Umstrittene Kläranlage in Wüstenstein: Der Bau beginnt

4.9.2015, 18:00 Uhr
Der symbolische Spatenstich mit Bürgermeister, Landrat, Planern und Behördenvertretern.

© Thomas Weichert Der symbolische Spatenstich mit Bürgermeister, Landrat, Planern und Behördenvertretern.

WÜSTENSTEIN — Mit Fassbier und Rostbratwürsten wurde der symbolische Spatenstich der Ortskläranlae Wüstenstein gefeiert. Landwirt Stefan Rupprecht brachte seinem Unmut dadurch zum Ausdruck, dass er an den Feiernden mit seinem Traktor zweimal vorbei fuhr. Auf dem Anhänger hatte er riesige Strohballen in Protesttransparente eingehüllt.

Auch Gegner kamen

Das war es dann aber auch schon mit dem Protest. Was Taut freute war, dass auch einige Kläranlagengegner zur Feierstunde gekommen waren. Gemeinderat Karl-Peter Schwegel (BMW), der vehementeste Gegner der zentralen Abwasserentsorgung in Wüstenstein, war beruflich verhindert, ließt sich aber von seiner Frau vertreten.

In Richtung Arbeitskreis Abwasser Wüstenstein sagte Helmut Taut: „Schade, dass wir nicht zusammenarbeiten. Unser Wissen sollten wir bündeln und das Beste für Wüstenstein daraus machen.“ Taut erinnerte an immer eindeutige Mehrheiten im Gemeinderat und dann auch beim Bürgerentscheid zum Bau der Kläranlage. Danach kam dann auch noch die Petition beim Bayerischen Landtag, über die bald im Innenausschuss entschieden werden soll. „Mehr Prügel, besser gesagt Steine, kann man einem Bauherren nicht in den Weg legen“, so Taut, der den Kläranlagegegnern nochmals die Zusammenarbeit anbot. „Wie oft ich das noch schaffe, weiss ich nicht.“

Die Kläranlage selbst kostet nur etwa 20 Prozent der Gesamtsumme von geschätzten rund zwei Millionen Euro. Sie ist mit 414 000 Euro veranschlagt. „Das heißt, dass ein Großteil der Bausumme den Ortskanälen zuzurechnen ist, die so oder so erneuert werden müssen“, so Taut. Zehn Jahre habe man nun an diesem Vorhaben gearbeitet und die vergangenen sechs Jahre seien „zermürbend“ gewesen. „Wenn es noch eine Weile gedauert hätte, hätten die Marktgemeinderäte irgendwann geglaubt, dass durch den Bau einer Kläranlage die Wasserqualität im anschließenden Fließgewässer verschlechtert wird“, so Taut.

Ruhe verdient

Ein Landwirt fuhr mit Proteststransparenten auf der Straße an der Feier vorbei, um seinem Unmut über den Bau der Kläranlage Luft zu verschaffen.

Ein Landwirt fuhr mit Proteststransparenten auf der Straße an der Feier vorbei, um seinem Unmut über den Bau der Kläranlage Luft zu verschaffen. © Thomas Weichert

Die Ortsbevölkerung mit knapp 200 Einwohnern hätte nun endlich Ruhe verdient und müsse wieder eine Einheit werden. Denn in der Dorfgemeinschaft, in den Vereinen und der Nachbarschaft könne man sich keine dauerhaften Feindschaften leisten, so Taut, der mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren rechnet. Landrat Hermann Ulm (CSU) sprach von einem zukunftsweisendem Projekt.

Es sei ein positives Beispiel für die Lebensgrundlage Wasser. „Unsauberes Wasser wird es in Wüstenstein in Zukunft nicht mehr geben“, so Ulm. „Man muss sich alle Sorgen anhören und ernst nehmen, aber letztendlich muss man eine Entscheidung treffen“, so der Landrat.

97 Prozent aller Haushalte im Landkreis Forchheim sind bereits an eine zentrale Kläranlage angeschlossen. Michael Richter vom Wasserwirtschaftsamt Kronach betonte, dass der Spatenstich gleichbedeutend mit dem Abschluss der Diskussionen ist.

An Zuschuss wird wegen der Härtefallregelung sicher mehr herauskommen als im Zuwendungsbescheid steht, war sich auch Richter sicher. Aktuell hat der Markt Wiesenttal einen Förderbescheid nach dem es 648 000 Euro Zuschuss vom Freistaat gibt. Man rechnet jedoch mit rund 1,2 Millionen Euro an staatlichen Fördermitteln.

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