Donnerstag, 03.12.2020

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Winterschlaf statt Weihnachtsgefühle rund um Pretzfeld

Erster Teil unserer Serie "Aus dem Nichts": Besuch im unteren Trubachtal - 22.11.2020 09:00 Uhr

Ein Archivbild vom Pretzfelder Weihnachtsmarkt – den es heuer nicht geben wird. 

20.11.2020 © Stefan Braun


Günter Kursawe ist Vorsitzender des SV Pretzfeld und beschreibt mit diesen deutlichen Worten die Situation beim Sportverein. 

Die Jahresabschlussfeier und die Weihnachtsfeiern der einzelnen Abteilungen seien längst abgesagt, der Sportbetrieb drinnen und draußen ruhe, fährt Kursawe fort – während sein Blick bereits in den Januar reicht. „Da haben wir am zweiten Samstag seit einigen Jahren regelmäßig ein Darts-Turnier im Vereinsheim, das sich von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit erfreut. Das wird wohl auch ausfallen, denn dass im Januar so viele Leute in einem Raum erlaubt sind, kann ich mir derzeit nicht vorstellen.“ 

+++ "Aus dem Nichts": Das ist das Konzept unserer Serie +++

Was für den Sportler das Training, ist für den Sänger die Chorprobe. „Wir singen seit vier Wochen nicht mehr“, erzählt Roswitha Grodd. „Zuvor waren wir bei den Proben immer zwischen 15 und 18 Personen. Wegen Corona konnten nie alle kommen, aber die meisten waren da.“ Grodd, Vorsitzende der Singgemeinschaft Pretzfeld, sieht die Notwendigkeit der verordneten Maßnahmen ein. Aber: „Die Leute brauchen das ein wenig, gerade ältere Menschen kommen gerne zu unseren Aufführungen.“ 

Geprobt wurde in den warmen Monaten im Freien oder auf dem Rathausareal, das gehe nun nicht mehr. „Für den dritten Advent war ein Konzert in der Kirche vorgesehen, das nun entfallen muss. Bei anderen Anlässen wollten wir Beethoven singen, denn wir haben ja das Beethoven-Jahr, was leider völlig untergegangen ist. Das werden wir aber nachholen, sobald es möglich ist.“

Aufgeben ist keine Option

Das Wort „Aufgeben“ kennen sie auch bei der Dorfgemeinschaft in Lützelsdorf nicht; doch für heuer müssen sich in der Vorweihnachtszeit die etwas mehr als 70 Bürger mit ihren gesellschaftlichen Aktionen zurückhalten. „Im nächsten Jahr wollen wir wieder eine g’scheite Kerwa mit netten Gästen feiern“, kündigt Gerhard Kraft an. „In normalen Jahren laufen im November die Vorbereitungen für unseren kleinen Weihnachtsmarkt.“ 

Wenn er an die letzten Jahre denke, so wäre man um diese Zeit dabei, zu planen und zu basteln. „Wir müssten uns mindestens zwei Mal in der Woche treffen. Treffpunkt war und ist unser Glockenhaus in der Ortsmitte. Die besten Ideen kommen bei einer netten Unterhaltung, bei einem Glühwein oder Brotzeit und Bier“, sagt der Gemeinderat wehmütig. „Ja, und was machen wir in diesem Jahr?“ Kraft: „Wir sitzen blöd zu Hause herum und hoffen wenigstens im Dezember gemeinsam auf das neue Jahr anstoßen zu dürfen.“ Es bleibt die Hoffnung auf die Kerwa.

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Zur Kerwa im Hauptort Anfang Oktober spielte der Musikverein Pretzfeld noch im Freien groß auf „und die Leute freuten sich“, sagt der Vorsitzende Christian Hetz. Kurze Zeit später mussten die Proben eingestellt werden. Das Konzert in der Kirche am zweiten Adventswochenende zum Auftakt des Weihnachtsmarktes im Pfarrhof hat Hetz abgeschrieben, ebenso das Silvesterspiel, „bei dem wir immer nacheinander an mehreren Standorten aufspielten und zum Abschluss immer das Altenheim in Ebermannstadt besuchten“. Die Musiker seien sehr enttäuscht, hoffen aber auf einen eingeschränkten Probebetrieb im Frühjahr, so Hetz.

„Wir mussten bereits in den letzten Monaten kürzertreten, wollen aber den Menschen besinnliche Adventsfeiern bieten“, sagt Pfarrer Florian Stark zu den ungewöhnlichen Umständen. Die Konzerte in der Kirche fallen aus und „die persönlichen Kontakte fehlen, denn Kirche ist mehr als nur Gottesdienst“, weiß der Geistliche. Mit Blick auf die Weihnachtstage kündigt er an, dass die Anzahl der Gottesdienste erhöht werden soll, „aber es werden Anmeldeformulare nötig sein. Das Krippenspiel wird ausfallen, wir müssen sogar damit rechnen, dass es noch strenger wird“, fürchtet er. 

STEFAN BRAUN

 

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