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Trend zum dritten Kind: In den Kitas der Region wird es eng

Im weniger dicht besiedelten östlichen Landkreis fehlen Betreuungsplätze - 15.03.2021 10:01 Uhr

Neubaugebiete in Pinzberg haben die Nachfrage nach Kitaplätzen weiter in die Höhe getrieben. Vielleicht braucht die Gemeinde Ausweichflächen für neue Betreuungsplätze.

14.03.2021 © Foto: Stefan Hippel


"Wir haben eine positive Bevölkerungsentwicklung, der Anstieg ist nicht überall gleich stark, es gibt aber auch Nachholbedarf", weiß Martin Hempfling vom Landratsamt. Er ist in der Jugendhilfe zuständig für die Bedarfsplanung. Mit Wohlwollen beobachtet Hempfling die regen Tätigkeiten in den Kommunen. Dort werden die Kapazitäten eifrig erweitert, was auch dringend notwendig ist. Dies wird auch die Elternbefragung im April bestätigen: "Überall dort, wo zuletzt etwas geschaffen wurde, waren die neuen Plätze gleich voll", beschreibt er die Situation. Um damit fortzufahren, dass "in fast allen Städten und Gemeinden Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren besteht".

Kapazitäten ausgereizt

Wahrscheinlich steht im Landkreis für 170 Kinder im Alter von unter drei Jahren kein gesetzlich garantierter Platz in der Kinderkrippe bereit. Hierfür müssen die Gemeinden die Infrastruktur schaffen, was derzeit in großem Stil auch erfolgt.

Eng wird es auch bei Plätzen im Kindergarten, also bei den Kindern im Vorschulalter über drei Jahre. Das Defizit beläuft sich hier auf 205 Plätze. "In zirka der Hälfte der Städte und Gemeinden des Landkreises besteht Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung", sagt Hempfling.

Marco Friepes weiß als Bürgermeister von Weilersbach, wovon er spricht: "Die Urbanisierung geht zurück. Die Leute möchten wieder in Orten mit Rückzugsmöglichkeiten leben, nicht mehr unbedingt in der Stadt. Freunde, soziale Kontakte spielen dabei eine große Rolle. Ich bekomme jede Woche im Schnitt drei bis vier Anfragen, ob es möglich ist, nach Weilersbach zu ziehen. Die Leute haben hier mehr Raum für sich." Durch Corona habe sich diese Erkenntnis noch verstärkt.

Die Gemeinde hat derzeit drei Baugebiete in Planung, eines davon (die Kirchenstraße) in größerer Dimension innerhalb der bestehenden Bebauung. Die bestehende Kita wird derzeit für 1,5 Millionen Euro erweitert, die vorübergehende Unterbringung der Kinder im St.-Anna-Haus kostet zusätzlich über 70.000 Euro. Dass Neubaugebiete in der Fränkischen Schweiz sehr gefragt sind, bestätigt Ernst Steinlein, Kämmerer der Stadt Gräfenberg: "Die Grundstücke in unserem Baugebiet ,West 3‘ gingen weg wie die warmen Semmeln, wohl auch deshalb, weil die Quadratmeterpreise deutlich geringer sind als im westlichen Landkreis." Als Kämmerer sieht Steinlein den Anstieg des Bedarfs an Krippen-, Kindergarten- und auch Hortplätzen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein unausweichlicher Neubau einer Kita muss mit rund zwei Millionen Euro veranschlagt werden. Auch wenn hier hohe Förderungen und eine anteilige Kostenübernahme durch die Diakonie eingeplant werden können, bleibt für die Stadt noch ein Anteil in sechsstelliger Höhe.

Bedarf stark gestiegen

Nicht zu unterschätzen sind auch die laufenden Kosten der Betreuung: "Die sind innerhalb von drei Jahren um 50 Prozent auf 1,137 Millionen Euro gestiegen", sagt Steinlein, "etwas mehr als die Hälfte davon übernimmt aber der Freistaat Bayern."

