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Montag, 14.10.2019

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Waischenfeld: Ritterfest lockt die Besucher an

Anstelle des Turniers gab es heuer eine Falkner-Show - Semmelklöße für die Wikinger - 26.08.2019 08:00 Uhr

Aus Breitenlesau kam die Mittelaltergruppe Skollvol nach Waischenfeld. Melanie Schuster kochte für ihre hungrigen Wikinger aus der Fränkischen Schweiz Wildgulasch mit Semmelklößen. © Foto: Thomas Weichert


Neu in diesem Jahr war die Bielriet Falknerei aus dem schwäbischen Cröffelbach, die mit ihrer Flugshow das altbekannte Ritterturnier ablösten. Einige der Besucher vermissten zwar das Ritterturnier, allerdings müsse man den Gästen auch einmal etwas Neues bieten, sagte Häfner.

Tiegel und Becher: Töpferin Angela Börnicke aus Adelsdorf ist seit zehn Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Hans-Jörg in Waischenfeld dabei. © Foto: Thomas Weichert


Erstmals deshalb als Hauptattraktion mit dabei die Falknerinnen Ute Kugler mit ihrem Wüstenbussard Soraja und Susanne und Anna Schade mit ihrem Rot- und Schwarzmilan von der Falknerei Bielriet im Landkreis Schwäbisch Hall. "Letztes Jahr waren wir als Gäste hier und es hat uns so gut gefallen, dass wir heuer mit den Tieren unserer Falknerei wieder gekommen sind", sagt Ute Kugler.

Auch aus dem Schwäbischen, und zwar aus Ulm, stammt Adrian Grocholl der heute im Kanton St. Gallen in der Schweiz lebt. Ihn verbindet eine enge Freundschaft zu den Mitgliedern der Breitenlesauer Mittelaltergruppe Skollvolk, die Wikinger darstellen. Denn einst fand er mit einer Bayreutherin, die dieser Gruppe angehört, seine Liebe. So lernte der Wahl-Schweizer die "Wikinger" aus der Fränkischen Schweiz kennen. Grocholls Faible gilt den Waffen, mit denen die Wikinger damals kämpften. "Um meine Freunde wiederzusehen lohnt sich der weite Weg auf jeden Fall", sagt Grocholl. Für die Wikinger kocht Melanie Schuster aus Breitenlesau über der offenen Flamme Wildgulasch mit Semmelknödeln.

Aleia Gochenour ist Amerikanerin und lebt heute in der Nähe von Coburg. Bereits das zweite Mal kam sie als Burgfräulein aus dem 12. Jahrhundert verkleidet zum Ritterfest nach Waischenfeld und hatte erstmals ihren Cousin Philipp Becker aus Creußen mitgebracht, der sein phantasievolles Gewand selbst zusammengestellt hat. "Ich finde es authentisch hier und es wird viel geboten, vor allem für meine fünfjährige Tochter", sagt Aleia Gochenour. Ihre Leidenschaft, sich mittelalterlich zu gewanden, fing schon in ihrer Kindheit an, als sie mit ihrer Mutter Mittelaltermärkte besuchte. "Wenn es terminlich klappt, kommen wir nächstes Jahr wieder", verspricht Philipp Becker.

Stefanie Schneider und Petra Podolsky aus Weißenohe sind eigentlich eingefleischte Klosterbier-Trinkerinnen. Beim Ritterfest probieren sie aber auch gerne einmal das Göttergetränk Met. Stefanie Schneider ist die erste Vorsitzende des 1453 gegründeten Schützenvereins Gräfenberg. Sie schießt dabei nicht nur mit Großkaliberwaffen, sondern gerne auch einmal mit Pfeil und Bogen. "Dafür ist das Ritterfest geradezu ideal", sagt Schneider, die mit ihrer Freundin Petra schon seit Jahren zum Ritterfest nach Waischenfeld kommt.

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Rüstungen und mehr: Besucheransturm auf Ritterfest in Waischenfeld

Strahlender Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen bescherten dem Ritterfest auf Burg Waischenfeld am Wochenende einen großen Besucheransturm. Veranstalter und Burgpächter Roland Häfner zeigte sich ebenso wie die 50 Händler mit dem Besuch sehr zufrieden.


Die Töpferin Angela Börnicke aus Adelsdorf kommt mit ihren Töpferwaren und Ehemann Hans-Jörg seit zehn Jahren zum Ritterfest. Vor 30 Jahren hat die aus Leipzig stammende gelernte Physiklaborantin umgesattelt und sich mit ihrer Scheibentöpferei selbstständig gemacht. "Denn ich wollte schon immer einem kreativen Beruf nachgehen", sagt Börnicke, die das Töpfern einst bei ihrer Freundin in deren Keramikwerkstatt in Leipzig erlernte.

David und Nicole Hofmann waren mit ihren beiden Jungs Yves und Sebastian sehr phantasievoll verkleidet aus Rupprechtstegen zum Ritterfest angereist. Alles fing vor ein paar Jahren an, als ihr ältester Sohn von Rittergeschichten fasziniert war. 2015 waren die Hofmanns dann erstmals zu einem Mittelaltermarkt gefahren und Nicole Hofmann hat sich dort einen ersten Mittelalterock gekauft.

Innerhalb eines Jahres war dann die ganze Familie mittelalterlich gewandet. "In Waischenfeld ist es schön, es kommen viele Gewandete und man findet auch viele Gleichgesinnte zum Fachsimpeln", sagt Nicole Hofmann. Auch die Sachen die zum Verkauf angeboten werden findet sie sehr authentisch.

Selbstgemachte Kettenhemden

Holger Bär aus Kasendorf ist "Sarwürker" und stellt Kettenhemden, Kettenhandschuhe oder Kettenhauben her. Als sein Sohn vor zehn Jahren einen Ritterhandschuh haben wollte, hat Bär ihm kurzerhand selbst einen gemacht. Da seine Frau auf den Mittelaltermärkten mit ihren selbst gemachten Seifen handelt, hat er dabei nun auch etwas zu tun, indem er den Gästen zeigt, wie zeitintensiv es ist, die frühere Schutzkleidung der Ritter herzustellen. Verkaufen will er seine fertigen Produkte allerdings nicht: "Das könnte keiner bezahlen", sagt Bär.

Wie weit fliegt die Axt? Auch das konnten Besucherinnen und Besucher auf dem großzügigen Areal rund um Burg Waischenfeld ausprobieren oder sich im Schießen mit Pfeil und Bogen üben. Im Anschluss daran löschte das Göttergetränk Met den Durst. © Foto: Thomas Weichert


Für mittelalterliche Klänge sorgten Spielleute Viesematente auf der Bühne auf der auch die Fechtvorführungen und die Feuershow der Gruppe Flammentanz am Samstagabend auf großes Interesse stießen. Für Unterhaltung sorgte auch Schabernackrakeel mit seiner Gaukelei, das Puppentheater und der Märchenerzähler sowie das Tavernenspiel.

 

THOMAS WEICHERT

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