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14 auf einen Streich: Der Falken-Nachwuchs spitzt aus den Nestern

Kurt Hussong und Günter Löslein beringen die Küken auf Fürther Kirchtürmen und am Faberschloss - 02.05.2021 10:00 Uhr

Mit den zwei Ringen, die Kurt Hussong (li.) und Günter Löslein an den Füßen der jungen Falken anbringen, können Fachleute die Lebenswege der Greife verfolgen.

29.04.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Auf St. Paul in der Fürther Südstadt, auf St. Johannis in Burgfarrnbach und dem Faberschloss in Stein sind je vier kleine Greife geschlüpft. Wie viele Küken auf dem Sims unter der Kirchturmuhr von St. Laurentius in Roßtal ihrer Mutter um den Schnabel gehen, um sie um Futter anzubetteln, weiß Kurt Hussong noch nicht genau.

Zwei Jungtiere hat er, auf der Friedhofsmauer stehend, mit seinem riesigen Teleobjektiv schon ausgemacht. Ella und Harold – so haben die Konfirmanden des Jahrgangs 2019 die Elterntiere getauft, als sich das Paar erstmals dort eingenistet hatte – könnten aber durchaus auch noch ein, zwei Junge mehr haben.


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Anders als an den anderen drei Standorten kommt Hussong in Roßtal nicht an das Nest heran. Soweit die Horste zugänglich sind, beringt der Fürther Jäger und Falkner dieser Tage mit dem Veitsbronner Vogelschützer Günter Löslein die Jungtiere. "Mein Fitness-Parcours", sagt Hussong, der bald seinen 80. Geburtstag feiert, "sind die Kirchtürme."

Zwei Ringe als Kennzeichen

Mit zwei Ringen werden die Vögel ausgestattet. Ein kleineres Exemplar der Vogelwarte Radolfzell am Bodensee verrät, wann und wo das Tier beringt wurde. Der größere Kennring kommt von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz. Er erlaubt Beobachtern, ein Tier aus der Distanz zu identifizieren.

So können Vogelschützer die Lebenswege der Vögel nachvollziehen. Beispielsweise auch, dass St. Paul die Wiege der hiesigen Wanderfalken-Population ist. Von der Fürther Südstadtkirche sind seit 2002, als dort erstmals ein Wanderfalkenpärchen einen Nistkasten für Dohlen auf dem Kirchturm besetzte, 52 Jungtiere ausgeflogen.

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Mit Spannung verfolgen Tierliebhaber und Vogelbeobachter jedes Jahr die Wanderfalken-Brut an der Nürnberger Burg. Dank Webcam kann man live mit zusehen, wie die Eier vom Muttertier sorgsam gebrütet werden und so neues Leben entsteht. Das Schlüpfen der Jungtiere ist allerdings gar nicht so selbstverständlich. Es lohnt sich also, diese Vogelart mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.


"Nur etwa 40 Prozent überleben das erste Jahr", weiß Hussong, "aber das ist die Natur – und, seit Freizeitsportler die Felsenbrüter aus ihren angestammten Brutplätzen vertrieben haben, die Zivilisation." Auf deren "künstliche Felsen", wie beispielsweise Kirchtürme, weichen die Falken zusehends aus.

Doch hier drohten andere Gefahren, Stromleitungen, Kamine, in die sie fallen können, der Straßenverkehr. Von einem Südstadt-Männchen weiß Hussong, dass es in Turbulenzen am Nürnberger Flughafen umgekommen ist, von einem anderen, dass es gegen ein Fenster am Nordklinikum knallte und diese Kollision nicht überlebte.

Die Population hat sich erholt

Aber natürlich lassen sich auch die Erfolgsgeschichten nachvollziehen, etwa, dass sich ein Männchen von St. Paul in Burgfarrnbach angesiedelt hat; ein anderes hatte sich mit einer Partnerin aus Baden-Württemberg am Kirchturm von St. Rochus in Zirndorf eingenistet.


Fürth: Wie der Wanderfalke wieder heimisch wird


Warum letztere heuer ausblieben, darüber kann Hussong nur rätseln, das Gleiche gilt für das Paar von der Veitskirche in Veitsbronn und für das am Aussichtsturm in Cadolzburg. Beide Bauten waren vor zwei Jahren noch Brutplätze, heuer ließen sich die Falken wieder nicht blicken. Trotzdem sagt Hussong: "Die Wanderfalken-Population hat sich gut erholt, bundesweit und auch im Fürther Raum."

Etwa 1000 Brutpaare gibt es heute in Deutschland. Hussong, der seine Liebe zu den Greifvögeln als junger Bub 1951 an den Volieren der Landesgartenschau im Fürther Stadtpark entdeckte, weiß von anderen Zeiten.

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Er spricht vom "Pestizid-Crash" der 60er Jahre, der die Population fast ausrottete. In der Landwirtschaft ausgebrachte Pestizide reicherten sich in den Vogelkörpern an. Das reduzierte die Population auf 40 bis 50 Paare.

Nachdem das Gift DDT verboten wurde, begannen Naturschützer und Falkner, unter ihnen Hussong, Wanderfalken zu züchten und auszuwildern. Das Auswilderungsprogramm in Deutschland endete 2010, berichtet er. "Es wird fortgesetzt, zurzeit in Polen. Aber auch das Baltikum und Weißrussland sind aktuell interessiert, der Wanderfalken-Schutz kennt keine Ländergrenzen."

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