Unmittelbar an die südliche Stadtgrenze von Forchheim grenzt Pinzberg. Auch hier ist der Bedarf in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2014 und 2020 wurden zwei Neubaugebiete ausgewiesen, die Nachfrage nach Plätzen in Krippe, Kindergarten und Hort setzte aber bereits zuvor ein. "2008 hatten wir insgesamt 78 Kinder in der Betreuung, 2020 waren es 127, die in der Krippe, im Kindergarten oder auch im Hort betreut wurden", erklärt Bürgermeisterin Elisabeth Simmerlein. Für die Gemeindefinanzen hat dies zur Folge, dass sie vor 13 Jahren noch 2000 Euro pro Kind ausgleichen musste, im letzten Jahr waren es bereits 3500 Euro.

Die räumlichen Kapazitäten sind in Pinzberg ausgereizt; es besteht die Gefahr, dass auf Basis der bisher vorliegenden Anmeldezahlen für das neue Schuljahr auch einheimischen Familien eine Absage erteilt werden muss. In der Februarsitzung des Gemeinderats betonte die Bürgermeisterin daher, dass es für die Verwaltung und auch den Gemeinderat nun gelte, "nach Möglichkeiten zu suchen, um dieses Szenario abzuwenden. Eventuell müssen wir Ausweichflächen anmieten."

Als Ursache für den gestiegenen Bedarf sieht Simmerlein sowohl den seit 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz als auch "die geburtenstarken Jahrgänge, die jetzt selbst Kinder bekommen". Einen weiteren Faktor für die gesteigerte Nachfrage nach Kinderbetreuung fügt Christiane Meyer hinzu: "Wir stellen fest, dass die Eltern immer stärker dazu neigen, ihre Kinder zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Kinderkrippe zu geben."

So kommentiert Ebermannstadts Bürgermeisterin diesen Umstand, und stellt zudem fest, "dass es wieder verstärkt Eltern gibt, die ein drittes Kind haben oder wollen". Auch in der Schulstadt Ebermannstadt bestimmen seit Monaten und Jahren die Themen Kita-Erweiterungen und -Umbau die Sitzungen des Stadtrats und seiner Ausschüsse.

Obwohl die Stadt über keine eigenen Einrichtungen verfügt – alle fünf Kinderkrippen und Kindergärten werden von anderen Trägern geführt – kamen und kommen auf die noch klammen Kassen der Stadt große finanzielle Belastungen zu. Die nimmt sie aber in Kauf, denn "wir benötigen weiteren Zuzug, alleine um den Saldo zwischen Geburten und Sterbefällen auszugleichen", erklärt die Bürgermeisterin.

Bedarf höher als Platzzahl

Grundsätzlich, so Geschäftsleiter Andreas Kirchner, "ist der Bedarf in Ebermannstadt seit Jahren höher als die tatsächlich vorhandene Anzahl an Betreuungsplätzen". Neben den Investitionen, unter anderem für die Generalsanierung des Kindergartens St. Marien, für den circa 3 Millionen Euro zu Buche schlagen, sind es die laufenden Kosten, die der Stadtchefin Sorge bereiten: "Die größte Herausforderung der nächsten Jahre wird es sein, dass wir die Kosten für die Kinderbetreuung finanziell stemmen können", erklärte Meyer im Februar im Stadtrat. Im Blick hatte sie dabei den Anstieg der kommunalen Beteiligung an den Betreuungskosten von 251.000 Euro im Jahre 2007 auf prognostizierte 872.000 im laufenden Jahr.

Als Fazit bleibt, dass auf die Kommunen im Landkreis Forchheim erhebliche finanzielle Herausforderungen zukommen, denen sie sich aber gerne stellen werden, denn der Anlass ist ein erfreulicher. Angst, dass die Fördertöpfe versiegen, müssen sie nach Aussage von Martin Hempfling nicht haben: "Corona hat gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Kinderbetreuung ist."

STEFAN BRAUN E-Mail

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