Georg Rammensee hört nach 22 Jahren auf

Wie geht es mit dem Turmuhrenmusem in Gräfenberg weiter?

17.7.2021, 16:58 Uhr
Georg Rammensee hört auf: Der 78-Jährige hat das Turmuhrenmuseum in Gräfenberg vor 22 Jahren gegründet und es seit dem geführt. Doch nun muss er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten.

Georg Rammensee hört auf: Der 78-Jährige hat das Turmuhrenmuseum in Gräfenberg vor 22 Jahren gegründet und es seit dem geführt. Doch nun muss er aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. © Petra Malbrich, NN

Georg Rammensee, Nachfahre der Turmuhrendynastie Rammensee, hat vor 22 Jahren das Turmuhrenmuseum in Gräfenberg gegründet und es seitdem geführt. Nun muss er aus gesundheitlichen Gründen das Zepter abgeben. Doch wie geht es weiter? Denn seine Tochter Andrea, die das Aufgebaute erbt, ist aus aus beruflichen Gründen gebunden.

Dass es weitergehen muss, darüber sind sich alle einig. Denn die Schätze in der Scheune in der Kasberger Straße sind nicht nur Zeugnisse der Zeit. „Es ist eine geschichtliche Epoche Gräfenbergs“, sagt Hans-Peter Reck, Vorstand der Altstadtfreunde. In der Uhrenfabrik Rammensee am Bahnhof in Gräfenberg wurde bis 1955 produziert und von der Firmengründung an insgesamt 1500 Uhren gebaut. „Die Uhren wurden bis Hongkong, Südafrika und Südamerika verkauft“, betont Reck. 1957 schloss die Fabrik endgültig die Tore.

Als die Elektrotechnik die Mechanik ablöste

Gegründet wurde sie von Rammensees Urgroßvater Georg Rammensee. Die Moderne, als die Elektrotechnik die Mechanik ablöste, und der Krieg, der das Leben der männlichen Erben forderte, beendete die zehn Generationen andauernde Uhrmacherdynastie Rammensee. Die Herren, die einst mit Glacéhandschuhen durch die Stadt liefen und den größten Arbeitgeber verkörperten, mussten ihre Fabrik verkaufen und sich den Lebensunterhalt in anderen Berufen verdienen.

Doch wenn es die Fabrik nicht mehr gibt, sollte auch nichts mehr darauf hinweisen, entschied damals Carl Rammensee, der Großvater des langjährigen und gleichnamigen Stadtrats, und vernichtete alle schriftlichen Unterlagen über die Groß- und Kleinuhren aus Gräfenberg, die in die ganze Welt verschickt wurden.

Zum Turmuhrenmuseum kam er, als er seine Familiengeschichte erforschte

„Am meisten Beschäftigte hatten wir 1936", erzählt Georg Rammensee. Damals zählte die Fabrik 36 Beschäftigte, wobei 16 Lehrlinge waren. "Sie lernten wie ich Industriemechaniker. Das Uhrenmacherhandwerk kam erst beim Meistertitel dazu", erinnert sich der Turmuhrenbesitzer. Da die Lehrlinge aber schon mit Elektronik zu tun hatten, wanderten sie alle in die Industrie nach Nürnberg ab und bildeten sich zum Elektriker weiter. In der Stadt konnte man eben mehr verdienen.

Zum Turmuhrenmuseum kam Georg Rammensee erst viel später, als er seine Familiengeschichte erforschte. Die erste Uhr in seinem Museum war eine Uhr der Rammensee-Dynastie und war zuvor auf einem Gutshof in Höfles. „Es war eine kleine Uhr, sie passte ins Wohnzimmer“, erinnert sich Rammensee. Zu dieser Uhr, die er erforschte und restaurierte, kamen 25 weitere hinzu. Georg Rammensee stieg auf die Kirchtürme und fand nicht nur Rammensee-Uhren, sondern auch Uhren von anderen Herstellern, teils von unbekannten. Auch dort war die Moderne eingezogen, die alten Uhren hatten keine Verwendung mehr.

Die Stadt will unterstützen

Die Uhren hat er abgebaut, restauriert und in seiner Scheune wieder aufgebaut. Deshalb kann er auch viel über die Geschichte der Turmuhren generell erzählen und über die Zeitmessung. 1999 hat Rammensee dann die Scheune eingeweiht. Das Turmuhrenmuseum öffnete die Tore und Georg Rammensee gelang es jedes Mal die Gäste auf eine faszinierende Reise über die Zeit, was diese über das Leben der Leute erzählt, und über die Uhrenfabriken und deren Besonderheiten mitnehmen. 42 Jahre lang hat Georg Rammensee gesammelt, restauriert und erklärt. „Das ist ein Lebensabschnitt“, sagt Rammensee. Doch nun ist der 78-Jährige gesundheitlich dazu nicht mehr in der Lage.

Damit das Museum nicht wie die Fabrik endgültig die Pforten schließt, wird nun eine Lösung gesucht. Weitergehen soll es. Lediglich das Wie ist noch offen. „Die Stadt wird es auf jeden Fall unterstützen“, betont zweiter Bürgermeister Hans Derbfuß (CSU). Doch wie, das hängt ebenfalls vom Weiterbestehen des Museums ab. Ob eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis möglich sei, ob eine Stiftung gegründet wird, ob ein Verein das Museum übernimmt, das wird nun von Bernd Albig, dem Vorstand des Fränkische-Schweiz-Vereins geprüft. Damit man allen Ansprüchen gerecht wird und damit das Turmuhrenmuseum auch weiterhin die Tore öffnen wird.

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