bei einer Drückjagd werden die Tiere mit sogenannten Treibern oder Jagdhunden langsam aus ihren Verstecken gescheucht und in Richtung der Jäger getrieben. Diese befinden sich aus Sicherheitsgründen auf frei in der Landschaft stehenden, etwa drei Meter hohen, Drückjagdböcken. Hierdurch soll bei einem Schuss ein sogenannter "Kugelfang" erzeugt und verhindert werden, dass die Kugel abprallt. Sie soll in den Boden einschlagen. Als weitere Sicherheitsmaßnahmen werden die Gebiete, in denen die Drückjagd stattfindet, weiträumig abgesperrt. Alle Zugangswege sind mit Absperrbändern und schildern deutlich sichtbar markiert und es wird öffentlich darüber informiert. "Es kann keiner übersehen, dass er da nicht rein darf", so der Jäger.

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"Drückjagden müssen unheimlich gut vorbereitet werden", erklärt der er. "Die Vorschriften sind sehr streng." Allein für die Jagd am vergangenen Samstag haben er und ein Jagdhelfer "mindestens acht Stunden Vorbereitung" aufgewendet, um alle Sicherheitsbestimmungen einzuhalten. Bei der Jagd, die in fünf Jagdrevieren gleichzeitig vonstatten ging, waren allein im Niedermirsberger Revier zehn Jäger beteiligt.

Gefahr durch Schüsse

Stumpf hat sich, nachdem er die Jagd abgebrochen hatte, dazu entschieden, die Polizei zu informieren. "Uns geht es nicht um ein Ordnungsgeld", so der Jäger, "wir möchten in der Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, welche Gefahr davon ausgeht und welcher Aufwand hinter einer Drückjagd steckt".

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Die Gefahr, durch einen Schuss verletzt zu werden, stieg am Samstag noch durch den Nebel, der die Sicht der Jäger einschränkte. Solch unvernünftiges Verhalten, wie das von den Wanderern, kann da schwerwiegende Konsequenzen haben kann. Ganz schnell kann aus der Wanderung zur Schlachtschüssel ein Alptraum für Wanderer und Jäger werden. Immer wieder begeben sich Menschen trotz der eindeutig aufgestellten Schilder in "Lebensgefahr". Jederzeit kann es an Wochenende zu Drückjagden kommen, bei denen Wildschweine gejagt werden. Aber immer wird deutlich sichtbar gewarnt.

Polizei verwarnt Wanderer

Laut dem stellvertretenden Dienststellenleiter der Polizei Ebermannstadt, Georg Götz, wurden die Wanderer ausfindig gemacht und darauf hingewiesen, in Zukunft Acht zu geben. Die Gruppe habe gegenüber der Polizei glaubhaft ausgesagt, dass sie keine Absperrung gesehen habe. Gegen die Wanderer wurde eine Verwarnung ausgesprochen. Götz appelliert, dass gekennzeichnete oder abgesperrte Bereiche unbedingt gemieden werden sollen, da es "sehr gefährlich sein kann".

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MICHAEL ENDRES

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